16:14 20 November 2018
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    Deutsche Medienkampagne gegen Ankara: Am Ende wird die Nato leiden – Experten

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    Die Berichte deutscher Medien über eine angeblich drastische Krise in den bilateralen Beziehungen zwischen zwei Nato-Ländern, Deutschland und der Türkei, hat der Politologe und Experte für internationale Beziehungen Mesut Hakkı Caşın in einem Sputnik-Interview bewertet.

    „Die Türkei hat die drittgrößte Armee unter den Nato-Ländern. Für die Nato ist zudem der Widerstand gegen den Terror äußerst wichtig. Aus diesem Grund sollte man die internen Probleme in der Allianz nicht durch Manipulationen der öffentlichen Meinung in den Medien lösen, sondern mittels der Entwicklung und Stärkung von diplomatischen Kontakten“, betonte Caşın. Anderenfalls werde die Nato selbst durch diese Handlungen leiden.

    “In den Medien versucht man zu zeigen, dass es in den Beziehungen zwischen der Türkei und der Nato eine Krise gibt. Dabei besteht das Hauptproblem nicht in den Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, sondern vielmehr in denen zwischen Deutschland und den USA”, so der Politologe. Beim Nato-Gipfel in Brüssel beschuldigte US-Präsident Donald Trump einige Mitgliedsländer, und allen voran Deutschland, der Nichterfüllung ihrer Verpflichtungen.

    Zu der Krise zwischen Ankara und Berlin sei es aus Caşıns Sicht nach dem Putschversuch in der Türkei gekommen, als mehrere Militärs nicht aus Deutschland in die Türkei zurückkehrten. “Die Türkei macht sich zudem darüber Sorgen, dass einige deutsche Parlamentarier die Arbeiterpartei Kurdistans und die Partei der Demokratischen Union propagieren”, so der Experte. Vor diesem Hintergrund wäre es falsch, die Krise nur auf die Probleme um den Militärstützpunkt Incirlik zurückzuführen.

    „Vielleicht werden einige Nato-Länder Istanbul nicht für die Durchführung des Nato-Gipfels im nächsten Jahr wählen, was jedoch keinesfalls von einer kommenden anhaltenden Krise zwischen der Nato und der Türkei zeugen wird“, ist sich der türkische Ex-Botschafter im Irak, Ünal Çevizköz, sicher.

    Die Zeitung „Die Welt“ hatte am Vortag berichtet, dass zahlreiche Nato-Länder, angeführt von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark, sich “vehement gegen Istanbul” als Treffpunkt der Allianzmitglieder im kommenden Jahr ausgesprochen haben sollen. „Wir wollen die Türkei nicht international aufwerten und den Eindruck vermeiden, dass die Nato die interne Politik der türkischen Regierung unterstützt“, so “Die Welt” unter Berufung auf hochrangige Nato-Diplomaten, die der Zeitung vertraut sind. Stattdessen forderten die betreffenden Staaten, den Nato-Gipfel im Jahr 2018 im neuen Hauptquartier in Brüssel auszurichten.

    Noch beim Spitzentreffen der Nato-Staats- und Regierungschefs in Warschau im Juli 2016 hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die 28 Mitgliedstaaten eingeladen, zum nächsten Gipfel in zwei Jahren nach Istanbul zu kommen.

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