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15:43 21 Oktober 2019
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    Philippinische Ehrengarde in Manila

    „Kleine Revolution in Südostasien“: Warum die Philippinnen russische Waffen wollen

    © AFP 2019 / Mohd Rasfan
    Politik
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    Dass der philippinische Präsident ausgerechnet in Russland Waffen kaufen will, ist wichtig angesichts der Konstellation in Südostasien. Darauf weisen russische Experten hin, die von der Onlinezeitung vz.ru befragt wurden. Sie konkretisieren mögliche Kooperationsbereiche.

    „In Südostasien hat sich eine kleine Revolution vollzogen“, sagte Alexej Maslow, Chef-Orientalist der in Moskau ansässigen Higher School of Economics. Washington habe immer auf die Philippinen gezählt – darunter auch bei seiner Konfrontation mit Peking. Doch nun habe die philippinische Führung plötzlich ausgerechnet China und Russland als ihre Hauptpartner eingestuft, hieß es.

    In der Nacht zum Mittwoch war der philippinische Präsident Rodrigo Duterte mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Moskau zusammengetroffen. Duterte sagte, er wolle um Unterstützung um Hilfe bitten, denn sein Land brauche moderne Waffen im Kampf gegen die Terroristen.

    Dmitri Mosjakow, Leiter des Südostasien-Zentrums am russischen Orientalistik-Institut, kommentierte für vz.ru, dieses Treffen sei von sehr großer Bedeutung. Es gehe um eine „völlig neue Qualität der Beziehungen zwischen Russland und den Philippinen“. Der Kreis von Russlands und Chinas Verbündeten in der Region werde erweitert, der Einfluss der USA dagegen geschwächt.

    Maslow sagte, eine Kooperation mit Russland sei für Duterte auch deswegen wichtig, weil dieser nicht von China abhängig sein wolle: „Russland wird da als Gegengewicht zum chinesischen Einfluss betrachtet.“

    Kriegszustand auf Philippinen – Treffen Duterte-Putin vorgezogen

    Dazu noch sieht Maslow eine „psychologische Ähnlichkeit“ zwischen Duterte und Putin: „Die beiden sind entschlossen und gehen hart gegenüber ihren Rivalen vor. Die beiden wollen ihre Unabhängigkeit von der US-Politik zeigen.“

    Mosjakow erläuterte: „Russland stellt keine Ansprüche darauf, die ganze philippinische Armee neu zu bewaffnen. Dort gibt es ja China und die USA. Doch in manchen wichtigen Segmenten wie beispielsweise in Sachen Flugabwehr und bei der Modernisierung der philippinischen Kriegsflotte werden Lieferungen wahrscheinlich aus Russland kommen.“

    „Die Philippiner haben hauptsächlich alte amerikanische Kriegsschiffe und sehr alte amerikanische Flugzeuge. Zur Verfügung stehen etwa F-5-Kampfjets aus der Zeit des Vietnamkriegs. Die Amerikaner hatten es gern, ihre billigen Second-Hand-Waffen an die Philippiner zu liefern. Nun wollen die Philippiner moderne und gute Waffensysteme haben“, so Mosjakow.

    „Die Philippinen wollen ihren Markt diversifizieren und festere Positionen bei ihren Verhandlungen mit den USA haben. Sie wollen zeigen: Wenn etwas schief geht, können sie sich immer an Russland oder an China wenden. Das ist ein Element jener Multi-Vektor-Politik, die Duterte angekündigt hatte. Wir werden zu einem Vektor dieser Politik“, sagte Mosjakow.

    Er betonte: „Es geht nicht darum, dass die Philippinen in den russischen Einflussbereich geraten. Doch durch diesen Besuch von Duterte wird das Land zu einem weiteren Freund Russlands in der Region.“

    Maslow stimmte zu und vermutete, dass eine erfolgreiche Kooperation auch in den Bereichen wie etwa Transport-Infrastruktur oder Energie-Maschinenbau möglich wäre: „Die Philippinen nehmen einen wichtigen Platz unter den ASEAN-Ländern ein. Das ist ein Land mit einem offenen Wirtschaftsklima, eine bequeme See-Verkehrsdrehscheibe.“

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    Tags:
    Alexej Maslow, Rodrigo Duterte, Philippinen, Russland