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    Tanker mit Flüssiggas aus Katar in Swinoujscie

    Katar als Russlands Trumpf im „Gaskrieg“ mit Polen und Ukraine

    © AP Photo / Lukasz Szelemej
    Politik
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    Polen will den russischen Energieriesen Gazprom aus Europa verjagen. Der Grund ist sehr einfach: Warschau will seinen Nachbarn Flüssiggas aus Katar weiterverkaufen, das in seinem LNG-Importterminal Swinoujście gelagert wird, berichtet das russische Nachrichtenportal Life.ru am Mittwoch.

    Vor einigen Tagen schrieb der frühere polnische Premierminister und heutige EU-Ratspräsident Donald Tusk EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker einen Brief, in dem er sich offen gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 wandte und eine Verhinderung des Projekts forderte. Doch die Pläne der Anti-Gazprom-Lobby könnte Katar zunichtemachen.

    Einigen Experten zufolge kann Saudi-Arabien, das zum Ideologen der Konfrontation mit Doha geworden ist, seinem Nachbarn den Handel mit LNG – seiner wichtigsten Exportressource – ernsthaft erschweren. Gerade mit dem Flüssiggas aus Katar wird der polnische Terminal Swinoujście gefüllt, mit dem Polen nicht nur die Verbündeten aus der Europäischen Union versorgen, sondern auch Russland verärgern will.

    Laut ungenannten Quellen aus diplomatischen Kreisen verlangt Tusk in seinem Brief an Juncker eine „umfassende europäische Lösung” und die Einhaltung aller EU-Regeln. Hinter diesen allgemeinen Worten stehen die bereits seit langem bekannten Motive: Die osteuropäischen Staaten wollen die Abhängigkeit von Gazprom loswerden und verhindern, dass die Ukraine ihren Status als Haupttransitland von Erdgas verliert. Außerdem ist sich Tusk wohl darüber im Klaren, dass die Aufkündigung von Nord Stream 2 für sein Heimatland aus wirtschaftlichen Gründen vorteilhaft sein würde.

    Polen würde unter allen osteuropäischen Staaten am wenigsten an der Unterbrechung des russischen Gasexports leiden. Falls Gazprom die Region verlassen würde, könnte Warschau sogar noch seinen Wert steigern. Gerade dank dem LNG-Terminal mit Flüssiggas aus Katar. Seinen Brief schrieb Tusk jedoch noch vor der Eskalation der Lage in der arabischen Welt.

    Juncker hatte schon vergangenes Jahr bekräftigt, dass Nord Stream 2 alle EU-Regeln einhalten müsse. Man arbeite an einem „rechtlichen Rahmen”, der den EU-Mitgliedsländern zur Abstimmung vorgelegt werde. Ein genauer Zeitplan wurde jedoch nicht genannt. Die Bauarbeiten an der Pipeline sollen 2018 beginnen und bis Ende 2019 dauern.

    Polnische Demonstranten halten ihre Nationalfahne mit EU-Symbolik
    © AFP 2019 / Wojtek Radwanski
    Europa muss die Situation überdenken

    Das Risiko, dass die LNG-Lieferungen aus Katar über die Straße von Hormuß eingestellt werden, ist laut Life.ru nicht besonders groß, denn das einzige Land, dass die Straße sperren könnte, ist der Verbündete Katars, der Iran. Teheran würde solche Schritte nur im Falle eines großen Krieges wagen. „Das ist der schrecklichste Albtraum der Europäer“, zitiert Life.ru Igor Juschkow, einen Experten von der Finanzuniversität der russischen Regierung.

    Sollte es doch zu einer Eskalation des Konflikts zwischen Katar und Saudi-Arabien kommen, wird Doha gemeinsam mit Teheran die Lage in denjenigen Erdöl-Gebieten des Königreichs destabilisieren, die hauptsächlich von Schiiten bewohnt werden. In diesem Fall könnte Saudi-Arabien eine Militärkampagne gegen Katar beginnen. Dann würden die Exporte von katarischem Flüssiggas gestoppt. Darunter würde hauptsächlich Asien leiden, denn 73 Prozent der globalen Nachfrage nach LNG entfiel 2016 auf die asiatische Region. Europa wird das auch zu spüren bekommen.

     

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    Tags:
    Eskalation, Erdgas, Pipeline, Gaskrieg, Flüssiggas, Nord Stream 2, Gazprom, Jean-Claude Juncker, Donald Tusk, Europa, Ukraine, Russland, Katar, Polen