01:03 23 November 2017
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    Militärübungen der russischen Pazifikflotte im Fernen Osten (Archivbild)

    Kurilen: Russlands Militär setzt Pfeiler für Pazifik-Festung

    © Sputnik/ Witalij Ankow
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    Ein Großaufgebot an Technik, Wissenschaftlern und Militärs ist gestern mit einem Schiff der russischen Pazifikflotte auf Matua gelandet, einer Insel der Kurilengruppe. Was sie dort suchen, erklärt der Militärexperte Alexander Chrolenko.

    Bis September wollen die Fachleute auf Matua bleiben, um die Gegend genauestens unter die Lupe zu nehmen: Wie ist der Meeresboden beschaffen? Wie verhalten sich die Strömungen vor der Küste? Was ist von dem Vulkan auf der Insel zu erwarten?

    Eine ähnliche Expedition unternahm das russische Verteidigungsministerium bereits vor genau einem Jahr, von Mai bis Juli 2016.

    Warum macht aber das russische Militär so viel Wirbel um eine oder besser gesagt auf einer Insel, die mit 52 Quadratkilometern gerade mal doppelt so groß ist wie Norderney?

    Eine Antwort darauf hatte der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu lange vor der Landung der Forschungsexpedition auf der Insel Matua gegeben:

    „Wir haben vor, diese Insel aufzubauen. Und nicht nur aufbauen, sondern sie auch aktiv zu nutzen“, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.

    Was die Spezialisten auf der Insel betreiben, ist also eine Art Projektstudie, die erstellt werden soll, um dort Militärbasen zu errichten. Die russische Pazifikflotte und die Luftwaffe hätten jedenfalls großes Interesse daran.

    Denn im Südwesten der Insel gibt es eine relativ geschützte Meerenge, die schon den japanischen Streitkräften in den Dreißigerjahren als ein sicherer Hafen bei ihrer Expansion im Pazifikraum gedient hatte.

    Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Japaner auf Matua dann auch einen ihrer größten Marinestützpunkte. Seit 1945 hielten russische Grenzschützer und später Luftabwehrtruppen auf der Insel die Stellung, bis ihre Basen im Jahr 2000 stilgelegt wurden.

    Dass Russland die Insel wieder militärisch nutzen will, liegt auf der Hand: Das Land hat mit zwölf Staaten eine gemeinsame Seegrenze, wie der Experte Chrolenko erklärt. Nicht alle davon hätten sich in der Vergangenheit durch eine aktive Friedenspolitik hervorgetan, bemerkt er vor allem mit Blick auf Nordamerika und manche US-Verbündete im Pazifik.

    Seit 2015 baut Russland einen einheitlichen Küstenschutz am Pazifik auf, auch um die Routen seiner Marine freizuhalten. Verstärkte Kurilen seien da zwar eine gezwungenermaßene, aber effektive Maßnahme, so der Militärexperte.

    Selbst die japanische Zeitung „JB Press“ schreibt:

    „Lässt man die US-Navy ins Ochotskische Meer, fällt Russlands gesamte Strategie der nationalen Verteidigung.“

    Deshalb müssten die Kurilen und die Halbinsel Kamtschatka zu einer unbezwingbaren russischen Festung werden, schreibt der Experte. Die kleine Insel Matua sei ein sehr wichtiger Baustein davon.

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    Tags:
    Errichtung, Militärbasis, Geopolitik, Inselstreit, US-Navy, Pazifikflotte, USA, Japan, Kurilen, Russland
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