08:38 29 März 2020
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    Nachdem die Türkei erneut mehreren Bundestagsabgeordneten den Besuch der Bundeswehr-Soldaten in deren Stützpunkt im türkischen Incirlik untersagt hat, erwägt die Bundesregierung einmal mehr einen Komplettabzug. Bei der Suche nach Alternativen hat die Bundesregierung insgesamt acht mögliche Standorte ausgemacht.

    Die Prüfung alternativer Standorte zur türkischen Militärbasis Incirlik ergab, dass "aus militärischer Sicht grundsätzlich in Jordanien, in Kuwait und auf Zypern geeignete Standorte vorhanden sind", so „Die Welt“ unter Berufung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. 

    In der Antwort auf die Anfrage nennt die Bundesregierung zwar die Standorte, die „im Rahmen einer militärischen Erkundung zur Untersuchung ihrer grundsätzlichen Eignung besucht“ worden seien. Über die Überprüfung auf eine militärische Eignung hinaus seien dabei allerdings „keine Gespräche hinsichtlich einer möglichen Stationierung“ geführt worden, heißt es in dem Schreiben.

    Hier sind die Stützpunkte, die sich als Alternative für Incirlik, anbieten würden.*

    Amman als Alternative für Incirlik

    Jordanischer Kampfjet F-16 auf dem Militärflugplatz Muwaffaq Salti in Azraq
    © CC0
    Jordanischer Kampfjet F-16 auf dem Militärflugplatz "Muwaffaq Salti" in Azraq

    Noch 2016 hatte die Bundesregierung eine Expertengruppe in die jordanische Hauptstadt entsandt, die dort einen möglichen Alternativstandort zu Incirlik einschätzen sollte. Nach der Erkundung fanden sie Experten den Militärstützpunkt Azraq Air Base im Osten des Landes für die Verlegung von deutschen Überwachungs-Jets für die Anti-IS-Koalition als durchaus geeignet. In einer internen Bewertung schreiben die Militärs, der Stützpunkt entspreche nahezu allen „operativen Anforderungen für den Einsatz“ der Überwachungs-Jets und der Tankflugzeuge. Auf der Basis sind auch amerikanische Flugzeuge und Drohnen stationiert, auch andere Nationen der Koalition haben den Standort schon genutzt.

    Militärflugplatz Azraq, Jordanien

    Auch heute gilt Amman innerhalb des Verteidigungsministeriums weiterhin als mögliche Alternative zu Incirlik – zumindest technisch. Gemeinsam mit Zypern und Kuwait könnte man von Amman aus Aufklärungseinsätze fliegen, auch wenn das alleine geographisch weniger ideal wäre. Denn Incirlik, das im Norden der Türkei liegt, ist den Einsatzgebieten in Syrien näher.

    Akrotiri, Zypern

    RAF-Luftbasis Akrotiri auf Zypern
    © AFP 2020 / Justin Tallis
    RAF-Luftbasis Akrotiri auf Zypern

    Bei den Diskussionen über die möglichen Alternativen zu Incirlik wird auch immer häufiger Zypern erwähnt. Aus militärischer Sicht seien auf Zypern geeignete Standorte vorhanden,  hieß es aus der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. 

    Auf Zypern gibt es mehrere Luftwaffenstützpunkte, die die Bundeswehr in Betracht ziehen könnte. Dazu zählt beispielsweise der Flugplatz Akrotiri, ein britischer Militärflugplatz auf der Mittelmeerinsel. Die Royal Air Force nutzt den Stützpunkt als Basis für Einsätze im Mittleren Osten.

    Militärflugplatz Akrotiri auf Zypern

    Der Flugplatz liegt auf dem südlichsten Zipfel der Insel im souveränen Basisgebiet (Souvereign Base Area) Akrotiri südwestlich von Limassol, wo die deutsche Marine bereits stationiert ist. Akrotiri umfasst eine Fläche von 123 km². Es beherbergt die Garnison Episkopi mit einem Infanteriebataillon sowie den Militärflugplatz Royal Air Force Station Akrotiri mit einer SAR-Hubschrauberstaffel (84th Squadron) und einer variierenden Anzahl von Kampfflugzeugen.

