23:56 18 Oktober 2018
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    Macrons Sieg: Viele Moslems seufzen erleichtert

    © AFP 2018/ PHILIPPE HUGUEN
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    Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich 2017 (131)
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    Mit einem Seufzer der Erleichterung ist der Wahlsieg Emmanuel Macrons in moslemischen Staaten und von vielen Moslems in Europa aufgenommen worden.

    Die in London erscheinende saudische Zeitung „Al Hayat“ stellt fest: Der Wahlsieg Macrons sei eine Antwort an alle Skeptiker des Integrationsprozesses nach dem Brexit-Beschluss. 

    Die andere saudische Zeitung „Al Sharq al Awsat“ schreibt:„Mit der Wahl Macrons lehnte Frankreich den Populismus ab und erklärte, dass es in der EU bleiben will, während ein Austritt aus der EU zu den Prioritäten von Le Pen gehörte.“

    Der TV-Sender Al Jazeera befasst sich in seinen Kommentaren zu Macrons Erfolg hauptsächlich mit den Befürchtungen von aus islamischen Staaten stammenden Einwohnern im Zusammenhang mit der Verstärkung der „ultrarechten“ politischen Parteien in Europa.

    Wie Professor Ali Murad aus der Universität Beirut in einem RIA-Novosti-Interview feststellte, standen die Wahlen in Frankeich hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Bürger arabischer Länder an zweiter Stelle hinter den Präsidentenwahlen in den USA. „Die Teilnahme von Marine Le Pen an der Stichwahl hat bei den Bürgern arabischer Länder reale Besorgnisse ausgelöst, sie fingen an, sich mehr für politische Fragen zu interessieren.“ 

    Nach Ansicht des Experten wird Macron der Nahost-Problematik weniger Aufmerksamkeit schenken als sein Vorgänger. „In Bezug auf Syrien wird der Vektor weiter bestehen, den Francois Hollande gewählt hat“, meinte er. „Macron wird aber diesem Problem weniger Aufmerksamkeit schenken und seine Haltung zur Syrien-Krise wird weniger voreingenommen sein als bei Hollande.“

    Die Wahlen in Frankreich wurden auch in den früheren französischen Kolonien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Diese Länder beschäftigt sich unter anderem das Thema, ob sich Frankreich jemals offiziell für die in diesen Ländern begangenen Verbrechen entschuldigen wird. 

    Angela Merkel
    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
    Der tunesische Politologe Riyad al-Saidavi äußerte in diesem Zusammenhang in einem Interview für die algerische Zeitung „Al Shuruq“: „Macron wirkt entschlossener als sein Vorgänger. Das Kolonialismus-Problem hat eine symbolische Bedeutung, der französische Präsident könnte sich dafür entschuldigen, was sein Land in der Zeit des Kolonialismus getan hat.“ Momentan leitet al-Saidavi das Arabische Zentrum für Politik und Soziologie in Genf.

    In seinem Glückwunschschreiben an Macron verwies der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi auf „tiefe und starke französisch-ägyptische Beziehungen“ und äußerte den Wunsch, mit dem neuen französischen Präsidenten „an der Verstärkung und Entwicklung der festen bilateralen Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen“ zusammen zu arbeiten. 

    Auch der König von Marokko, Muhammed VI. gratulierte Macron zum Wahlsieg. 

     

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