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15:44 18 August 2019
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    Emmanuel Macron, Angela Merkel und Donald Trump bei Nato-Gipfel in Brüssel

    „Rettung Europas“ vor Trump durch Merkel und Macron fraglich

    © AFP 2019 / Eric Feferberg
    Politik
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    Die Globalisten wollen Europa vor Donald Trump „retten“. Angela Merkel und Emmanuel Macron scheinen bereit zu sein, diese Mission zu übernehmen. Sind sie aber wirklich fähig, ein wirksames Rezept für eine „Neugründung Europas“ anzubieten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die russische Analystin Jewgenia Pimenowa.

    In einem Kommentar für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Pimenowa: „Europa soll gerettet werden, und zwar vor dem unberechenbaren und destruktiven US-Präsidenten Donald Trump, dessen Initiativen drohen, die bedächtige europäische Stabilität zu untergraben. Davon gehen globalistische Eliten aus, darunter auch in Europa. Allem Anschein nach haben Berlin und Paris im Ernst vor, diese ehrenhafte historische Mission zu übernehmen.“

    „Bis vor kurzem hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel allerdings im Alleingang die Rolle einer ‚Hüterin des bisherigen Europas‘ anvisiert. Doch nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich bekam sie einen Verbündeten in dieser Hinsicht. Das ist der neue Staatschef der Fünften Republik, Emmanuel Macron. Seine erste Auslandsreise führte übrigens nach Berlin, wo er von der deutschen Regierungschefin sehr freundlich empfangen wurde (…) Bei ihrem Treffen in der deutschen Hauptstadt kündigten Merkel und Macron sogar eine ‚Neugründung Europas‘ und eine Roadmap für Reformen in der EU an“, so Pimenowa.

    „Da beginnt das Interessanteste. Was könnten Angela Merkel und Emmanuel Macron eigentlich für eine Erneuerung Europas anbieten?“, schreibt Pimenowa und beschäftigt sich mit der Frage, ob etwa eine Alternative zur Nato realistisch wäre, wo nicht mehr die USA, sondern die führenden europäischen Länder den Ton angeben könnten.

    „Es ist ja gut bekannt, was all die bisherigen Versuche, vereinte europäische Streitkräfte zu gründen, gebracht haben: nichts. Der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens, das über eine der stärksten Armeen in Europa verfügt, macht diesen Vorgang ebenfalls nicht dynamischer. Neben kolossalen finanziellen Ausgaben wäre ein eiserner politischer Wille nötig, um ein ‚neues Europa‘ zu gründen. Inwieweit die EU ihn hat, zeigt beispielsweise die Situation mit den Flüchtlingen: Seit mehreren Jahren schafft die Europäische Union es nicht, eine Einigung in Bezug auf die Einwanderungspolitik zu erzielen“, heißt es im Kommentar.

    „Trotz der zunehmenden Rhetorik sind weder Berlin noch Paris bereit, den Weg einer Umgestaltung der bestehenden Weltordnung im Ernst einzuschlagen. Einem treffenden Spruch zufolge, der dem ersten Nato-Generalsekretär Hastings Lionel Ismay zugeschrieben wird, wurde die Nato geschaffen um ‚die Russen draußen zu halten, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten‘. Das ganze System der europäischen und transatlantischen Sicherheit war in der Nachkriegszeit auf dieses Prinzip zugeschnitten. Auf eine Wende gibt es vorerst keine Hinweise. Dass Deutschland eine der größten US-Auslandstruppen beherbergt, ist eine Bestätigung dafür“, postuliert Pimenowa. 

    „Die Globalisten beiderseits des Atlantiks sind der Meinung, dass Trump auf die transatlantische Solidarität verzichte und Europa dazu zwinge, seine Zukunft in eigene Regie zu nehmen; dadurch untergrabe er die Grundlagen des ganzen Systems der internationalen Beziehungen. Doch die Pointe der aktuellen Situation besteht nicht darin. Ganz im Gegenteil: Trump will die Verbündeten der USA dazu zwingen, ihre Rechnungen zu bezahlen, indem er ausgezeichnet begreift, dass Europa keine reale Alternative entgegensetzen kann“, so Pimenowa zum Schluss.

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    Tags:
    Kursänderung, Internationale Beziehungen, Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Frankreich, Deutschland, Europa, USA