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22:55 19 September 2019
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    Kind in einer Kita (Symbolbild)

    Kirchenasyl: Flüchtling in Kita-Keller ist Eltern ein Dorn im Auge

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    Politik
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    Die evangelische Kirche in Flintbek bei Kiel (Schleswig-Holstein) hat einen Flüchtling aus Eritrea im Keller einer zu ihr gehörenden Kindertagesstätte einquartiert. Wie das „Flensburger Tageblatt“ berichtet, ist vielen Eltern der dort betreuten Kinder diese Nächstenliebe nicht recht. Der zuständige Pastor rät, die Kinder doch einfach abzumelden.

    Dass ein Flüchtling so nah an den 82 Kindern wohnt, die dort in der Kita betreut werden (darunter übrigens drei Flüchtlingskinder), ist einigen Eltern nicht ganz geheuer.

    „Niemand – auch kein Pastor – kann uns garantieren, dass es bei einem womöglich traumatisierten Flüchtling, der sich wochenlang in einem Kellerraum ohne Tageslicht aufhält, nicht zu einer Kurzschlussreaktion kommen kann“, äußerte eine besorgte Mutter gegenüber dem Blatt.

    Wem das Kirchenasyl nicht recht ist…

    Der zuständige Pastor Manfred Schade hat in einem Brief an die Eltern zu der Debatte Stellung bezogen. Er könne die abweisende Haltung mancher Eltern nicht begreifen. In dem Schreiben, das dem „Flensburger Tageblatt“ vorliegt, verteidigt er das Kirchenasyl und scheut keine Konsequenzen:

    „Wer die Haltung der Ev. Kirchengemeinde Flintbek in dieser Frage für falsch hälft, dem mag eine Abmeldung des Kindes aus unserer Kita ein notwendiger Schritt erscheinen, den wir bedauern.“

    Es dürfe nicht akzeptiert werden, dass die „schwächsten Glieder unserer Gesellschaft als potenzielle Gefährder oder Terroristen öffentlich verunglimpft werden“. Die Kirchengemeinde habe schon mehrmals Schutz suchenden Flüchtlingen in ihren Räumlichkeiten Asyl gewährt – nie sei es zu einem Vorfall gekommen.

    Landrat hat letztes Wort

    Dennoch soll der Flüchtling vorübergehen an einem anderen Ort untergebracht worden sein, schreibt das Blatt. Aus verwaltungstechnischen Gründen, heißt es da.

    Wie die Zeitung ferner berichtet, haben sich einige Eltern nun an den zuständigen Landrat Rolf-Oliver Schwemer von der Kreisverwaltung gewandt. Dieser habe nun die Unterbringung des Flüchtlings in der Kindertagesstätte untersagt. Das Kirchenasyl dürfe nämlich nur innerhalb von Kirchenräumen, nicht aber in Räumen von Kitas oder dazugehörigen Kellerräumen gewährt werden.

    Hier leben die meisten „Migranten-Skeptiker“
    © REUTERS / Antonio Bronic/File Photo

    Gegenüber der „Welt“ sagte Schwemer, nach Beschwerden von „etwa fünf Eltern“ habe er also die Gemeinde um eine andere Unterbringung für den Mann gebeten. Der Raum sei außerdem in der Baugenehmigung nicht entsprechend ausgewiesen, weshalb er „baurechtlich überhaupt nicht zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen genehmigt“ sei.

    Pastor Schade ist die Sache jedoch noch nicht abgeschlossen. Er will die Einwände der Verwaltung juristisch prüfen lassen, heißt es.

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    Tags:
    Abschiebung, Migranten, Kinder, Asyl, Evangelischen Kirche, Kirche, Kirchenasyl, Schleswig-Holstein, Kiel, Deutschland