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09:15 21 Oktober 2019
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    Ehrenwache der montenegrinischen Armee bereitet sich auf einen Staatsbesuch im Flughafen Podgorica vor (Archivbild)

    „Keine Liebe aus Berechnung“ zwischen Russland und neuem Nato-Mitglied Montenegro

    © AFP 2019 / Savo Prelevic
    Politik
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    Montenegro, das geschichtlich als Russlands Freund galt, ist nun ein Nato-Mitglied. Soll dies eine prorussische Stimme in der Allianz bedeuten? Die russische Zeitschrift „Expert“ hat ihre Zweifel daran. Sie erläutert auch, wozu die Nato einen neuen Mitgliedstaat brauchte.

    „Ein Land, das (verdient oder nicht) seit Jahrhunderten als Freund Russlands gegolten hatte, trat nun dem US-Lager bei. Den Weg von einem potenziellen Nato-Mitglied mit unklaren Aussichten bis zu einem vollwertigen Mitgliedstaat legte Montenegro blitzschnell zurück“, schreibt die Zeitschrift in ihrer Onlineausgabe.

    Sie postuliert: „Die Ereignisse in der Ukraine im Jahr 2014 ließen die Nato den Balkan als potenzielle Instabilitäts-Quelle, die im Auge behalten werden soll, stärker ins Visier nehmen und fielen zeitlich mit einer inneren Krise der Allianz zusammen.“

    Der Libyen-Militäreinsatz sowie die Reaktion der Nato auf Russlands Vorgehen oder auf die Syrien-Krise seien wenig überzeugend gewesen. Dies habe die Frage nach der Funktionstüchtigkeit der Allianz aufgeworfen. Auch die EU-Krise habe die Probleme geschürt: „Vor diesem Hintergrund sah die Idee einer Nato-Erweiterung sehr verführerisch aus – als Mittel zur Stärkung der Allianz.“

    „Im Gegensatz zu Bosnien und Serbien stimmte Montenegro bei den Vereinten Nationen für die Resolution, die das Krim-Referendum verurteilte, und schloss sich sogar den Sanktionen gegen Russland an“, so der Kommentar.

    Es habe dem damaligen montenegrinischen Ministerpräsidenten Milo Djukanovic überhaupt gefallen, gegen „Moskaus Umtriebe“ zu kämpfen. Der Höhepunkt sei der gegen Russland gerichtete Vorwurf eines geplanten Staatstreichs in Montenegro gewesen, hieß es.

    „Man muss allerdings zugeben: In Sachen Konflikt und Vorwürfe hielt Djukanovic immer Maß. Die antirussischen Sanktionen betrafen nicht jenen Bereich, wo Montenegro in der Lage war, Russland mehr oder weniger spürbar zu schaden. Das Land schottete sich weder von russischen Touristen ab (die Visafreiheit bleibt offenbar auch nach dem Nato-Beitritt bestehen) noch von Immobilien-Käufern aus Russland. Moskau wusste dies zu schätzen und machte seine Gegensanktionen ebenfalls nur symbolisch – der Wein, bei dem es sich um die montenegrinische Hauptware für den russischen Markt handelt, wurde davon nicht betroffen“, so der Kommentar weiter.

    „Wird Montenegro irgendwann eine prorussische Stimme in der Nato sein? Das ist mehr als fraglich (…) Nur sehr feste wirtschaftliche Beziehungen mit Moskau wären vielleicht in der Lage, das kleine Montenegro dazu zu bewegen, gegen den Wind zu segeln. Sie bleiben jedoch aus und sind auch nicht in Sicht (…) Zwischen Russland und Montenegro wird keine Liebe aus Berechnung zustande kommen. Übrig bleibt nur die historische Erinnerung. Diese ist aber keine verlässliche Ressource, wie die Praxis der balkanischen Politik zeigt“, schreibt die Zeitschrift zum Schluss.  

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    Tags:
    Änderung, Diplomatie, Sanktionen, Internationale Beziehungen, Beitritt, NATO, Russland, Montenegro