16:20 22 Oktober 2018
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    Passanten schauen sich die ersten Prognosen in NRW an

    CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach: Das Spiel ist gerade erst angepfiffen

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
    Politik
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    Überrascht und erfreut über das gute Wahlergebnis seiner Partei zeigte sich Wolfgang Bosbach bei der Wahlparty der CDU in Düsseldorf. Der Politiker zollte der zurückgetretenen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Respekt für ihre politische Lebensleistung und mahnte im Hinblick auf die Bundestagswahl: Nüchtern bleiben und fleißig weiterarbeiten.

    Ausgelassene Partystimmung und Jubelschreie – so nahm die CDU in Düsseldorf das historische Wahlergebnis auf. Auch Wolfgang Bosbach, ehemaliger Landesvorsitzender der CDU in NRW, hat es sich nicht nehmen lassen, an diesem Abend bei seinen Parteikollegen zu sein. Gerechnet habe er mit einem so großen Erfolg für die Christdemokraten aber nicht.

    „Ich hatte darauf gehofft, dass wir stärkste politische Kraft werden würden – was in Nordrhein-Westfalen nicht selbstverständlich ist. Aber ich wäre mit einem Prozentpunkt Vorsprung hochzufrieden gewesen, umso überraschter bin ich über den großen Abstand zur SPD.“

    Der CDU-Innenexperte sieht als Faktor für den Erfolg, dass Armin Laschet im Wahlkampf auf die richtigen Themen gesetzt habe.

    „Es war ganz schlau, auf drei Punkte zu setzen, die für die Zukunft des Landes von überragender Bedeutung sind und bei denen Rot-Grün sensationell schlechte Politik gemacht hat: Bildungspolitik, Innere Sicherheit und Wirtschafts- und Strukturpolitik. Alleine, wenn Herr Remmel jetzt abtreten muss und einen Nachfolger bekommt, ist schon ein Prozent Wirtschaftswachstum für NRW.“

    Schon kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung hatte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ihren Rücktritt verkündet. Wolfgang Bosbach würdigte im Gespräch mit Sputnik die Lebensleistung der SPD-Politikerin.

    „Ich gehöre der politischen Konkurrenz an und sage dennoch: Respekt vor der politischen Lebensleistung, vor der Arbeit von Hannelore Kraft. Das ist die bitterste Stunde in ihrem politischen Leben und Sie sehen mich meilenweit von Triumphgeheul entfernt.“

    Während alle noch gebannt auf die Bildschirme schauen, um zu erfahren, ob die Linken den Sprung in den Landtag schaffen und damit Schwarz-Gelb verhindern oder nicht, hält sich Bosbach bedeckt, welche Koalition ihm die liebste wäre.

    „Im Moment sieht es ja nicht danach aus, als könnte Schwarz-Gelb eine Mehrheit bekommen. Theoretisch gibt es die Möglichkeiten Jamaika oder Große Koalition, die realistischere Variante ist eine Große Koalition unter Führung der CDU. Meine Wunschkonstellation wäre diejenige Koalition, mit der wir die CDU-Politik am besten umsetzen können. Welche das wäre, werden die Koalitionsverhandlungen zeigen. In meinem Arbeitsbereich, der Innenpolitik, hatten wir es oft mit der SPD einfacher als mit der FDP und als mit den Grünen sowieso. Vielleicht sind auch weite Teile der SPD heilfroh, dass sie die Grünen jetzt los sind.“

    Bei aller Freude über den CDU-Triumph im bevölkerungsreichsten Bundesland warnt Bosbach davor, sich im Hinblick auf die Bundestagswahl zu früh zu freuen.

    „Über die NRW-Wahl wird oft gesagt, sie sei die ‚kleine Bundestagswahl‘ – ist sie aber nicht. Es ist gut für die Stimmung der Partei, aber es sind noch viereinhalb Monate. Liebe Leute, wir sind nicht in der 89. Spielminute, das Spiel ist gerade erst angepfiffen worden. Also heute Abend nicht besoffen werden, sondern nüchtern bleiben und fleißig weiterarbeiten.“

    Bericht: Ilona Pfeffer

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    Tags:
    CDU, CSU, FDP, SPD, Wolfgang Bosbach, Nordrhein-Westfalen