00:21 24 Juni 2017
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    Entlassener FBI-Chef James Comey

    Experte zu Rücktritt von FBI-Chef: James Comey ist Opfer eigenen Ränkespiels

    © AP Photo/ Carolyn Kaster
    Politik
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    Laut dem Amerika-Experten und Professor an der Moskauer Akademie für Militärwissenschaften, Sergej Sudakow, hat James Comey wegen seines Ränkespiels den Posten des FBI-Direktors verloren.

    Jedes Mitglied des Teams des US-Präsidenten spiele für sich selbst, deshalb habe die Administration von Donald Trump keine nennenswerten Erfolge erzielt, so Sudakow.

    „Generalstaatsanwalt Jeff Sessions hat wiederholt darauf verwiesen, dass Comey gleichzeitig auf mehreren Plätzen spiele. Einerseits versuchte er, das Kräftegleichgewicht aufrechtzuerhalten, andererseits bezeugte er keinen Respekt und keine Ergebenheit, die Donald Trump forderte. Comeys Rolle bei Trumps Sieg war bedeutend, hatte er doch in einem wichtigen Moment des Wahlrennens ein Strafverfahren gegen Hillary Clinton eingeleitet, es dann aber wieder geschlossen. Dies spricht dafür, dass Comey äußerlichen Manipulationen ausgesetzt ist, es sei auch daran gedacht, dass er aus Obamas Team stammt.“

    Trump habe mehrmals mit Comey gesprochen, um ihn zu überzeugen,  dass allgemeine Spielregeln befolgt werden müssten, so der Experte. Comey habe sich indes von eigenen Regeln leiten lassen. Der Siedepunkt sei mit der so genannten „russischen Hacker-Spur“ bei Trumps Wahlen erreicht worden.

    „Staatsanwalt Sessions bestätigte, dass alles Gerede über die ‚russische Spur‘ eine Erfindung sei. Bis auf den heutigen Tag ist kein gewichtiger Beweis dafür beigebracht worden, dass russische Hacker den Wahlverlauf beeinflusst hätten“, so der Experte. „Doch Comey nahm die Untersuchung zur ‚russischen Hackerspur‘ wieder auf. Dabei wollte er nicht mehr zu den Straftaten recherchieren, die Trump Hillary Clinton nach der Attacke auf ihre Server zur Last gelegt hatte. Er begann gegen Trump Minen zu legen, das heißt, er kehrte ins Lager der Clinton und Obamas zurück. Und wurde sofort entlassen – aufgrund des ‚Vertrauensverlustes‘.“

    Die Spekulationen darüber, dass Trump eine erneute Untersuchung gefürchtet habe, haben laut Sudakow weder Hand noch Fuß.

    „Ermittlungen auf dieser Ebene werden von allen US-Geheimdiensten und nicht nur vom FBI allein geführt. Hätten die  Geheimdienste eine Verbindung des Wahlstabes von Trump zu den Russen schnell beweisen können, wäre dies schnellstens getan worden. Die Schlüsselrolle bei der Untersuchung der Hackerspur kommt nicht dem FBI zu, sondern der Agentur für Nationale Sicherheit (NSA). Einen Teil der Funktionen übernimmt die CIA. Besäße das FBI vollwertige und glaubwürdige Informationen, würden diese sofort von der Agentur für Nationale Sicherheit und der CIA vervollständigt. Die Senatoren und Kongressmitglieder sowie die einfachen Bürger wollen jetzt Beweise statt Gerüchten, Klatschgeschichten und Mutmaßungen bekommen, die der Herr Comey erwähnt hatte. Die Fakten müssen vorherrschen.“

    Die Suche nach einem neuen FBI-Direktor kann lange dauern. Laut Gesetz schlägt der Präsident einen Kandidaten vor, der vom Senat bestätigt wird. Das Wort „Vertrauensverlust“ eröffnet neue Möglichkeiten für Trump. Es ermöglicht dem Präsidenten, eine totale Säuberung innerhalb des FBI vorzunehmen.

    „Dutzende FBI-Generale haben sich wiederholt in inoffiziellen Wandelganggesprächen, bei Unterhaltungen mit Mitarbeitern des Außenministeriums in dem Sinne geäußert, dass sie mit Donald Trump unzufrieden seien. Nun könnte Trump den Spieß umdrehen. Sessions‘ Ratschläge könnten dabei sehr nützlich sein, denn er kennt sehr viele Geheimdienstler. Ich glaube, eine neue Belegschaft des FBI würde sich nicht nur aus den jetzt tätigen Mitarbeitern zusammensetzen, die er auf neue Posten befördern wird, sondern aus Mitarbeitern anderer Geheimdienste. Selbstverständlich würde es bei der Einsetzung des neuen FBI-Direktors zu einem schwierigen und langwierigen Verfahren, zu einer regelrechten Schlacht im Senat kommen.“

    Wie der Experte meint, könnten weitere sensationelle Entlassungen folgen.

    „Trotz des Umstandes, dass die neue US-Administration noch nicht endgültig gebildet ist, sind sich diejenigen, die schon mit Trump zusammenarbeiten, voll dessen bewusst, dass ein jeder Ausdruck von Nichtloyalität sie den Arbeitsplatz kosten kann. Trump hat das Format eines Teams, mit dem er vollwertig arbeiten kann, noch nicht festgelegt. Eine Sache ist es, eine Riesenkorporation zu leiten, eine ganz andere, die Regierung eines Staates wie die USA zu übernehmen. Hier kann für einen Fehler ein anderer Preis gezahlt werden“, schloss Sergej Sudakow.

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    Tags:
    Rücktritt, NSA, FBI, CIA, Jeff Sessions, Donald Trump, James Comey, Hillary Clinton, USA