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22:31 15 Juli 2019
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    Sheich des Emirats Katar, Tamim Bin Hamad Al-Thani (l.) und US-Präsidenten Donald Trump (Archiv)

    Katar-Krise: Trump gießt Öl ins Feuer am Golf – Russland „neues Loch-Ness-Ungeheuer“

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
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    Die europäische und US-amerikanische Rüstungspolitik sind mitverantwortlich für die zugespitzte Konfrontation in der Golfregion mit dem Boykott Katars. So schätzt Fritz Edlinger, Generalsekretär der Österreichisch-Katarischen Vereinigung, die Situation ein. Er reagiert belustigt auf angeblich für den Konflikt verantwortliche russische Hacker.

    Das Krisenmanagement „Made in USA und Europe“ sei schlichtweg gescheitert, indem noch mehr Öl ins Feuer gegossen wurde, stellte Edlinger gegenüber Sputnik fest. Er ist auch Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB) und sagte:  „Die berühmt-berüchtigte Grundsatzrede des US-Präsidenten in Riad war im Wesentlichen eine kritiklose Unterstützung der saudi-arabischen Politik in Richtung Auseinandersetzung mit dem Iran und in Richtung des absoluten Dominanzanspruchs der Saudis in der Region.“ Das habe „rein psychologisch“ bei der saudischen Führung dazu geführt, zu sagen: „Wunderbar, der neue Präsident unterstützt uns zu 100 Prozent. Wir können die ganze Sache um einen Dreh weiter verschärfen.“

    Edlinger sieht das als Anlass für die Europäer, eine eigene Politik zu machen, „weil wir auch davon direkt betroffen sind“, wie er betonte. „Wir können nicht sagen: Wir sind tausende Kilometer vom Schauplatz entfernt. Was immer wir an Fehlern dort machen, spüren wir ein paar Jahre später unmittelbar, was wir ja gerade mit der sogenannten Flüchtlingswelle erleben.“

    Trump zufrieden, aber kurzsichtig

    US-Präsident Donald Trump freute sich via Twitter über seine Visite auf der Arabischen Halbinsel. Es sei „so gut zu sehen“, dass sein Besuch in Saudi-Arabien „sich bereits auszahlt“, twitterte er am Dienstag.

     

    ​Der österreichische Nahost-Experte kommentierte Trumps Freude so: „Er hat Riesen-Geschäfte nach Hause gebracht und kann seiner arbeitslosen Industriearbeiterschaft, die ihn auf Grund seiner Wahlversprechen gewählt haben sagen: Seht her! America first! Ich habe jetzt mal kurzfristig 110 Milliarden Dollar Rüstungsgeschäfte für die amerikanische Rüstungsindustrie gebracht.“ Das Abkommen belaufe sich auf einen Wert von über 380 Milliarden Dollar, hatte der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubeir Ende Mai bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson in Riad.  „Natürlich hat sich der Besuch wunderbar ausgezahlt“, bestätigte Edlinger im Sputnik-Interview. Doch das sei „total unmoralisch“, weil die USA sowie auch Europäer an Konflikten und Kriegen mitverdienen. Es sei aber auch „unökonomisch“, weil die Rüstungsindustrie auf die Dauer keine sicheren Arbeitsplätze schaffen würde. Der Nahost-Experte und Historiker verwies auf Erfahrungen und Studien: „Aber kurzfristig bringt es etwas. Und Leute wie Trump als auch seine europäischen Abziehbilder denken ja nur kurzfristig, wenn sie überhaupt denken.“

    Russland als neues „Ungeheuer von Loch Ness“

    Mit Lachen reagierte er auf Berichte, nach denen angeblich russische Hacker hinter dem aktuellen Konflikt auf der Arabischen Halbinsel stecken könnten und falsche Informationen über die Unterstützung von Terrorgruppen in Katars IT-Systemen platziert haben sollen: „Russland ist das Ungeheuer von Loch Ness. Wenn immer irgendwo etwas passiert, in China fällt ein Rad um, dann war es sicher ein russischer Hacker. Offensichtlich gibt es hier etwas. Aber dann kann man sagen, dass die Russen soweit sind, dass sie allmählich technologisch das Niveau von CIA und MI6 erreicht haben. Nun gut. So ist die Welt.“

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    Tags:
    Mitverantwortung, Krise, Fritz Edlinger, Katar, USA