16:17 20 November 2018
SNA Radio
    Palästina (Archivfoto)

    Nicht „multi-perspektivisch“: Deutsche Antisemitismus-Doku wird nicht gezeigt

    © AFP 2018 / JAAFAR ASHTIYEH
    Politik
    Zum Kurzlink
    271675

    Ein Armutszeugnis für arte: Schon viele Monate liegt die Dokumentation „Antisemitismus in Europa“ im Giftschrank. Die offizielle Begründung: Der von Experten als gut befundene Film sei nicht ausgewogen. Hinter diesen Erklärungen lässt sich aber der tatsächliche Grund vermuten: Die Thematisierung eines Islams, der Judenfeindlichkeit schürt.

    Zuvor hatten sich mehrere ranghohe und anerkannte Experten für die Ausstrahlung der Reportage ausgesprochen. Der arabisch-israelische Autor und Psychologe Ahmad Mansour erklärte in einer E-Mail an die ARTE-Redaktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR), dass er den Film „großartig und überfällig“ finde. Der Historiker Götz Aly hebt in einer weiteren Stellungnahme die „beachtliche und außerordentlich facettenreiche journalistische Leistung“ des Films hervor.

    Trotz alledem wird der Film aber nicht ausgestrahlt. Als offizielle Gründe wurden von dem zuständigen ARTE-Programmdirektor Alain Le Diberder angegeben, der Film sei ohne Mansour als Ko-Autor kreiert worden (der Experte konnte aus familiären Gründen an den Dreharbeiten nicht teilnehmen) und die Dreharbeiten seien statt in ganz Europa, vor allem  in Deutschland, Frankreich,  im Gaza-Streifen und in Israel gedreht worden.

    Somit würde der Film im Wesentlichen nicht den Punkten des genehmigten Projekts entsprechen – in dem nicht ausgewogenen Streifen mangele es zudem an „Multiperspektivität“, betonte Diberder in einem Schreiben. Mündlich sei der zuständigen Redakteurin und Leiterin der ARTE-Redaktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Sabine Rollberg, als sie im Straßburger Arte-Sitz vorbeikam, aber weitaus mehr gesagt worden:  „Der Film ist eine Provokation“; „er schüttet Öl ins Feuer“; „er kann angesichts der Terrorlage in Frankreich nicht gezeigt werden“ und sei „antimuslimisch“.

    „Es war der Versuch, eine Antwort zu finden für europäische Ressentiments“, erklärte seinerseits der Autor Joachim Schroeder. „Das war kein überflüssiges Add-on, sonst wäre man wieder stecken geblieben in Europa.“ Er vermute, dass es einfach schlichte Angst von Seite der Franzosen sei, den Film zu zeigen.

    „Es geht nicht um Ausgewogenheit. Wie soll ein Film über Antisemitismus 'ausgewogen' sein? Offensichtlich schreckt der Sender ARTE mit Sitz in Straßburg davor zurück, Judenhass in Frankreich und Deutschland zu benennen“, zitiert Bild den Autor.

    „Wussten Sie, dass Brot für die Welt und Misereor Boykott-Kampagnen gegen Israel mitfinanzieren? Oder dass die EU und europäische Kirchen zusammen mit den Vereinten Nationen jedes Jahr 100 Millionen Euro Steuergeld in Organisationen investieren, die überwiegend israel-feindliche Kampagnen betreiben? Wenn es nach WDR und ARTE geht, werden Sie auch nie davon erfahren!“, kommentiert der Politik-Chefreporter der Bild-Zeitung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Antisemitismus, Islam, arte, Gazastreifen, Frankreich, Deutschland