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    Zbigniew Brzezinski (Archivbild)

    Brzezinski kontra Moskau: „Sein ganzes Leben lang lief er diesem Trugbild hinterher“

    © AFP 2019 / Brendan Smialowski
    Politik
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    Sein Lebenswerk war ein Beitrag zum „Kreuzzug“ gegen die Sowjetunion, dessen Platz dann Russland übernahm. Russische Experten liefern Kommentare zum Tod von Zbigniew Brzezinski, dem einstigen Sicherheitsberater von Jimmy Carter.

    Politologe Andrej Manoilo schreibt in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“: „Eine ganze Epoche kalter Kriege und heißer Konflikte ist zusammen mit Brzezinski Geschichte geworden. Den Kern dieser Epoche bildete das Prinzip einer unversöhnlichen Konfrontation von zwei globalen Ideen, zwei Konzepten der politischen Weltordnung, bei denen es sich um den westlichen liberalen Kapitalismus und den Kommunismus handelte. Der ersten Idee diente Brzezinski zeit seines Lebens treu und hingeben, indem er die Ideale der US-Demokratie gegenüber Feinden im Aus- und Inland verteidigte. Die zweite Idee, den Kommunismus, hasste er wild. Einen ‚Kreuzzug‘ gegen die Sowjetunion betrachtete er als oberstes Ziel seiner Existenz.“

    „Seine Vendetta gegen die Sowjetunion endete mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Reiches. Er schaffte es, einen unbestrittenen Beitrag dazu zu leisten. Den Platz der UdSSR in Brzezinskis ‚persönlichem Krieg‘ übernahm dann Russland, obwohl dieses zehn Jahre alleine dafür brauchte, von den Knien aufzustehen. Als Russland doch aufstand, sah Brzezinski ein, dass sein Lebenswerk in Wirklichkeit nichts mehr ist, als ein endloses Rennen einem Trugbild hinterher, welches vage Gestalten von Schachfiguren zeigt, die auf den verschwimmenden schwarzweißen Feldern des ‚Großen Schachbretts‘ im Endspiel erstarrt stehen“, so Manoilo.

    Er postuliert: „Sein ganzes Leben lang lief Brzezinski diesem Trugbild hinterher, um die Partie zu beenden, und die wichtigste Triebkraft dieses Rennens war sein Hass. Nun wird man ohne Brzezinski weiter spielen.“

    Andrej Kortunow, Generaldirektor der in Moskau ansässigen Denkfabrik Russian International Affairs Council, sagte der Agentur RIA Novosti, der Höhepunkt der politischen Karriere von Brzezinski sei dessen Arbeit in der Administration von Jimmy Carter gewesen: „Im Hinblick auf die Beziehungen mit Moskau war jene Administration innerlich nicht geeint, dort gab es Tauben und Falken. Brzezinski zählte natürlich zu den konsequentesten Falken. Er spielte eine wesentliche Rolle insbesondere, als sich die US-Position im damaligen Afghanistan-Krieg herauskristallisierte. Er soll die Strategie zur Unterstützung der Mudschaheddin mit ausgearbeitet haben, die später zu den Taliban evolvierten.“

    Kortunow äußerte, Brzezinski habe in den 1990er Jahren eine aktive Rolle bei der Nato-Erweiterung gespielt: „Er war konsequent in seiner Art. Man kann aber sagen, dass er in letzter Zeit seine Haltung zu Russland lockerte und sich mehrmals für eine Kompromisssuche aussprach, für einen Anschluss Russlands an die westlichen Sicherheitsstrukturen, indem er glaubte, dass von China mehr Probleme und potenzielle Bedrohungen für die westliche Welt ausgehen könnten als von Russland.“ 

    „Was seine Bedeutung und seinen Platz in der US-Außenpolitik betrifft, sehe ich derzeit keine Menschen, die mit ihm gleichzusetzen wären – mit Ausnahme vielleicht von Henry Kissinger. Dessen politisches Gewicht war natürlich ein bisschen größer. Kissinger war einst Außenminister und hat wohl einen etwas höheren Stellenwert in dieser Ruhmeshalle von Experten und Politikern. Trotzdem konkurrierten diese beiden Grundpfeiler miteinander. Ich denke, Brzezinski strebte immer danach, das Niveau von Kissinger zu erreichen“, so Kortunow.

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    Tags:
    Außenpolitik, Tod, Kalter Krieg, Zbigniew Brzeziński, UdSSR, Russland, USA