02:17 07 Dezember 2019
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    Deutsche Botschaft in Kabul nach dem Terroranschlag

    Bombenattacke in Kabul: „Sicherheit wie bei Russischem Roulette“

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    Politik
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    Der Anschlag am Mittwoch in Kabul mit mindestens 90 Toten hat nach Ansicht des Sicherheitsexperten Fidelis Cloer erneut gezeigt, dass Afghanistan kein sicheres Land ist. Nach dieser Attacke habe die Bundesregierung keinen Grund, Afghanistan als ein sicheres Land einzustufen, meint Cloer, der Kabul bereits mehrmals besucht hat.

    "Das fatale an diesem Anschlag ist, dass genau zu dieser Zeit viele Menschen auf dem Fußweg zur Arbeit waren“, erklärt der Sicherheitsexperte  im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „Die Afghanen selber können diese Straße nicht mit Autos befahren, müssen also zu Fuß dort durchkommen. Ziel des Anschlags, war aber meines Erachtens die deutsche Botschaft."

    Der Sprengsatz soll rund 1.500 Kilo schwer gewesen sein, er gelangte versteckt in einem Wasser-Tanklaster in das eigentlich schwer gesicherte Botschafts- und Regierungsviertel am Sanbak-Platz.

    Letzte Woche habe die Nationale Sicherheitsdirektion (NDS — der afghanische Inlandsgeheimdienst)  einen ähnlichen LKW stoppen können — aber nicht im Zentrum von Kabul. Für Cloer ist es sehr überraschend, dass es dieser LKW bis vor die deutsche Botschaft geschafft hat. Man dürfe nicht vergessen, dass im Jahr 2009 an exakt der gleichen Stelle vor der Botschaft schon mal eine LKW-Bombe explodiert sei — allerdings in kleinerem Ausmaß.

    NDS-Chef Rahmatullah Nabil habe den sogenannten Ring of Steel ins Leben gerufen, eine Reihe von Polizeicheckpoints, dies funktionierte auch eine Zeit. Diesmal schien das Prinzip versagt zu haben. Cloer erzählt:

    „Ich war selbst vor drei Wochen in der afghanischen Hauptstadt. Ich war auch genau an der Stelle, wo die Bombe explodiert ist. Man kommt dort immer vorbei, wenn man irgendwohin will. Ich habe mich auch über relativ lasche Sicherheitsvorkehrungen gewundert. Dass es aber so ein LKW schafft, in die Stadt zu kommen — das ist sehr verwunderlich." 

    Das bizarre an Afghanistan sei, dass man sich in Kabul frei bewegen könne, wie in jeder anderen Stadt auch. Aber es passiere immer irgendetwas in Kabul, im Schnitt einmal oder zweimal pro Woche. Mal ein kleiner, mal ein großer Anschlag, oder etwa eine Entführung. Cloer betont daher:

    „Kabul ist nicht sicher. Man muss auch ganz klar sagen, Afghanistan ist nicht sicher. Ich vergleiche das immer mit russischem Roulette nur mit mehr leeren Kammern in der Trommel. Wir hatten im letzten Jahr 3500 getötete Zivilisten. Dazu kommen noch einmal über 7000 Verletzte und knapp 3300 getötete und verletzte Soldaten und Polizisten. So ein Land kann man nicht sicher nennen."

    Der CDU-Politiker Armin Schuster findet, dass man trotz des Anschlags, weiter abschieben könne, schließlich gebe es auch in europäischen Städten Anschläge und in Kabul seien ja auch Bundeswehrsoldaten und deutsche Beamte stationiert.

    Die Argumentationslinie von Schuster hält Cloer für hochgradig unseriös. Dies mit Bundeswehrsoldaten zu vergleichen, die in geschützten Camps leben und in schwer geschützten Fahrzeugen unterwegs seien, sei falsch. Der Experte stellt fest:

    „Das kann man so nicht machen. Die Afghanen, das hat man gestern selbst gesehen — 90 Tote — die waren alle ungeschützt und zu Fuß unterwegs. Es waren Polizisten und Sicherheitsleute der Botschaft und so weiter. In der Botschaft selber hat es keine Toten gegeben, dort war man geschützt, aber der normale Afghane der ist nicht geschützt."

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Mangel, Experte, Bombenanschlag, Kommentar, Lkw, Botschaft, Sicherheit, Terrormiliz Daesh, CDU, NDS, Armin Schuster, Kabul, Afghanistan, Deutschland