17:24 20 Juni 2019
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    THAAD-Aufmarsch in Südkorea

    US-THAAD-Raketenschild erreicht Südkorea – und wird gleich fix montiert

    © REUTERS / Lee Jong-Hyeon
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    Die Ausrüstung für das neue US-System THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) zum Abfangen von Kurz- und Mittelstreckenraketen in großer Höhe ist am frühen Morgen am künftigen Stationierungsort in Südkorea eingetroffen, wie die Agentur Yonhap berichtet.

    Auf dem Gelände des ehemaligen Golfklubs in Seongju-gun in der Provinz Gyeongsang Namdo sind demnach sechs Lkw mit den Radaranlagen und anderer Ausrüstung für das THAAD-System eingetroffen. Dies soll noch im Dunkeln und ohne die Durchführung der von den Behörden versprochenen Untersuchung von möglichen Umweltfolgen geschehen sein, was laut Yonhap zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und der Bevölkerung führte. Schon bald wolle das Verteidigungsministerium der Republik diese Ausrüstung testen. Das alles offenbare den Wunsch der gegenwärtigen südkoreanischen Führung, die Stationierung der THAAD-Systeme noch vor der Präsidentschaftswahl am 9. Mai abzuschließen, um der künftigen Regierung die Möglichkeit zu nehmen, die Stationierung dieses Raketensystems zu stoppen.

    Die Bewohner der Region Seongju-gun sind laut Medienmeldungen wegen der Nachbarschaft mit den THAAD-Systemen höchst besorgt. Dies habe sich in tagelangen Protestaktionen geäußert. Vor Ort sollen zudem so viele Polizisten präsent gewesen sein, dass die Demonstranten den Eindruck gewannen, in eine Diktatur zurückgekehrt zu sein, wie es heißt.

    Kim Wonmyeong, ein Vertreter der Won-Buddhisten, der seit 16 Jahren im Kreis  Seongju-gun unweit des künftigen THAAD-Standorts lebt, kommentierte am Mittwochabend in einem Interview mit Sputnik: „Die Raketenabwehrsysteme zu stationieren ist, als würde man alle Bewohner Koreas auf einem sinkenden Fährschiff Sewol einschließen.“

    Zur gegenwärtigen Situation sagte er, dass sich die Polizei bereits zurückgezogen habe, die Protestaktion aber weiter anhalte, wie auch in den Wochen zuvor schon protestiert worden war.

    Durch das hohe Polizeiaufgebot, das für eine 10.000-köpfige Demonstration ausgereicht hätte, waren die Anwohner Kim zufolge den ganzen Tag über isoliert. Bei den Auseinandersetzungen mit der Polizei sei der Leiter des Sonderkomitees gegen die THAAD-Stationierung, Pak Hiongju, festgenommen worden. „Die erzürnten Einwohner von Seongju-gun und Gimcheon-si waren völlig isoliert, da ihnen Dutzende Polizeifahrzeuge den Weg versperrten, aber auch diese Autos kamen nicht vom Fleck, und erst dann wurde Pak Hiongju freigelassen“, so Kim.

    Wie er ferner betonte, „dürfen wir dies (die THAAD-Stationierung – Anm. d. Red.) nicht zulassen. „China und die USA vereinbaren da irgendetwas, und die USA spielen mit THAAD, als wollten sie Nordkorea angreifen wollen“, fuhr er fort. „Wäre es da nicht besser, wenn Russland, das gegen die THAAD-Stationierung ist, Druck ausübte?“

    Laut Kim wissen die Leute sehr gut, dass zwei Präsidentschaftskandidaten – Sim Sandjon und Lee Jemjong, der bereits die Vorwahl verloren hat – gegen das THAAD eintreten. Doch die übrigen Kandidaten seien viel zu viel mit Politik beschäftigt und hätten weder genügend Kräfte noch Möglichkeiten, dieses Problem anzugehen, meinte er.

    „Ich wohne in diesem Ort, ich empfinde tagtäglich Unruhe und Machtlosigkeit, und ich bin absolut nicht überzeugt, dass unsere Politiker die Bevölkerung unseres Landes vor dem THAAD retten können. Ich bin gezwungen zu beobachten, wie die Menschen die Kraft verlieren. Aber wir haben einen Eid geschworen. Wir werden uns bis in den Tod für unsere ‚heilige Erde‘ einsetzen“, schloss Kim.

    Wie aus Seoul verlautete, soll die Stationierung der THAAD-Systeme bis zum Mai abgeschlossen werden. Laut den südkoreanischen Medien soll die THAAD-Batterie vier bis neun mobile Startanlagen auf Raupenketten besitzen, wobei eine jede für acht Abfangraketen vorgesehen sei. Die Batterie soll zudem über ein Raketenabwehrradar des Typs TPY-2TM verfügen. Der Aktionsradius des amerikanischen Raketenabwehrsystems THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) soll nach Informationen der südkoreanischen Verteidigungsbehörde nicht über 200 Kilometer erreichen.

    China und Russland machen sich nicht nur wegen der Stationierung von THAAD in Südkorea Sorgen, sondern auch wegen der Möglichkeit, dass die USA ein ganzes Netzwerk von Raketensystemen in Japan, Singapur, auf den Philippinen und sogar in Taiwan aufbauen könnten.

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    Tags:
    Verschärfung, Krise, Aufmarsch, Luftabwehrsystem THAAD, Yonhap, Südkorea, Nordkorea, USA