    Der Flughafen hat eine 8999 Fuß (2743 Meter) lange Landebahn. Akrotiri Airport liegt 76 Fuß (23 Meter) oberhalb des Meeresspiegels.

    Dhekelia, Zypern

    Britische Soldaten auf dem Militärstützpunkt Dhekelia
    Britische Soldaten auf dem Militärstützpunkt Dhekelia

    Das ist der zweite britische Militärflugplatz (östlich von Larnaka), der mit 130 km² nur unwesentlich größer als Akrotiri ist. Hier befindet sich die Garnison Dhekelia, die ein Infanteriebataillon sowie Aufklärungshubschrauber (16th Flight Army Air Corps) umfasst. Die beiden Basen machen etwa drei Prozent der Landfläche Zyperns aus. Sie unterliegen britischer Jurisdiktion, sind jedoch nicht hermetisch von ihrer Umgebung abgeschlossen.

    Militärstützpunkt Dhekelia, Zypern

    Beide Basen gehören zum Zollgebiet der Europäischen Union.

    Andreas Papandreou Airbase in Paphos

    Französischer Soldat auf Zypern (Archivbild)
    © AFP 2020 / Patrick Baz
    Französischer Soldat auf Zypern (Archivbild)

    Die Insel liegt nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie von der syrischen Hauptstadt Damaskus entfernt und könnte theoretisch zum zentralen Ausgangspunkt für die deutschen Anti-IS-Operationen werden.

    Die langjährige Politik von Zypern ist es, den Verbündeten im Rahmen von internationalen Verträgen die vorhandenen Ressourcen und Territorien bereit zu stellen, um somit seine Rolle im Abschnitt Östliches Mittelmeer zu erhöhen.

    Flughafen in Paphos, der teilweise vom Militär genutzt wird (oben rechts sind Kaponnieren zu sehen)

    Deutschland und Frankreich nutzen bereits diesen Stützpunkt fürs Nachtanken, Evakuierungsoperationen und den Pflegedienst. Die französische Luftwaffe flog 2014 sogar ihre Einsätze gegen die Terrormiliz Daesh (auch Islamischer Staat, IS) von diesem Stützpunkt aus.

    Camp Doha, Kuwait

    Bundeswehr führt ABC-Kontrolle auf dem Militärstützpunkt Camp Doha in Kuwait durch (Archivbild)
    © AP Photo / Anja Niedringhaus
    Bundeswehr führt ABC-Kontrolle auf dem Militärstützpunkt Camp Doha in Kuwait durch (Archivbild)

    Den deutschen Streitkräften ist Camp Doha bereits gut bekannt. Das zum multinationalen Einsatzverband unter US-Kommando (CJTF CM) gehörige deutsche ABC-Abwehrbataillon Kuwait war von Februar 2002 bis Juni 2003 hier  stationiert.

    Camp Doha ist ein ehemaliges Freihafengelände, das nordwestlich der Stadt Kuwait direkt am Persischen Golf liegt. Seit dem Zweiten Golfkrieg 1991 dient es als zentrale logistische Basis der US-amerikanischen Streitkräfte im Bereich des Nahen Ostens.

    Ab Anfang 2002 waren in Camp Doha der Stab und einige Kräfte der Combined Joint Task Force Consequence Management (CJTF CM), ein multinationaler Einsatzverband unter US-amerikanischem Kommando, stationiert.

    Militärstützpunkt Camp Doha, Kuwait

    Während des Irak-Kriegs im März/April 2003 diente Camp Doha dem zuständigen amerikanischen Regionalkommando (US Central Command, CENTCOM) als eine logistische Drehscheibe und Quartier operativer Kommandozentralen (Joint Operation Center).

