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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Dass US-Präsident Donald Trump zum zweiten Platz von Marine Le Pen bei der jüngsten Stichwahl in Frankreich bislang schweigt, ist schon irgendwie auffällig, schreibt die Zeitung „The New York Times“. Doch hat diese verdächtige Stille eine Erklärung: Ein Sieg Le Pens wäre noch lange kein Sieg für Trump.

    Ende letzter Woche habe Trump die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin noch unterstützt, jetzt aber schweige er. Seine „Mitstreiterin aus dem Populisten-Lager“, so die Zeitung, habe in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag nur den zweiten Platz gemacht. Der Élysée-Palast sei für Le Pen in weite Ferne gerückt.

    Einerseits liege die Funkstille im Weißen Haus daran, dass die Trump-Administration sich in die Präsidentschaftswahlen anderer Länder vielleicht nicht einmischen möchte. Zudem aber sei Donald Trump derzeit „mehr damit beschäftigt, nach 100 Tagen im Amt mit seinen Erfolgen anzugeben“. Überdies liebe der US-Präsident Gewinner, „Le Pen aber scheidet in zwei Wochen aus dem Rennen aus, wie es aussieht“.

    Vor allem aber würde Le Pens Sieg Donald Trump echtes Kopfzerbrechen bereiten, habe sich der US-Präsident doch erst unlängst auf traditionellere Weise gegenüber Nato, Europa und dem Nahen Osten positioniert. Und das sei der wichtigste Grund für Trumps derzeitige Zurückhaltung, betont die Zeitung.

    Marine Le Pen hat versprochen, Frankreich aus den Kommandostrukturen der Nato herauszuführen. Trump habe die Allianz einst zwar ausgelacht, unterstütze sie inzwischen aber, schreibt „The New York Times“ mit Verweis auf das Treffen des US-Präsidenten mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

    Le Pen hat versprochen, im Falle ihres Sieges innerhalb eines Jahres über den Austritt Frankreichs aus der EU abstimmen zu lassen. Eine Entscheidung für den Austritt würde die EU sicherlich vernichten und eine Panik auf den Aktienmärkten auslösen. „Dieser Punkt hätte negative Folgen für Trumps Politik. Denn steigende Aktienkurse sind aus Sicht des US-Staatschefs ein spürbares Indiz für den Erfolg seiner Präsidentschaft“, so das Blatt. Erste Nachrichten über Macrons ersten Platz bei der Stichwahl hätten die Finanzmärkte belebt. „Das war eine Erinnerung daran, wie sehr das Vertrauen der Investoren von der Stabilität der EU abhängt.“

    Ein Sieg von Marine Le Pen würde für Verunsicherung in EU und Nato sorgen. „Dies würde die Pläne der Trump-Administration im Kampf gegen den IS erschweren – und auch deren Strategie hinsichtlich des syrischen Bürgerkriegs, hinsichtlich des Irans, Russlands und Afghanistans“, schreibt das Blatt.

    „Le Pen würde all das Schlechte an den Tag legen, das man einstmals von Charles de Gaulle erwarten konnte – nur noch schlimmer“, sagte Professor Eliot Cohen von der John-Hopkins-Universität der Zeitung. Er war Mitarbeiter in der Administration von George Bush Junior. Charles de Gaulle habe Frankreich bekanntlich aus den Befehlsstrukturen der Nato herausgeführt und habe deutliche Tendenzen gezeigt, eine von den USA unabhängige Politik zu betreiben.

    Und der ehemalige Europa-Experte im Nationalen Sicherheitsrat der USA, Charles Kupchan, sagte laut der Zeitung, Marine le Pen könne für Donald Trump keine vertrauenswürdige Kandidatin sein: „Le Pens Grundsatz ‚Frankreich zuerst‘ wie auch Trumps ‚Amerika zuerst‘ sind Rezepte für Länder, die jedes für sich ihren eigenen Weg gehen wollen“, so der Experte.

    Dies könne erklären, warum Trump sich schon vor den Wahlen von Le Pen distanzierte. „Ein Sieg Le Pens wäre nicht zwangsläufig ein Sieg für Trump“, resümiert die US-Zeitung.

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    Tags:
    Präsidentenwahl, The New York Times, Front National, Donald Trump, Marine Le Pen, Franken