23:53 18 Oktober 2018
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    Schlacht um Aleppo: Maschinengewehrfeuer seitens der syrischen Regierungsarmee (Archivbild)

    16 Russen vs. 300 Terroristen: Details einer Geheimoperation in Aleppo

    © AP Photo / Komsomolskaya Pravda/Alexander Kots
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    Sie waren 16, nahmen es jedoch mit 300 Terrorkämpfern auf. Die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ will Einzelheiten eines Gefechts in Syrien erfahren haben, nach dem vier Offiziere der russischen Spezialkräfte von Präsident Wladimir Putin ausgezeichnet wurden.

    Helden unserer Zeit

    Die vier jungen Offiziere in Paradeuniform auf dem Frunsenskaja-Kai in Moskau zogen kaum Aufmerksamkeit auf sich, schreibt Alexander Koz in seinem Beitrag. Am Tag des Sieges am 9. Mai gibt es immerhin viele Menschen in Militäruniform und mit Medaillen… Sie kamen zum Denkmal der Figuren aus dem alten sowjetischen Kinofilm „Die Offiziere“ vor dem Nationalen Verteidigungszentrum, legten Blumen nieder und erwiesen ihnen die Ehrenbezeigung.

    Nach ihnen kam eine Gruppe junger Menschen zum Monument, um ein paar Fotos zu machen. Wenn sie nur gewusst hätten, dass vor ihnen keine Filmhelden aus den alten Zeiten, sondern wahre, richtige Helden unserer Zeit standen! Dann hätten sie bestimmt ein paar Selfies mit ihnen gemacht. Ausgerechnet von solchen Helden wie diesen zwei Oberstleutnanten und zwei Hauptmännern sprach Präsident Wladimir Putin in seiner Rede während der Siegesparade:

    „Wir spüren, dass wir mit der Generation der Helden und Sieger innigst verwandt, blutverwandt sind. Ich kann Ihnen nur sagen: Sie werden sich nie für uns schämen müssen. Der russische Soldat zeigt sich heute, wie auch in allen anderen Zeiten, mutig und heroisch und ist zu jeder Heldentat bereit. Solche Soldaten gibt es auch heute hier, auf dem Roten Platz in Moskau. Das Land ist stolz auf sie!“

    Auf dem vom Verteidigungsminister Sergej Schoigu eingereichten Antrag zur Auszeichnung der Offiziere schrieb der Oberste Befehlshaber: „Werde persönlich überreichen“.

    Links ist die vom ruissischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich unterzeichnete Befehl zur Auszeichnung der Offiziere.

    Leider können wir die vollen Namen dieser Helden nicht nennen. Außerdem hätten sie höchstwahrscheinlich ein Selfie mit den erwähnten jungen Menschen verweigert. Daniil, Jewgeni, Roman und Wjatscheslaw sind Offiziere der Spezialeinsatzkräfte, der absoluten Elite der russischen Armee. Vor wenigen Tagen unterzeichnete der Präsident den Erlass zu ihrer Auszeichnung. Der Oberstleutnant Daniil wurde als Kommandeur ihrer Gruppe mit dem Orden „Held Russlands“ ausgezeichnet.

    „Haben gute Arbeit geleistet“

    „Das war ein ganz üblicher Tag – nichts als Routine“, zuckte Daniil mit den Schultern.

    „Wir erhielten Informationen,  dass in einem Bezirk der Provinz Aleppo die Angriffe der al-Nusra-Kämpfer auf die Verteidigungspositionen der syrischen Regierungstruppen immer häufiger wurden“, erinnerte sich der Oberstleutnant Jewgeni. „Wir wurden beauftragt, dorthin zu gehen, die Situation aufzuklären und die Stellungen der Terroristen bzw. ihrer Technik zu finden, und diese Informationen unseren Fliegerkräften mitzuteilen. Das haben wir auch getan.“

    Die 16 Mann starke Gruppe der russischen Spezialkräfte befand sich unweit der Frontlinie und bemühte sich um die Feststellung von Gebäuden, wo sich die Gegner befanden — ihre Stützpunkte, ihre Panzertechnik und Munitionslager. Alle Informationen wurden an den Stab der russischen Fliegerkräfte weitergeleitet, die dank dieser Angaben drei Panzer, eine Batterie der Raketensysteme, mehrere selbstgebastelte Raketenstartanlagen und zwei Munitionslager der Terroristen vernichtet haben.

    „Wir haben also eine gute Arbeit geleistet“, sagte Jewgeni lächelnd. „Aber irgendwann spannte sich die Situation plötzlich an und es begann ein massiver Artillerieangriff gegen unsere Stellungen. Dabei wurden Mehrfachraketenwerfersysteme ‚Grad‘, Minenwerfer, Artilleriekanonen und Panzer eingesetzt.“

    Die 16 russischen Spezialeinsatzsoldaten wehrten in der Provinz Aleppo im Laufe eines Tages die Offensive von 300 Kämpfern ab.

    „Mussten viel laufen“

    Die syrische Armee musste sich in dieser Hektik zurückziehen. Der Oberstleutnant Daniil beschloss, auf der vorderen Stellung zu bleiben.

    „Eine Drohne hat ein vermintes Fahrzeug mit einem Selbstmordattentäter am Steuer entdeckt, der unterwegs zu unserer Position war“, sagte er. „Aber unsere erfahrenen Männer, die Anti-Panzer-Raketen lenken, reagierten rechtzeitig. Das verminte Auto explodierte bevor es unsere Stellung erreichte.“

    Einer von diesen Männern ist Roman. Er erklärt, wie es dazu kam.

