00:02 27 Oktober 2020
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    Die Entlassung von FBI-Chef James Comey macht auch in Russland weiterhin Schlagzeilen. Russische Analysten gehen auf mögliche Hintergründe und Konsequenzen dieser Entscheidung von Donald Trump ein. Der Kreml wurde von Journalisten ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten.

    Der russische USA-Experte Viktor Olewitsch wies darauf hin, dass einige Top-Politiker der Demokratischen Partei hinter der Entscheidung des US-Präsidenten einen Versuch wittern, die Russland-Untersuchungen um Trumps Administration zu beeinflussen.

    Diese Reaktion der Demokraten sei vorhersagbar gewesen, sagte Olewitsch der Onlinezeitung vz.ru: „Man wird versuchen, diese Situation auszunutzen, um die Ernennung eines Sonderermittlers zu fordern, damit dieser die mutmaßlichen Verbindungen der Administration Trump zu Russland untersucht.“ Für die Einsetzung eines Sonderermittlers hatten unter anderen bereits die Senatoren Chuck Schumer und Dick Durbin plädiert.

    Neben den Russland-Untersuchungen zu Trump hatte Comey zuvor auch mit den Ermittlungen zur E-Mail-Affäre um Hillary Clinton für Aufsehen gesorgt. In diesem Zusammenhang beklagte Clinton im Wahlkampf einen Rückschlag für ihre Zustimmungswerte, was damals einen Vorteil für Trump bedeutete.

    „Doch Comey darf nicht als Trumps Verbündeter bezeichnet werden oder als jemand, der Trump gegenüber loyal ist“, so Olewitsch.

    Doch nun könnte ein wirklich loyales Mitglied von Trumps Team ins Fadenkreuz der Kritik geraten, und zwar Justizminister Jeff Sessions: Ausgerechnet auf dessen Empfehlung beschloss Trump nach eigenen Angaben die Entlassung des FBI-Chefs, wie Olewitsch erläuterte. 

    Der russische Politik-Experte Boris Mezhujew sagte der Agentur RIA Novosti, die Entscheidung von Trump sei vermutlich auf dessen „politische Unerfahrenheit“ zurückzuführen. „Es ist ja klar, dass sich die öffentliche Meinung, und zwar nicht nur die demokratische, nun wegen dieser Geschehnisse in einem angespannten Zustand befindet“, so Mezhujew.

    Zu den Motiven von Trumps Entscheidung sagte er: „Die Hauptursache war offensichtlich Comeys Illoyalität gegenüber Trump – vor allem in Bezug auf die Untersuchungen, die mit der ‚russischen Spur‘ zusammenhängen.“ Trump selbst weist konsequent die Vorwürfe zurück, wonach er Verbindungen zu Russland gehabt haben soll.

    Eine CBS-Reporterin fragte den russischen Präsidenten Wladimir Putin, wie Comeys Entlassung nun die Beziehungen zwischen Moskau und Washington beeinflussen könne. Putin antwortete, es werde keinen solchen Einfluss geben: „Präsident Trump fungiert im Rahmen seiner verfassungs- und gesetzmäßigen Kompetenzen. Was haben wir damit zu tun?“

    Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow reagierte ähnlich. „Ich kann Ihnen eine Vielzahl von Beispielen anführen, wo in Russland, in Frankreich, in Großbritannien jemand von jemandem ernannt bzw. entlassen wird. Das sind Ihre inneren Angelegenheiten“, antwortete Lawrow auf die entsprechenden Fragen von US-Journalisten.

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    Fake-News, Gerüchte, Medienattacke, Entlassung, RIA Novosti, CBS, FBI, Wladimir Putin, Sergej Lawrow, James Comey, Donald Trump, Russland, USA