Widgets Magazine
06:36 22 August 2019
SNA Radio
    Nato im Baltikum (Archivbild)

    Auch Nato hält russische Invasion in Baltikum für totalen Quatsch – Experte

    © AP Photo / Czarek Sokolowski
    Politik
    Zum Kurzlink
    Verhältnis Russland-Nato (2017) (50)
    8595

    Der ehemalige Vize-Vorsitzende des belgischen Parlaments und Analytiker Lode Vanoost hat in einem Interview mit Sputnik die von US-Präsident Donald Trump geforderte umstrittene Erhöhung der Militärausgaben in den Nato-Ländern als unnötig bezeichnet. Die Maßnahme entspreche nicht den nationalen Interessen der europäischen Staaten.

    Am Donnerstag hatte Sputnik die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die das Französische Meinungsforschungsinstitut (IFOP) in seinem Auftrag durchgeführt hatte. Die Studie ergab, dass etwa die Hälfte der Deutschen und Italiener und mehr als ein Drittel der Franzosen gegen die von Trump geforderte Erhöhung der Rüstungsausgaben sind.

    Deutscher Panzer Leopard - 2
    © AP Photo / Michael Sohn

    Laut Vanoost widerspiegelt die Sputnik-Umfrage ein viel breiteres Problem: „Die Menschen haben die Austeritätsmaßnahmen satt. Die Äußerungen, man müsse mehr für die Verteidigung ausgeben, die das Alltagsleben nicht besonders beeinflusst, begeistern vor diesem Hintergrund niemanden".

    Das Ergebnis der Umfrage sei auch deshalb bemerkenswert, weil alle westlichen Mainstream-Medien die Nato voll und ganz unterstützen und ihre Argumente nachplappern würden, so Vanoost. Dennoch habe eine solche Berichterstattung keine vorbehaltlose Unterstützung der Bevölkerung zur Folge gehabt. Allerdings bestehe dieses Problem bereits seit langem.

    „Selbst Nato-Analytiker verstehen ganz gut, dass die Nuklearwaffen-Politik der Allianz unter Zivilisten höchst unpopulär ist und der Drohneneinsatz mehrheitlich als unmoralisch und sogar feige gilt. Das heißt also, die Nato hat zurzeit keine Carte blanche, und die Allianz kann nicht so schalten und walten, wie sie will", betonte der Experte.

    Die Steigerung der Militärausgaben entspreche auch kaum den nationalen Interessen der europäischen Länder, so der Experte weiter. „In den meisten Fällen, in denen die Nato von nationalen Interessen spricht, geht es eher um Interessen der nationalen Eliten". Das Problem laufe also auf den Status des Menschen hinaus: „Wenn Sie auf der Seite der Wirtschaftseliten stehen, die die Austeritätsmaßnahmen unterstützen, dann ist es völlig in Ihrem Interesse — besonders wenn man bedenkt, dass die Erhöhung der Verteidigungsausgaben Gewinne für Rüstungsunternehmen verspricht. Wenn Sie aber auf der Seite der einfachen Bürger stehen, dann entspricht dies Ihren Interessen offenkundig nicht".

    Selbst wenn die Militärausgaben in den Nato-Ländern auf dem heutigen Niveau bleiben würden, sei die Nato nach wie vor das größte Militärbündnis weltweit mit dem größten Verteidigungsetat, so Vanoost: „Selbst wenn es um Russland geht, ist der gesamte Rüstungshaushalt des Bündnisses etwa zehnmal so groß wie die entsprechenden Ausgaben Moskaus."

    Deshalb halte er nichts von der angeblichen Notwendigkeit, die russische Gefahr einzudämmen, betonte Vanoost.

    „Ich sage Ihnen sogar mehr: Ich habe früher mit Nato-Leuten gesprochen, und die vernünftigsten Nato-Analytiker sind sich darüber völlig im Klaren, dass alle Äußerungen darüber, dass Truppen in die baltischen Länder eingeführt werden müssten, um eine russische Invasion zu verhindern, totaler Blödsinn sind. Trotzdem stimmen sie der Idee der Steigerung der Verteidigungsausgaben zu, weil sie ihren Interessen entspricht".

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Verhältnis Russland-Nato (2017) (50)

    Zum Thema:

    Selbst Terrorgefahr zwingt Nato nicht zur Zusammenarbeit mit Russland
    Ukraine auf Nato-Kurs – Russland besorgt
    Nato-Panzer rollen durch „neutrales“ Österreich: „Provokation gegen Russland“ – FPÖ
    Allianz Türkei-Russland kann Nato-Versuch der Spaltung Syriens verhindern
    „Keine Liebe aus Berechnung“ zwischen Russland und neuem Nato-Mitglied Montenegro
    Lawrow wirft Nato grobe Verletzung von Grundakte mit Russland vor
    Tags:
    Steigerung, Erhöhung, Verteidigungsetat, NATO, Russland, Europa