11:50 12 Dezember 2019
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    MacronLeaks: Führt die Spur tatsächlich nach Russland? - Cyber-Experte zu „Beweisen“

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    Wie auch im Fall der US-Wahlen spricht man im Zusammenhang mit dem jüngsten Hackerangriff auf den gewählten Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron von einer „russischen Spur“. Professor Charles Préaux, Gründer und Leiter der Ingenieur-Hochschule für Cybersicherheit in der Südbretagne, hat in einem Sputnik-Interview diese Vorwürfe behandelt.

    Nach den sogenannten MacronLeaks, die unmittelbar vor den französischen Präsidentschaftswahlen veröffentlicht wurden, berichteten mehrere Medien, die Spur in den gestohlenen E-Mails führe nach Russland. Angeblich taucht in den entsprechenden Metadaten mehrmals der Name Georgi Petrowitsch Roschka auf, eines Mitarbeiters des russischen IT-Unternehmens „Ewrika“, und zwar in kyrillischen Buchstaben. Viele sahen dies als einen handfesten Beweis für die Einmischung Russlands in die Frankreich-Wahlen.

    Doch weder der russische Name noch die kyrillischen Buchstaben stellen aus Sicht von Préaux einen klaren Beweis dar.

    „Das einzige, was das beweist, ist die Tatsache, dass der Name eines Russen in die Metadaten eingefügt wurde, weiter nichts“, so der Cyber-Experte gegenüber Sputnik. Dies bestätige auch nicht den Ursprung der Daten. „Jede beliebige Person in jedem beliebigen Land, sei es auch Frankreich, kann solche Informationen in die Metadaten einsetzen.“

    „Metadaten sind Daten, die einem Text hinzugefügt werden, damit die Suchmaschinen ihr Suchziel schneller finden können“, betonte er weiter.

    „Mit anderen Worten, Sie können beliebige Daten hinzufügen, und das würde nur beudeuten, dass jemand sie entweder zufällig oder bewusst eingefügt hat, was kein formeller Beweis des Urprungs ist.“

    Der Zeitpunkts dieses Hackerangriffs erscheint zudem Vielen als sehr verdächtig: Die E-Mails wurden ja kurz vor den Wahlen veröffentlicht und haben daher kaum etwas beeinflussen können. Ob es sich in diesem Fall schlicht um einen Versuch handelt, Russland die Leaks anzuhängen – darüber kann man laut dem Professor momentan nur spekulieren. Es seien gründliche technische Ermittlungen erforderlich. Erst danach könne man etwas Konkretes sagen.

    „Das Schwierigste ist, die Beweise zusammenzutragen, dass die Wörter oder die Informationen, die in den Metadaten enthalten sind, tatsächlich von einem konkreten Land oder einer Struktur stammen“, so der Experte weiter. Und eine Ermittlung garantiere auch nicht, dass ein handfester Beweis gefunden werde.

    Die russische Regierung weist jede Einmischung in ausländische Wahlen entschieden zurück. So hatte Präsident Wladimir Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Sotschi Anfang Mai diese Vorwürfe als haltlose Gerüchte bezeichnet.

    „Und sofort macht man daraus aus dem Nichts irgendwelche Vermutungen in Bezug auf die europäischen Länder, darunter auch in Bezug auf ein mit uns befreundetes Land wie Deutschland. Das ist zumindest seltsam“, sagte Putin. Russland mische sich nicht in die innerpolitischen Angelegenheiten anderer Länder ein, erlebe aber solche Versuche selbst.

    Das US-Magazin „Wired” hatte am vergangenen Montag einen Beitrag veröffentlicht, in dem auf verschiedene Ungereimtheiten bezüglich der Theorie über die „russische Spur“ beim Hackerangriff auf Macrons Wahlstabteam hingewiesen wird. Das Magazin zitiert dabei Professor Thomas Rid vom King‘s College in London. „Keine der Hinweise, die bisher ans Licht gekommen sind, sind aus juristischer Sicht besonders stichfest“.

    „Wir können nicht die Möglichkeit ausschließen, dass man hier jemandem anderen etwas anhängen will“, so Rid weiter.

    Allerdings unterlief dem Autor des Artikels ein kurioser Fehler: Er verwechselte den Nachnamen des Russen, der in den Metadaten auftaucht, mit dessen Vatersnamen. So nennt er ihn an einer Stelle im Text einfach „Petrowitsch“, statt „Roschka“.

     

     

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    Tags:
    Spur, Einmischung, Hackerangriff, Wladimir Putin, Emmanuel Macron, Russland, Frankreich