22:51 18 Dezember 2018
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    Türkische Panzercrew in Syrien (Archivbild)

    Schutzzonen in Syrien: Idlib laut Prognosen unter türkischer Kontrolle

    © AFP 2018 / Bulent Kilic
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    Russland, der Iran und die Türkei erörtern, wer von ihnen welche Schutzzone in Syrien kontrollieren soll. Experten vermuten, dass die größte Zone in und um Idlib unter türkischer Kontrolle stehen wird. Die russische Onlinezeitung gazeta.ru analysiert die Situation.

    Wie gazeta.ru schreibt, sehen die am 4. Mai getroffenen Vereinbarungen zwischen Russland, der Türkei und dem Iran vor, dass in Syrien voraussichtlich vier Zonen entstehen, in denen sich die syrischen Regierungstruppen keine Kämpfe mehr mit den am Waffenstillstand beteiligten Oppositionsgruppen liefern sollen. Die Grenzen dieser Deeskalationszonen und die Checkpoints sollen von russischen, türkischen und iranischen Militärs bewacht werden. Es steht allerdings noch nicht fest, welcher Staat für welche Zone zuständig sein wird.

    Jelena Suponina, Expertin des Russischen Instituts für strategische Studien, erläuterte:

    „Die Details werden noch besprochen. Es steht vorerst zur Erörterung, welche konkreten Kräfte an der Abgrenzung der kämpfenden Konfliktparteien teilnehmen sollen und in welchen konkreten Gebieten. Es ist nicht auszuschließen, dass Militärs nicht nur aus den garantiegebenden Ländern mitmachen könnten, sondern auch aus anderen Staaten, die mit dem Konflikt in Syrien nicht direkt zu tun hatten und an keinen Kampfhandlungen teilnahmen.“

    Luftangriffe sind nur verboten, wenn sie nichts mit der Terrorbekämpfung zu tun haben. Schläge gegen Stellungen terroristischer Gruppen dürfen, wenn nötig, selbst in diesen Zonen verübt werden. Dies soll jedoch in jedem konkreten Fall mit den garantiegebenden Ländern und mit weiteren Vermittlern besprochen werden“, so Suponina.

    Die größte Sicherheitszone soll im Norden Syriens entstehen. Dazu gehören die an die Türkei grenzende Provinz Idlib sowie die nordöstlichen Gebiete der Provinz Latakia, die westlichen Gebiete der Provinz Aleppo und die nördlichen Gebiete der Provinz Hama.

    Idlib, so der Bericht weiter, ist die letzte syrische Provinz, die praktisch völlig von der Opposition kontrolliert wird. Dort befinden sich derzeit die meisten Kämpfer von Hayat Tahrir al-Sham. Diese Allianz entstand im Januar durch die Vereinigung der Al-Nusra-Front und einiger weiteren Islamisten-Gruppen.

    „Die Al-Nusra-Front wurde mehrmals umbenannt, doch selbst die Araber nennen sie nach wie vor beim alten Namen. Sie bildet den Kern der Allianz. Als syrischer Ableger der Al-Qaida ist sie terroristisch – ebenso wie die Organisationen, die mit ihr kooperieren“, sagte Suponina.

    Die zweite Deeskalationszone umfasst die nördlichen Gebiete der Provinz Homs. Die dritte liegt in Ost-Ghouta im Norden der Provinz Damaskus. Die vierte Schutzzone entsteht im Süden des Landes, dazu zählen Teile der Provinzen Darʿa und Quneitra.

    Wie die Onlinezeitung schreibt, vermuten die von ihr befragten Analysten, dass die größte Schutzzone in und um Idlib unter türkischer Kontrolle stehen werde. Der russische Türkei-Experte Juri Mawaschew erläuterte, Idlib sei vorwiegend von Sunniten bewohnt: „Für die Kontrolle werden die Türken religiöse Elemente und Instrumente nutzen. Sie werden betonen, dass in Idlib ihre Glaubensbrüder leben.“

    Mawaschew schloss nicht aus, dass türkische Militäreinheiten in Idlib stationiert werden könnten. Er wies auch darauf hin, dass die Türkei bewaffnete syrische Oppositionsgruppen in dieser Provinz unterstützt – insbesondere die Gruppe Ahrar al-Scham.

    Der Experte befürchtete, die Provinz Idlib könne künftig eine eigene Regierung bekommen und sich von Syrien abspalten: „Mir scheint, sie wird für immer ein separates Territorium bleiben.“

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    Schutzzonen, Einführung, Grenzen, Al-Nusra-Front, Idlib, Türkei, Iran, Syrien, Russland