    „Vor diesem verminten Auto fuhr ein Bulldozer, der mit drei oder vier Stahlplatten beschichtet war. Zwischen diesen Stahlplatten gibt es Sand, sodass dieses Fahrzeug aus der Panzerbüchse RPG-7 kaum beschädigt werden kann. Und hinter diesem Fahrzeug fährt üblicherweise ein vermintes Auto.

    Russische Spezialkräfte während einer Kampfpause
    © AP Photo / Hassan Ammar
    Russische Spezialkräfte während einer Kampfpause

    Normalerweise ist das ein Schützenpanzerwagen BMP-1. Wir nahmen die Position rechts ein, und unser Geräteführer trug ihn gleich mit der ersten Rakete ‚Kornet‘. Die Explosion war so stark, dass selbst der Bulldozer beschädigt wurde! Danach mussten wir unsere Position wechseln, denn die Gegner hatten viele Anti-Panzer-Raketenkomplexe, vor allem ausländischer Produktion. Etwa 30 oder 40 Sekunden nach jedem unserer Schüsse flog eine Rakete von der Gegenseite. Da mussten wir schon viel laufen. In den nächsten anderthalb Stunden konnten wir noch einen Panzer vernichten, der auf unsere Gruppe geschossen hatte. Ich muss ehrlich sagen, da war ein richtiger Meister am Steuer, der ständig die Position wechselte. Um den Panzer zu treffen, mussten wir uns viel Mühe geben. Und am Abend konnten wir noch eine Flak-Anlage Zu-23 auf einem Fahrzeug vernichten. Dafür sind wir unserem Komplex ‚Kornet‘ dankbar, der wieder seine besten Eigenschaften unter Beweis stellte.“

    Im Laufe eines Tages hat die kleine Gruppe der russischen Soldaten vier Angriffe der Terroristen erfolgreich abgewehrt. Dabei kämpften sie gegen mindestens 300 Terroristen.

    „Das waren übrigens sehr gut vorbereitete Kämpfer“, betonte der Oberstleutnant Daniil. „Schon später stellten wir fest, dass die Terroristen sehr gut ausgerüstet waren: Sie hatten eine im Ausland hergestellte Uniform, Go-Pro-Kameras auf den Helmen usw. Das waren unter anderem dunkelhäutige Söldner. Aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass syrische Kämpfer sich eine solche Ausrüstung einfach nicht leisten können. Auch auf dem Schlachtfeld verhielten sie sich so, dass ihre gute Vorbereitung erkennbar war. Außerdem hatten sie nicht nur sowjetische oder chinesische, sondern auch amerikanische und israelische Waffen.“

    Als es dunkel wurde, beschloss der Kommandeur der Gruppe, die Wege zu den Positionen seiner Gruppe zu verminen. Die Männer nahmen Nachtsicht- und Wärmebildgeräte und gingen etwa 500 Meter von ihren Stellungen weg. Dabei gaben ihnen Scharfschützen Deckung. Später wurde klar, dass sie alles ganz richtig gemacht haben.

    „Anders ging‘s nicht“

    „Als es wieder hell wurde, setzten die Kämpfer ihre Angriffe fort – es gab eine zweite und dritte Welle“, erzählte Wjatscheslaw. Seine Stimme klange ganz ruhig, als wäre das für ihn nichts als Routine. „Wir sprengten Sperranlagen – eine nach der anderen, und vernichteten mehrere Einheiten Panzertechnik und Kämpfer.“

    Soldaten der russischen Spezialkräfte bei der Parade zum Tag des Sieges (9. Mai) auf der Militärbasis Hmeimim in Syrien
    © Sputnik / Dmitrij Winogradow
    Soldaten der russischen Spezialkräfte bei der Parade zum Tag des Sieges (9. Mai) auf der Militärbasis Hmeimim in Syrien

    Wie viele Terroristen die russischen Soldaten vernichtet haben, kann man nicht genau sagen. Ihnen zufolge versuchen die Kämpfer, in der Nacht ihre Toten vom Schlachtfeld zu tragen. Aber allein unmittelbar in der Nähe der russischen Positionen wurden mehr als 30 Leichen entdeckt. Die russischen Männer hielten fast 24 Stunden durch, bis die syrischen Regierungstruppen dieses Territorium erreichten. Angesichts dessen hatten die Terroristen einfach keine Lust mehr, weiter anzugreifen. Die Russen überließen ihre Stellungen den Syrern und zogen sich zurück, ohne jegliche Verluste getragen zu haben.

    Interview den russischen Medien nach der Auszeichnung

    „War die Entscheidung, das Gefecht anzunehmen, absichtlich oder spontan?“, fragte ich den Kommandeur.

    „Wir kennen die Psychologie der Terroristen schon und wissen, dass sie nicht imstande sind, länger anzugreifen“, antwortete Daniil. „Wir waren ganz zuversichtlich, dass wir uns in der Gegend erfolgreich wehren würden. Es ist immerhin viel schwieriger, anzugreifen, und deshalb waren die Terroristen von Anfang an beeinträchtigt.“

    „Und wenn Sie sich zurückgezogen hätten?“

    „Dann hätten die Kämpfer diese beherrschende Position eingenommen, und dann bräuchten wir wohl mehrere Wochen, um sie zurückzuerobern. Zudem wären die Verluste der syrischen Armee viel größer.“

    „Unter diesen Bedingungen war das die einzig richtige Entscheidung“, zeigte sich Jewgeni überzeugt. „Anders ging‘s einfach nicht.“

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    Tags:
    Helden, Auszeichnung, Kampf, Terroristen, Spezialkräfte, Terrormiliz Daesh, Al Nusra-Front, Verteidigungsministerium Russlands, Wladimir Putin, Aleppo, Syrien, Russland