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    Polnische Soldaten bei Nato-Übungen (Archivbild)

    Waffen für Nato: „Europa arbeitet faktisch für die USA“

    © AFP 2019 / Wojtek Radwanski
    Politik
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    Russland wird als Hauptfeind eingestuft, damit die europäischen Nato-Länder weiterhin US-Waffen kaufen. Die Mitglieder der Allianz sind an die US-Rüstungsindustrie gebunden, wie der russische Militärexperte Leonti Schewzow kritisiert.

    In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „WPK“ schreibt Schewzow, in den 1990er Jahren habe die damalige russische Staatsführung alles getan, um den USA und Europa zu gefallen: „Als Russland aufhörte, ein Feind zu sein, fing die Nato an, Aufgaben zu suchen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.“

    Im 21. Jahrhundert habe Russland jedoch seine nationalen Interessen wieder wahrgenommen: „In den Nato-Führungszentralen ging die Stimmung sofort hoch – die Frage ist geklärt, man braucht nicht mehr einen Feind zu erfinden (…) Wir wurden wieder Gegner. Ein Medien- und Wirtschaftskrieg fing an, es roch nach einem kalten Krieg. Russlands Einstufung als Hauptbedrohung für die Welt bedeutete für die Nato eine lange Fettlebe.“

    „Die Nato beschäftigte sich nicht mit dem Kampf gegen den Terrorismus, obwohl dieser seit zehn Jahren stark wurde und einen ganzen Quasistaat bildete, der bei internationaler Nachsicht fähig ist, Anschläge in jeder Region der Welt zu organisieren, darunter in Deutschland, Frankreich, England und Nahostländern. Internationale Terrorgruppen finden viel schneller eine gemeinsame Sprache und ein Zusammenwirken als die Nato-Mitgliedstaaten, die über eingespielte Führungszentralen und über Aufklärungsoptionen bis hin zu Satelliten verfügen“, so Schewzow.

    „Seit ihrer Gründung wurde die Nato unablässig von der US-Rüstungsindustrie bewaffnet – ebenso wie fast die ganze Welt. Die USA rangierten auf Platz eins in Sachen Waffenexport. Das ist ein großes Geld, das sie nicht verlieren wollen. Um dieses Geld zu bekommen, braucht man allerdings ein großes Feindbild. Kleinere Länder sind dieser Rolle nicht gewachsen – im Hinblick auf sie lassen sich keine milliardenschweren Rüstungsaufträge zustande bringen. Mit China legt man sich lieben nicht an, denn es ist eine Weltfabrik für Bedarfsartikel und weitere Waren, die mindestens jeder zweite in den USA gebraucht. China ist also vorerst ein günstiger Handelspartner, für Amerika ist das am wichtigsten“, heißt es im Kommentar. 

    „Übrig bleibt nur Russland, das weiterhin als Feind Nummer Eins gelten soll, damit alle Nato-Länder daran glauben und Geld für US-Waffen ausgeben – mit Verweis auf die Nato-Standards. Und nach dem Ankauf dieser Waffen muss man für ihre Einsatzfähigkeit sorgen. Es geht um verschiedenste Ersatzteile und teure Anlagen bis hin zu Flugzeug-, Panzer- und weiteren Triebwerken und elektronischen Feuerleitsystemen“, schreibt Schewzow.

    „Es stellt sich also heraus, dass die Nato-Länder für viele Jahre an die US-Rüstungsindustrie gebunden sind, die ständig mit Aufträgen versorgt ist und Gewinne für Amerika sichert. Sie braucht, dass irgendwo immer ein Krieg läuft. Deshalb zwingt der US-Präsident die europäischen Mitgliedsländer dazu, mindestens zwei Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandprodukts für die Existenz der Nato zu entrichten. Andere Optionen will er nicht akzeptieren und pfeift auf das Gerede dieser Länder von ihrer Unabhängigkeit. Dank des Ankaufs von US-Waffen, deren Anteil dort mehr als 70 Prozent beträgt, arbeitet Europa faktisch für die USA“, so der Kommentar weiter.

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    Tags:
    Abhängigkeit, Waffenexporte, Militär, Industrie, EU, NATO, Europa, USA