17:08 26 September 2020
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel droht wieder mit einem Abzug der Bundeswehr vom Stützpunkt Incrilik. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor sehr gelassen darauf reagiert und betont, ein möglicher Abzug sei kein Problem für Ankara. Koray Gürbüz, Militärexperte von der Bilkent-Universität, gibt Erdogan in dieser Frage Recht.

    Merkel hat bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Rande des Nato-Gipfels erneut das Recht der Bundestagsabgeordneten unterstrichen, die Bundeswehrsoldaten in Incirlik zu besuchen, und zugleich mit einem Abzug der deutschen Truppen gedroht. 

    Die Nato und konkret auch Deutschland betreiben gegenüber Ankara aus der Sicht von Gürbüz eine nicht freundschaftliche Politik, indem sie Militärgruppierungen unterstützen, die gegen die Türkei kämpften. Unter solchen Bedingungen dürfe Ankara in dieser Frage auf keinen Fall nachgeben.

    Wenn die Nato-Mitglieder tatsächlich an einer Verstärkung der Stabilität und des Friedens in der Region interessiert seien, sollten sie damit aufhören, den Terroristen zu helfen. Viele Terrorgruppierungen in Syrien erhalten laut Gürbüz logistische Unterstützung seitens der Länder der Allianz. So habe die Nato in der Vergangenheit die Oppositionsgruppe Freie Syrische Armee mit Waffen versorgt. Nun seien fast alle diese Waffen in den Händen der Terroristen gelandet.

    Was die Drohungen Merkels angehe, so werde die Türkei deswegen nicht von ihrer Position abrücken. Außerdem stelle ein möglicher Abzug der Bundeswehr aus Incirlik kein großes Problem dar.

    „Der Abzug der deutschen Truppen wird sich nicht auf die Türkei auswirken. Es gibt nicht so viele Deutschen in Incirlik. Und deren Verlegung nach Jordanien wird keine ernsthaften Folgen für die Türkei haben. Meinetwegen sollte man Incirlik schlichtweg schließen“, so der Militärexperte gegenüber Sputnik.

    Von einem Abzug der Nato-Militärs aus Incirlik werde die Türkei nur profitieren, die Sicherheit in der Region werde dadurch auch stärker.

    Die deutschen Soldaten beteiligen sich laut Gürbüz kaum am Kampf gegen die Terrormiliz IS, deren Beitrag zu den Anti-IS-Operationen sei kaum nennenswert. „Dafür bewaffnen sie aktiv die PKK (die in der Türkei als Terrorgruppierung eingestufte Arbeitspartei Kurdistans – Anm. d. Red.) und die damit verbundenen antitürkischen Gruppierungen. Das ist inakzeptabel.“ Daher seien Merkels Erklärungen bloß „Augenwischerei“ und „Heuchelei“, denn Deutschland beteilige sich aktiv an der Unterstützung von terroristischen Gruppierungen.

     

     

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    Tags:
    Abzug, Terroristen, Waffen, Islamischer Staat, Bundeswehr, NATO, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Incirlik, Deutschland