02:05 25 Februar 2020
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    Berichte über einen möglichen Kauf russischer Luftabwehrsysteme des Typs S-400 durch die Türkei erregen in Russland weiherhin Aufsehen. Militärexperte Ruslan Puchow erläutert in einem Interview mit der Onlinezeitung lenta.ru, unter welchen Bedingungen der Deal zustande kommen könnte – und mit welchen Auswirkungen.

    „Die hohe Konkurrenzfähigkeit russischer Luftabwehrsysteme (nicht nur von hoher Reichweite) schafft günstige Bedingungen für eine Kooperation in diesem Segment, obwohl Ankara bisher keine Flugabwehrwaffen in Moskau gekauft hat“, sagte Puchow, der die russische Denkfabrik CAST leitet.

    Ende April hatte der türkische Minister Mevlüt Cavusoglu mitgeteilt, sein Land habe mit Russland eine grundsätzliche Vereinbarung über einen S-400-Ankauf erzielt. Derzeit seien die beiden Länder dabei, über den Preis und über eine gemeinsame Produktion zu verhandeln, sagte Cavusoglu der Zeitung „Haberturk“. Anfang Mai bestätigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dass die mögliche S-400-Lieferung auch beim jüngsten Treffen zwischen Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan in Sotschi angesprochen worden sei. 

    Puchow kommentierte nun weiter: „Das S-400-System ist für den Export freigegeben und die Türkei zählt zu jenen Staaten, mit denen eine militärtechnische Kooperation erlaubt ist (…) Zwar ist es klar, dass eine Lieferung dieser Waffensysteme an einen Mitgliedstaat des aggressiven Nato-Blocks gewisse Risiken in sich birgt. Doch kommerzielle und politische Vorteile durch diesen Deal, falls er doch zustande kommt, würden diese Risiken überwiegen.“

    „Die russisch-türkischen Beziehungen sind tatsächlich instabil. Ein solcher Deal würde aber zu ihrer Stabilisierung beitragen. Es wäre allerdings nicht wünschenswert, wenn Russland kommerzielle Zugeständnisse gegenüber Ankara (wie etwa eine Lieferung auf Abzahlung oder eine wesentliche Offset-Aufbürdung) eingehen würde, um die politische Staatsführung bloß über Fortschritte zu informieren oder das Auftragsportfolio formell zu füllen. Dem S-400-System mangelt es nicht an Lieferaufträgen – und die Türkei muss für die Lieferung komplett bezahlen“, meinte Puchow.  

    Generell sagte er, die Türkei zähle nicht zu den Großimporteuren russischer Waffen, aber auch mit diesem Land gebe es Erfahrungen einer militärtechnischen Kooperation. Die Türkei habe bereits Hubschrauber der Mi-17-Familie sowie Panzerabwehrraketen des Typs Kornet-E gekauft.

    „Im Hinblick auf die türkischen Ambitionen in der Verteidigungsindustrie wirkt die Umsetzung von Gemeinschaftsprojekten am aussichtsreichsten. Selbstverständlich wären dafür allerdings entsprechende politische Bedingungen nötig, die derzeit fehlen, indem eine hohe Volatilität in den bilateralen Beziehungen besteht. Doch die Situation ändert sich. Da die Türkei allmählich in Richtung weg von ihren westlichen Partnern und Verbündeten driftet, nehmen die Chancen auf eine Intensivierung der russisch-türkischen militärtechnischen Kooperation zu“, prognostizierte Puchow.

    Bei Deals mit Luftabwehrsystemen großer Reichweite spiele die Politik überhaupt eine entscheidende Rolle. Falls eine politische Entscheidung grundsätzlich falle, werde man auch eine Balance weiterer Interessen finden: „Falls ein S-400-Vertrag unterzeichnet wird, wird dies eine tektonische Verschiebung am Weltwaffenmarkt bedeuten.“

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    Tags:
    Waffenhandel, Lieferungen, Deal, Raketenkomplex, Luftabwehr, S-400, Dmitri Peskow, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Russland, Türkei