10:36 18 Februar 2020
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    Der Linken-Politiker aus dem niedersächsischen Quakenbrück Andreas Maurer hat wegen Morddrohungen seine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Odessa-Brandmassakers kurzfristig absagen müssen. Damals waren 48 Personen ums Leben gekommen und mehr als 200 verletzt worden, die übergroße Mehrheit Kritiker der Maidan-Regierung.

    Nach einer Trauerveranstaltung in Quakenbrück vor einem Jahr hat Maurer auch aus Odessa eine Einladung bekommen — und gleich zugesagt. Inzwischen besuchte der Kreisabgeordnete aber auch mehrmals die Krim. Daraufhin hat Kiew ein Einreiseverbot gegen ihn verhängt und droht bei Zuwiderhandlung mit Gefängnisstrafe.

    „Das ist entsetzlich, dass ich in der letzten Zeit verstärkt über Facebook und Telefon Nachrichten bekomme, indem mir offen gesagt wird:,Wir warten auf dich, das wird deine letzte Reise‘. Dann war es für mich eine große Frage, ob ich mir dieses Risiko zumute?“, erzählt Maurer im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Auch Sicherheitskreise der Bundesrepublik haben mir auf jeden Fall davon abgeraten, diese Reise anzutreten.“

    Todesdrohungen

    Der Politiker will auch einen Brief von den ukrainischen Nationalisten erhalten haben, in dem es heiße: „Uns ist egal, was unser Innenminister Awakow und die ukrainische Regierung machen. Wir sorgen dafür, dass Sie in Odessa gebührend in Empfang genommen werden.“

    Maurer musste also eingestehen: „Ich hatte vorher schon Bedenken, was in der Ukraine so passiert, aber jetzt ist offenbar, dass die ukrainische Regierung die Lage im Land komplett nicht mehr unter Kontrolle und keinen Einfluss auf die kriminellen Gruppierungen hat. Die Härte dieser Aussagen übertrifft alles, was ich je im Internet gelesen habe.“

    Merkelsche Bankrotterklärung

    An diese Tragödie der neueren Geschichte der Ukraine in Odessa am 2. Mai 2014 erinnerte auch Russlands Präsident Wladimir Putin bei seinem jüngsten Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Sotschi. Dabei betonte Putin, dass die Ereignisse im Südosten der Ukraine eine Folge des Staatsstreiches und des verfassungswidrigen Machtwechsels in Kiew gewesen seien. Merkel erwies sich natürlich ganz anderen Meinung.

    Merkels Worte wertet Maurer nun als eine komplette Bankrotterklärung. „Sie gibt damit zu, dass sie diejenigen unterstützt hat, die gesetzwidrig an die Macht gekommen sind. Ich habe die Pressekonferenz in Sotschi angehört, wie Angela Merkel das ohne Überzeugung gesagt hat. Das war so, als ob sie es einfach auswendig gelernt hätte. Natürlich ist ein Fehlereingeständnis schwierig. Aber man konnte analysieren, warum dieses schreckliche Verbrechen in Odessa passiert ist, wobei Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.“

    Für einen Europäer sei es unfassbar, so Maurer weiter, warum dieser Fall nicht aufgeklärt werde. „Warum machen Deutschland und die Europäische Union keinen Druck auf die Machthaber in der Ukraine, warum werden keine unabhängigen Aufklärer eingesetzt, wenn die Ukrainer selbst nicht imstande sind, dies zu tun?“

    Der deutsche Abgeordnete hält es für  politisch wichtig, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird. „Viel wichtiger ist es aber auch für die Angehörigen der Opfer und die einfachen Menschen in der Ukraine. Natürlich kann Frau Merkel ihre eigene Meinung dazu haben, hier geht es aber nicht um eine persönliche Meinung, sondern darum, die Wahrheit herauszufinden. Deshalb kann sich Bundeskanzlerin Merkel nicht aus der Verantwortung stehlen. Und wir werden darauf drängen, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird.“

     

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Massaker, Trauer, Brand, Die LINKE-Partei, Andreas Maurer, Angela Merkel, Wladimir Putin, Odessa, Krim, Deutschland, Russland, Ukraine