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12:48 17 Juli 2019
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    Niederlande stoppen Gasexport nach Deutschland: Weitere Chance für Nord Stream?

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    Die Niederlande wollen kein Gas mehr nach Deutschland liefern. Das bedeutet einen weitgreifenden Umbruch für die Deutschen, da die neuen Gassorten einen viel höheren Brennwert als das niederländische L-Gas haben. Nicht nur neue Pipelines müssen her, Millionen Bürger müssen ihre Heizungen und Kochgeräte umrüsten, schreibt RP Online am Dienstag.

    Ab dem Jahr 2020 wollen die Niederlande laut Focus Online kein Gas mehr exportieren. Grund ist ein Erdbeben der Stärke 3,4 im niederländischen Huizingen (2012), für das Experten die Förderung aus dem Gasfeld unter der Stadt verantwortlich machten. Deswegen hat die niederländische Regierung beschlossen, die Förderung zu stoppen – 2030 wäre sie sowieso ausgelaufen.

    Die Deutschen müssen sich nun innerhalb von drei Jahren nach Alternativen umsehen. Aktuell macht niederländisches Gas in Deutschland ein Drittel des Gesamtverbrauchs aus.

    Als Alternative bietet sich das sogenannte LNG-Gas an, das per Tanker aus den USA und den Golfstaaten über Belgien und die Niederlande nach Deutschland importiert werden könnte. „Ein aufwendiger Prozess, weil das Gas auf minus 162 Grad heruntergekühlt werden muss“, zitiert RP Online Bernd Dahmen, den Geschäftsführer des Netzbetreibers Thyssengas.

    „Deshalb hat im Wettbewerb der Quellenländer am Ende wohl vor allem Russland große Chancen, weitere Gasmengen nach Deutschland zu liefern. Dieses wird in erster Linie über die Ostsee zu uns gelangen.“ Gemeint ist damit die Unterwasser-Pipeline Nord Stream, über die Deutschland bereits seit 2011 russisches Erdgas bezieht.

    Da die neuen Gassorten einen viel höheren Brennwert als das niederländische L-Gas haben, muss Thyssengas für die Umstellung auf das potentere H-Gas gemeinsam mit der Firma Open Grid Europe (OGE) ein rund 220 Kilometer langes Transportsystem von der belgischen Grenze über Krefeld, den Niederrhein bis nach Legden im Münsterland bauen, so RP Online. Zum anderen werden die örtlichen Netzbetreiber Endgeräte wie Heizungen, Warmwasserbereiter, Gasherde oder Gaskamine bei den Kunden daheim überprüfen, damit sie umgerüstet oder ausgetauscht werden können – und zwar alle.

    Deutschlandweit werden heute mehr als fünf Millionen Haushalte mit L-Gas versorgt, so das Nachrichtenportal. In NRW haben etwa 60 Prozent aller Haushalte einen Gas-Anschluss. „In unserer Region sind der Niederrhein, der Großraum Düsseldorf und Köln, Teile des Ruhrgebiets und dazu noch das Münsterland von der Umstellung betroffen“, sagt Dahmen.

     

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    Flüssiggas, Stopp, LNG, Exporte, Gas, Nord Stream, Netzbetreiber Thyssengas, Niederlande, Deutschland, USA, Russland