16:29 23 Juli 2017
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    Papst Franziskus

    Papst bestellt ukrainischen Botschafter wegen „Kirchengesetzen“ ein

    © REUTERS/ Alessandro Bianchi
    Politik
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    Der Papst hat den Botschafter der Ukraine im Vatikan wegen Kiews Gesetzentwürfen einbestellt, die gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats gerichtet sind. Dies teilte der Kleriker Nikolai Danilewitsch via Facebook mit.

    Demnach ist der Vatikan wegen der möglichen Verabschiedung der Gesetze Nr. 4128 und 4511 besorgt, die sich gegen die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats richten.

    „Der Botschafter der Ukraine im Vatikan wurde einbestellt. Der Vatikan teilt vollständig die Position, die zu diesem Thema zuvor von dem römisch-katholischen Bischof Stanislav Shyrokoradjuk geäußert wurde“, so Danilewitsch.

    Zuvor hatte Shyrokoradjuk, der in der Südukraine die römisch-katholische Kirche vertritt, diese Gesetzentwürfe kritisiert.

    Am Donnerstag sollte die Oberste Rada (ukrainisches Parlament) zwei Dokumente über den Status religiöser Organisationen behandeln. Demnach dürfen religiöse Organisationen, deren Zentralen sich in einem als Aggressor bezeichneten Land befinden, Bischöfe oder Metropoliten nur nach Abstimmung mit den ukrainischen Behörden ernennen.

    Darüber hinaus dürften ukrainische Kirchengemeinden die Jurisdiktion der Religionsgemeinschaften ändern. Laut Medien bezeichnet die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats diese Gesetzentwürfe als repressiv und befürchtet, dass die Gesetze die Beschlagnahme von Kirchengebäuden legalisieren würden.

    Das Parlament des Landes hat die Dokumente noch nicht behandelt. Zuvor hatte der Kreml alle Aktivitäten als unzulässig bezeichnet, die die Interessen der russisch-orthodoxen Kirche in der Ukraine verletzen würden.

    Laut dem Vorsitzenden der PR-Abteilung des Synods der Russisch-orthodoxen Kirche, Wladimir Legoida, haben Angehörige des nicht offiziell anerkannten Kiewer Patriarchats Medienberichten zufolge etwa 40 Gotteshäuser der zum Moskauer Patriarchat gehörenden ukrainisch-orthodoxen Kirche gewaltsam besetzt. Es handele sich um Kirchengebäude, die 2014, nach der Verschlechterung der Situation in der Ukraine, rechtswidrig in Besitz genommen worden seien.

    Im Januar 2017 war ein Gotteshaus des Moskauer Patriarchats bei Odessa in Brand gesetzt worden. Im selben Monat wurden drei Kirchen in der Diözese von Bilgorod-Dnistrowski (bei Odessa) geplündert und ein Gotteshaus bei Riwne (Westukraine) angegriffen.

    Zum Thema:

    Ukraine: Nationalisten-Miliz besetzt orthodoxe Kirche
    Tags:
    Beschlagnahme, Metropolit, Bischof, Religion, Oberste Rada, Vatikan, Ukraine
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