    Deutsche Marine in Limassol

    Deutsche Kriegsschiffe im Hafen Limassol, Zypern (Archivbild)
    © AFP 2020 / Michael Kappeler
    Deutsche Kriegsschiffe im Hafen Limassol, Zypern (Archivbild)

    Seit 2006 ist der deutsche Marineverband im Hafen von Limassol auf Zypern stationiert. Damals liefen acht Marineschiffe für den Libanon-Einsatz der Vereinten Nationen dort ein. In Limassol befindet sich zudem die deutsche Logistikbasis. Von dort sind es noch etwa 200 Kilometer bis zur libanesischen Küste.

    Hafen Limassol, Zypern

    Anfang 2017 erhielt die Marine neue Korvetten der Klasse K 130. Sie kommen bei zahlreichen Aufgaben in der Ostsee, dem Mittelmeer und auch am Horn von Afrika erfolgreich zum Einsatz.

    Militärflugplatz Decimomannu in Italien

    Italienischer Militärflugplatz Decimomannu während Einsatzes in Lybien 2011 (Archivbild)
    © AFP 2020 / ANP/Robin Utrecht
    Italienischer Militärflugplatz Decimomannu während Einsatzes in Lybien 2011 (Archivbild)

    Der Militärflugplatz Decimomannu befindet sich im Süden der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien. Erst Ende 2016, mit der Auflösung des Taktischen Ausbildungskommandos der Luftwaffe, beendete Italien die deutsche Nutzung des Flugplatzes.

    Im Kalten Krieg wurde der Flugplatz von den Luftstreitkräften verschiedener NATO-Mitgliedsstaaten zu Übungszwecken genutzt, danach betrieben ihn die Luftwaffen Italiens und Deutschlands.

    Militärflugplatz Decimomannu, Italien

    Der Flugplatz hat eine knapp drei Kilometer lange, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Start- und Landebahn. Westlich der genannten Bahn befindet sich der Großteil der militärischen Anlagen mit Abstellflächen und Kasernenanlagen. Eine dritte weitgehend parallele Rollbahn dient als Abstellfläche; sie ermöglicht die Aufnahme von rund 100 Kampfflugzeugen.

    NATO-Flugplatz Geilenkirchen, Deutschland

    NATO-Airbase in Geilenkirchen (Archivbild)
    © AP Photo / Frank Augstein
    NATO-Airbase in Geilenkirchen (Archivbild)

    Die Linke-Vorsitzende Sahra Wagenknecht schlug am Dienstag einen neuen Standort für die Bundeswehr vor, der sich grundsätzlich von den bisher anvisierten Alternativen der Bundesregierung unterscheidet – nämlich Deutschland.

    Einer der wichtigsten Nato-Stützpunkte in Deutschland ist der NATO-Flugplatz Geilenkirchen, der in der Nähe der nordrhein-westfälischen Stadt Geilenkirchen an der niederländischen Grenze liegt.

    Nato-Flugplatz Geilenkirchen, Deutschland

    Die zunächst als Royal Air Force Station Geilenkirchen, kurz RAF Geilenkirchen, bekannte Einrichtung ist heute der Haupteinsatzflugplatz des NATO E-3A-Verbandes, einer der beiden Einsatzverbände der NATO-Frühwarnflotte (NATO Airborne Early Warning & Control Force – NAEW&CF). Seine Start- und Landebahn ist 3051 Meter lang.

    * Auf die Sputnik-Anfrage zu den alternativen Stützpunkten zu Incirlik hat das Bundesverteidigungsministerium zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels noch keine Auskunft gegeben. Damit ist das keine offizielle Liste möglicher alternativer Stützpunkte.

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    Tags:
    Streit, Truppenabzug, Stationierung, Militärflugplatz, Die LINKE-Partei, Bundeswehr, Sahra Wagenknecht, Incirlik, Kuwait, Jordanien, Zypern, Türkei, Italien, Deutschland