SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    1618
    Abonnieren

    Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) üben die Piraten massive Selbstkritik. Die einstigen Hoffnungsträger gehören mit weniger als ein Prozent der Stimmen zu den Verlierern. Aber sie machen weiter und wollen unbequem für die etablierte Politik bleiben. Der Fraktionschef der NRW-Piraten, Michele Marsching, erklärt im Interview, warum.

    Herr Marsching, Sie haben nach der NRW-Wahl Christian Lindner und seiner FDP zum Wahlergebnis gratuliert. Die Piraten sind also faire Verlierer?

    Definitiv. Die FDP hat elf Prozent mit einer Kampagne geholt, die gut zur FDP passt. Ich finde die Kampagne übrigens völlig blöd, aber egal, zu uns hätte sie nicht gepasst. Aber wir haben gesehen, dass die FPD mit ihrer Strategie erreicht hat, was sie wollte. Wir haben das nicht geschafft und da müssen wir einfach selbstkritisch sein. Wir sind ein fairer Verlierer und der Verlierer muss jetzt trainieren, um das nächste Mal wieder auf dem Platz zu stehen.

    Die Piraten waren in den vergangenen Jahren als Oppositionspartei in NRW nicht untätig. Konnte dies den Wähler nicht erreichen, oder liegt ihr jetziges Ergebnis allgemein am Zustand der Piratenpartei?

    Nein, wir haben verdammt gute Arbeit gemacht. Das bescheinigen uns auch alle Experten und alle Sachverständigen. Wir haben die richtigen Fragen gestellt, wichtige Forderungen gestellt. Aber wir hatten wirklich das Problem, das wir in der Öffentlichkeitsarbeit in weiten Teilen versagt haben. Wir haben zu spät den Schalter umgelegt, wir haben uns zu spät gekümmert. Wir haben es aber auch geschafft, positive Resonanz bekommen, die wir vorher nicht hatten. Das ist auch das, was uns motiviert: Die Menschen, die für uns im Wahlkampf auf der Straße gestanden haben. Die haben positive Rückmeldungen bekommen und die sagen auch, dass sie weiter machen, dass sie weiter Piraten bleiben wollen, auch wenn es diesmal nicht geklappt hat. Denn die Menschen auf der Straße fragen nach unseren Themen und unsere Themen bleiben aktuell. Diese Themen müssen weiter bearbeitet werden, dafür sind wir da und dafür stehen wir.

    Warum glauben Sie, hatte die CDU in NRW am Ende die Nase vorn und die SPD solch ein schlechtes Ergebnis?

    Ich befürchte, dass die CDU am Ende die Nase vorn hatte, weil sie auf sehr populistische Themen gesetzt hat. Bei dem Thema Innere Sicherheit wird mit der Angst gespielt. Auch beim Thema Staus und Verkehr wird mit der Angst gespielt. Doch diese Themen sind nicht in die Zukunft gerichtet. Es wird zum Beispiel nicht darüber nachgedacht, wie es ist, wenn wir in Zukunft selbstfahrende Autos haben. Was passiert dann mit den Arbeitsplätzen, wenn wir keine Busfahrer und Taxifahrer mehr haben? Klar, Innere Sicherheit ist ein sehr aktuelles Thema, aber hier kann man auch mit Populismus viele Stimmen fangen. Und das ist der CDU gelungen.

    Wie wollen sich die Piraten mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst aufstellen? Wie will man Wählerstimmen zurückgewinnen?

    Wir werden weiter auf Öffentlichkeitsarbeit und Social Media setzen. Wir werden weiter mit den Medien reden, wie wir es jetzt auch tun. Vor drei oder vier Jahren hatten wir den Fehler gemacht und gesagt, wir brauchen keine "Todholzmedien" mehr, also keine Printmedien. Für diese Beleidigung der klassischen Medien entschuldigen wir uns heute. Wir sollten außerdem weiter auf unsere Themen achten. Wir sollten die Opposition sein, die in die Zukunft schaut. Das werden wir bei der Bundestagswahl auch machen. Wir werden sagen, Protest geht auch konstruktiv. Das sollte unser Wahlspruch sein und da sollten wir auch angreifen.

    Marcel Joppa

    Das Interview zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Kraftlos, kopflos, NRW-SPD. Was nun, Herr Schulz?
    Nach Niederlage: SPD schließt Große Koalition in NRW aus
    AfD-Anhänger befürchten Wahlbetrug in NRW
    Erste Prognose: SPD-Pleite und CDU-Sieg bei NRW-Wahl, AfD im Landesparlament
    Tags:
    Ergebnisse, Wahlen, Landtag, Piratenpartei, FDP, Nordrhein-Westfalen, Deutschland