20:34 27 November 2020
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    Bei dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit dem chinesischen Premierminister Li Keqiang ist zwischen den beiden weitreichende Einigung bei Klimaschutz und Freihandel an den Tag getreten. Der Chinaexperte Frank Sieren sieht darin eine Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt.

    Es sei nicht so sehr die Frage, was Bundeskanzlerin Merkel plane, sondern welchen Spielraum sie überhaupt habe, um ihre Interessen durchzusetzen, sagt der Chinakorrespondent Sieren im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. Er erklärt:

    „Es ist offensichtlich, dass sie ihre Interessen — zum Beispiel im Klimabereich, im Handel, aber auch was Weltfinanzinstitutionen betrifft — nicht mit Donald Trump und den Amerikanern durchsetzen kann, und sich deshalb andere Koalitionspartner suchen muss. Insofern ist es weniger eine Frage des Willens, sondern eine Frage, wo ist der Spielraum, da seine Interessen mit anderen Partnern durchzusetzen kann."

    Der Bestsellerautor („Geldmacht China“) beobachtet eine fast natürliche Entwicklung von einem festen transatlantischen Bündnis wo man auf Gedeih und Verderb zusammen gehalten hat, in Richtung einer multipolaren Weltordnung, wo man sich umschaue und gucke, bei welchen Themen passe es besser mit welchem Partner zusammen zu arbeiten. Als Beispiel aus der Vergangenheit nennt er die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm — da seien es auch die Deutschen und die Chinesen gewesen, die die Amerikaner überzeugt hätten, gegenüber dem Iran eine andere Politik zu fahren.

    Die multipolare Weltordnung bezeichnet Sieren als eine permanente Annäherung an andere Länder. Das treffe natürlich nicht nur China. Er vermutet:

    „Im Moment sieht es nicht so aus, aber ich kann mir durchaus auch vorstellen, dass es gemeinsame politische Interessen mit Russland gibt, in anderen Fällen wieder mit Brasilien oder Indien. Ich glaube, an diese politische Weltlage werden wir uns gewöhnen müssen. Und je schneller wir uns gewöhnen, desto einfacher wird es für uns, unsere politischen Interessen — wirtschaftliche Interessen, aber eben auch Werte — möglichst tiefgreifend durchsetzen zu können."

    Es könne schon sein, dass man mit einem neuen amerikanischen Präsidenten wieder an manchen Punkten mehr Gemeinsamkeiten habe. Aber der China-Experte betont:

    „Es wird nie wieder so wie es früher war. Die Zeit des fraglosen transatlantischen Bündnisses ist für immer vorbei."

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Weltordnung, Verhandlungen, Experte, Interview, Handel, NATO, Donald Trump, Angela Merkel, Bolle Selke, Deutschland, China