Widgets Magazine
04:29 17 Oktober 2019
SNA Radio
    US-Truppen im kurdischen Teil Syriens

    Berater von Kissinger: Syrien wäre bestes Kooperationsfeld für Russland und USA

    © REUTERS / Rodi Said
    Politik
    Zum Kurzlink
    76917
    Abonnieren

    Dass die Interessen der USA und Russlands nicht unbedingt zusammenfallen, ist normal, sagt Thomas Graham, Berater von Henry Kissinger und Ex-Russland-Berater von George W. Bush, in einem Interview mit der russischen Zeitung „Iswestija“. Er plädiert für eine Kooperation zu Syrien.

    Graham betonte, während des Kalten Krieges sei die Welt bipolar gewesen, doch derzeit befinde sie sich in einer ganz anderen Dimension: „Erstens ist sie multipolar. Zweitens gibt es keinen ideologischen Kampf mehr zwischen unseren Ländern. Wie es mir scheint, muss auch die Qualität unserer Beziehungen anders sein. Vorerst klappt es jedoch nicht. Historische Erinnerung, ‚Gewohnheiten‘ aus dem Kalten Krieg und altes Denken bremsen eine normale Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen den USA und Russland.“ 

    „Die USA und Russland haben eine unterschiedliche Geschichte, unterschiedliche Weltauffassung und etwas unterschiedliche Werte. Einst hatten die beiden Länder das nicht zugegeben und keine großen Bemühungen unternommen, um einander zu verstehen. All dies lief auf große Enttäuschungen hinaus“, bedauert Graham.

    Er erwartet allerdings keinen neuen Reset-Vorgang zwischen Moskau und Washington: „Mehr noch: Ein Reset wäre jetzt unerwünscht. Ich gehe davon aus, dass der beste Weg zu einer Normalisierung unserer Beziehungen darin besteht, die Differenzen bei unseren Plänen und bei unseren Einschätzungen der Geschehnisse einzuräumen. Die USA und Russland gebrauchen  zwar dieselben Wörter wie Souveränität, Legitimität, territoriale Integrität, Selbstbestimmungsrecht der Völker, verstehen sie jedoch unterschiedlich.“

    „Ich führe zwei Beispiele an. Die Situation im Kosovo: Nach Ansicht der USA müssen die Rechte der dort lebenden Albaner geschützt werden. Die Situation auf der Krim: Nach Ansicht Russlands müssen die Rechte der dortigen Russischsprachigen geschützt werden. In den beiden Fällen geht es um eine Selbstbestimmung der Völker. Es gibt außerdem unterschiedliche Ansätze in Sachen Geopolitik. Differenzen gibt es in Europa, im Nahen Osten, in der Ukraine und so weiter. Ich möchte aber unterstreichen: Das ist normal. Die USA und Russland sind zwei Großmächte, ihre Interessen müssen nicht unbedingt immer zusammenfallen“, so die Meinung des Experten.

    „Man sollte vernünftige Kompromisse finden – oder eine Balance, die die beiden Länder befriedigen würde. Sonst wird es keine feste und stabile Weltordnung geben. Dies ist möglich, aber sehr schwierig“, mahnte Graham.

    Er sagte weiter: „Es mag vielleicht sonderbar erscheinen, doch das beste Kooperationsfeld wäre aus meiner Sicht Syrien. Dort unterscheiden sich unsere Interessen nicht so stark voneinander: Souveränität Syriens, Zerschlagung der IS-Gruppe, Stabilität. Ich denke, wir haben derzeit allzu harte Positionen im Streit um Assad. Es ist falsch, davon zu sprechen, dass er gehen müsse. Mit der Zeit schon, aber nicht sofort. Für Moskau sind Stabilität und Aufrechterhaltung der syrischen Staatlichkeit am wichtigsten, aber auch natürlich die Beibehaltung der russischen Basis in Syrien. Die USA hätten nichts dagegen, wenn Russland diese Basen braucht. Wir könnten im Kampf gegen die IS-Gruppe kooperieren – nötig wäre der politische Wille dazu in Washington und in Moskau.“

    Der Unterschied zum Kalten Krieg bestehe darin, dass das Schicksal der Welt nicht mehr vom russisch-amerikanischen Verhältnis abhänge: „Eine Syrien-Kooperation zwischen unseren Ländern wäre notwendig, aber nicht genügend, um das Problem zu lösen. Es gibt ja auch weitere ziemlich einflussreiche Akteure wie den Iran, die Türkei, Saudi-Arabien. Auch Israel darf man nicht vergessen. Die Position des Iran schränkt einigermaßen den Handlungsspielraum Russlands ein, während die Position Saudi-Arabiens die Möglichkeiten der USA einschränkt. Theoretisch wäre es ziemlich einfach zusammenzuarbeiten, doch in Wirklichkeit ist alles komplizierter. Eine sehr feine Politik ist nötig.“ 

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    US-Experte: Warum Trump seinen Worten über Russland nicht folgt
    Trump will umfassendere Zusammenarbeit mit Russland im Nahen Osten
    Neustart mit Russland? – Tillerson macht sich keine Illusionen
    Moskau: Ausweisung russischer Diplomaten belastet Beziehungen zu Washington
    Differenzen zwischen Moskau und Washington noch bedeutend – Ex-US-Botschafter
    Tags:
    Internationale Beziehungen, Konfliktlösung, Partnerschaft, Zusammenarbeit, Henry Kissinger, USA, Russland