23:14 04 August 2020
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    Millionen Ukrainer besuchen Verwandte in Russland, viele arbeiten zeitweise in dem Nachbarstaat. Trotz alledem will Kiew auf Vorschlag eines Politikers nun über eine Visum-Pflicht mit Russland beraten.

    Anscheinend hat das Verbot russischer sozialer Netzwerke nicht gereicht: Der Kiewer Abgeordnete Maxim Burbak von der nationalistischen „Volksfront“ hat am Montag im ukrainischen Parlament (Werchowna Rada) vorgeschlagen, sich mit einer Visum-Pflicht völlig und endgültig von Russland abzuschotten.

    Kiew müsse nämlich, so Burbak, „alle denkbaren Maßnahmen ergreifen, um  den ‚Agressor‘ einen hohen Preis zahlen  zu lassen“.

    Und dass, obwohl die Ukrainer mit der neuerdings eingeführten visafreien Einreise in die EU nicht automatisch gleich eine Arbeit dort bekommen dürfen und angesichts der prekären Lage im Land sich oft gezwungen sehen, in Russland einen Job zu suchen. Nach örtlichen Medienberichten wird die Rada den Vorschlag nun innerhalb einer Woche behandeln.

    In Moskau sieht man die Situation aber aus einem ganz anderen Blickwinkel:

    „Das ist wiederum so etwas in der Art wie ‚ich frier mir die Ohren der Oma zum Trotz ab‘“, so der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow. „Sie wissen ja, wie ein solcher Schritt nach hinten, gegen die Interessen der Ukrainer selbst losgehen kann. Der negative Effekt für die ukrainischen Einwohner wird sich kaum überschätzen lassen.“

    Zur selben Zeit seien jegliche Prognosen oder Einschätzungen fehl am Platz.

    „Lasst uns die nächste Runde dieser russophoben Diskussionen abwarten. Es gab ja bisher immer wieder Versuche, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen, doch jedes Mal reichte es an Resten von Nüchternheit aus, um das nicht zu tun. Mal sehen, was dieses Mal passiert“, fügte der Kremlsprecher hinzu.

    Zuletzt sprach sich für die Aufhebung der Visafreiheit mit Russland im vergangenen Jahr der ukrainische Vizeparlamentschef Andrij Parubij aus.

    Jährlich reisen etwa vier Millionen Ukrainer nach Russland ein.  Laut einigen inoffiziellen Studien befinden sich derzeit bis zu fünf Millionen ukrainischer Gelegenheitsarbeiter in Russland.

    Am Wochenende hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärt, dass die Ukrainer ohne die russischen sozialen Netzwerke gut leben könnten. In der Ukraine gilt nunmehr ein Zugangsverbot zu den russischen Social Media VKontakte und Odnoklassniki sowie zu den Yandex- und Mail.ru.-Ressourcen. Der diesbezügliche Erlass war am Mittwoch in Kraft getreten.

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    Tags:
    Visafreiheit, Maxim Burbak, Dmitri Peskow, Russland, Ukraine