23:48 05 Dezember 2019
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    Donald trump während seiner Nahost-Tournee

    Beziehungsabbruch mit Katar: Trump treibt Keil zwischen Golfstaaten – Expertin

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    Politik
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    Statt die Konflikte im Nahen Osten friedlich zu lösen, wettert Trump weiter gegen den Iran und spielt die Golfnationen gegeneinander aus, wie die Nahost-Expertin Jelena Suponina vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten erklärt. Darin sieht sie auch den wahren Grund für den Abbruch der Beziehungen zu Katar.

    Vier Länder haben am Montagmorgen diplomatische Beziehungen zu Katar abgebrochen, nämlich Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten. Sie beschuldigen die Regierung in Doha, sich in ihre inneren Angelegenheiten einzumischen und Terrororganisationen zu unterstützen. Katar hält den Abbruch der Beziehungen hingegen für einen Versuch, Druck auf das Land auszuüben, was „an sich schon eine Verletzung der Souveränität“ sei, so die Expertin.

    In Wirklichkeit aber seien Widersprüche in der Iran-Politik der Golfmonarchien für den Abbruch der Beziehungen maßgeblich, sagt die Nahost-Expertin Jelena Suponina vom Russischen Rat für internationale Angelegenheiten. „Katar hält die harte Linie der Saudis für sehr gefährlich. Dies hat in Riad für Unmut gesorgt“, erklärt sie.

    Dem US-Präsidenten seien diese Widersprüche zwischen den Golfstaaten indes offenbar nicht aufgefallen. Auf dem Gipfeltreffen in Riad Ende vergangener Woche sei Trump „mit seiner Kriegsrhetorik gegen den Iran“ beschäftigt gewesen, sagt die Expertin. „Dass er mit seinen Erklärungen einen Keil nicht nur zwischen den Iran und die anderen arabischen Nationen treibt, sondern auch zwischen die einzelnen Golfstaaten“, habe der US-Präsident irgendwie nicht gemerkt.

    „Trump ist das gelungen, was vor ihm noch niemandem gelang: Er hat den Kooperationsrat der Golfstaaten gespalten“, betont die Nahost-Expertin. Diese Organisation habe sich bislang immer darum bemüht, zumindest äußerlich Einheit zu wahren.

    Die große Frage sei nun: „Wird Trump einsehen, dass seine Rhetorik gegen den Iran eine Eskalation in der Golfregion loszutreten droht? Oder vielleicht brauchen die Amerikaner genau das, ganz nach dem Motto ‚teile und herrsche‘?“

    Diese Situation zeige, wie zerstritten die Golf-Monarchien untereinander seien, ist die Expertin überzeugt. Deshalb habe auch eine „arabische NATO“ keine Zukunft, die Golfnationen hätten sich zerstritten, noch bevor eine arabische Militärallianz gegründet worden sei. „Diese Gegensätze werden jedoch auch den Antiterror-Kampf im Nahen Osten schwächen“, mahnt Suponina.

    Welche Rolle kommt aber Moskau in dieser Lage zu? Russland „soll sich auf keinem Fall in die inneren Konflikte zwischen den arabischen Staaten einmischen“, weiß die Expertin. „Doch die Amerikaner zu einer Mäßigung ihrer Rhetorik gegen den Iran aufzurufen, ist wohl notwendig“, betont sie. Man müsse Wege finden, die Konflikte im Nahen Osten friedlich zu lösen, statt die einzelnen Parteien gegeneinander auszuspielen.

    Und hier ist Moskaus Rolle wichtig: „Russland betreibt eine ausgewogene Politik und pflegt die Beziehungen sowohl zum Iran als auch zu Katar, zu Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten. Diesen Kurs muss man fortsetzen“, fordert die Expertin.

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    Tags:
    Abbruch, Grund, Krise, Internationale Beziehungen, Diplomatie, Donald Trump, Nahost, Persischer Golf, USA, Katar