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    Polizist während Protesten am 1. Mai in Seattele, USA

    US-Krise mit Folgen für Russland: „Krankhaftes Amerika-zentrisches Denken loswerden“

    © REUTERS / David Ryder
    Politik
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    Beim innenpolitischen Kampf in den USA bekommt das Thema Russland einen zweiten Atem. Es wird von denjenigen instrumentalisiert, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump anstreben. Was soll Moskau in dieser Situation tun? Der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow hat die Situation analysiert.

    In einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung lenta.ru schreibt Lukjanow, das russisch-amerikanische Verhältnis sei in eine Sackgasse geraten, die weder auf geopolitische Widersprüche noch auf unterschiedliche Werte zurückzuführen sei. Russland sei zum „Hauptinstrument im akuten Machtkampf in den Vereinigten Staaten“ geworden.

    Der Wirbel um Trumps angebliche Verbindungen zu Russland sei einst von Hillary Clintons Wahlkampfteam ausgelöst worden – als Mittel gegen den Konkurrenten. Nun werde er „bewusst und offenbar kaltblütig instrumentalisiert, um den Präsidenten zumindest zu schwächen und im Idealfall zu entmachten“.

    „Einen zweiten Atem bekam das Thema Russland nach der Wahl, als klar wurde, dass ein wesentlicher Teil des Establishments den Sieg von Trump zwar anerkannte, aber nicht in Kauf nahm“, so Lukjanow.

    „Die abstrakten Vorwürfe der Sympathien für Putin sind seit vier Monaten zu Beschuldigungen mutiert, die in der Lage wären, auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump hinauszulaufen. Die jüngsten ‚Enthüllungen‘, wonach der US-Präsident dem russischen Außenminister ein Staatsgeheimnis preisgegeben haben soll, zielen bereits gerade auf eine Amtsenthebung ab. Angesichts dieses Effekts von Lawrows Besuch bei Trump wirkt die Vision beängstigend, welch ein Tsunami nach Trumps Treffen mit Wladimir Putin in Hamburg über das Weiße Haus fegen wird“, heißt es in dem Kommentar.

    Die Administration Trump sei gezwungen, immer wieder zu beteuern, dass sie keine Sympathien für Russland habe. Ein Normalisierung der Beziehungen mit dem Kreml sei im Moment völlig unmöglich – unabhängig davon, ob Trump sie geplant habe oder nicht. Dabei verschlechtere sich die Situation schnell weiter, hieß es.

    „Falls die politische Krise der US-Spitze auf einen Versuch hinausläuft, eine Amtsenthebung des Staatschefs vorzubereiten, wären außenpolitische Folgen jeder Art möglich“, befürchtet Lukjanow.

    Der US-Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis habe kürzlich vor allem darauf abgezielt, Trumps Opponenten im Inland etwas zu beweisen. Ähnlich sei die Situation um Nordkorea. Es stehe in den Sternen, welche siegreichen internationalen Schritte man noch brauchen werde, um die tobenden Kongressabgeordneten zu beschwichtigen, hieß es weiter.

    Ein weiterer Nachteil für Russland bestehe darin, dass dieses für Trump und sein Team eigentlich wenig interessant sei: „Ihre Priorität ist eine Umgestaltung der globalen Handels- und Finanzbeziehungen, um sie den merkantilistisch verstandenen US-Interessen anzupassen. In diesem Kontext ist Russland ein zweit- oder gar drittrangiger Akteur.“

    Vor diesem Hintergrund sollte Russland nach Ansicht von Lukjanow keine Illusionen hegen, dass es in absehbarer Zukunft möglich wäre, mit den USA etwas zu erreichen, solange die Machtfrage dort nicht geklärt sei.

    „Aber auch nach einer Stabilisierung der politischen Lage in den USA (d.h. entweder nach einer Amtsenthebung von Trump oder nach ihrem Scheitern bzw. nach einem Verzicht darauf) wäre mit einer Normalisierung mit Russland schwer zu rechnen, denn während der Krise könnte man rhetorisch und anders allzu viel Porzellan unnötig zerschlagen“, warnt der Experte.

    Doch die derzeitige Situation im russisch-amerikanischen Verhältnis habe möglicherweise auch eine positive Dimension, denn sie könne „Russland dabei helfen, das krankhafte Amerika-zentrische Denken loszuwerden“, schreibt Lukjanow.

    Er erläutert: „Es ist höchste Zeit, sich damit zu beschäftigen, was unabhängig von Washingtons Position und Rolle getan werden muss. Zwar wäre es natürlich dumm, so zu tun, als ob die USA nicht existieren, denn sie sind in jedem Zustand nach wie vor der mächtigste Staat des Planeten und fähig, sich in alles einzumischen. Doch die Phase jener inneren Lähmung, die den Titanen wahrscheinlich treffen könnte, sollte von Russland ausgenutzt werden, um seine eigenen Prioritäten wahrzunehmen – in Eurasien, in den Beziehungen mit China, dem Iran, Japan, Südkorea und mit Russlands Anrainern.“

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    Tags:
    Fake-News, Medienattacke, Russophobie, Konflikt, Folgen, Krise, Fjodor Lukjanow, Donald Trump, USA, Russland