16:27 21 Juni 2018
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    So eroberte Russlands Diplomatie Sozialnetzwerke – Financial Times

    © AP Photo / Richard Drew
    Politik
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    Der Twitter-Account der russischen Botschaft in Großbritannien ist zu einem wirkungsvollen Instrument der russischen digitalen Diplomatie im Informationskrieg zwischen Russland und dem Westen geworden, schreibt die Zeitung „The Financial Times“.

    Als die britische Premierministerin Theresa May der EU eine Einmischung in die britische Wahlen vorgeworfen hatte, reagierte die russische Botschaft ironisch in ihrem Twitter-Profil: „Diesmal nicht Russland Gottseidank".

    ​„Nachdem diese Nachricht 9700 Likes und 12.000 Retweets erhalten hatte, mussten selbst die hartgesottenen Russland-Kritiker — wie Fußballfans, die widerwillig bei einem Tor des Gegners Beifall klatschen — zugeben, dass dies ein,epischer Trolling' war", betont die Zeitung.

    Die Tweets der russischen Botschaft seien vielfältig: Sie setzen Musik, Gedichte und spöttische Meme ein, so die Zeitung. Als der Besuch des britischen Außenministers Boris Johnson in Moskau abgesagt wurde, reagierte die diplomatische Vertretung Russlands „mit Softpower", nämlich mit einem Videoclip nach Tschaikowskis Ouvertüre „1812", die dem Sieg Russlands in den Napoleonischen Kriegen gewidmet ist.

    ​Solch eine Vorgehensweise sei wirkungsvoll, schreibt die „Financial Times". Innerhalb eines Jahres habe @RussianEmbassy die Accounts der israelischen und der US-amerikanischen Botschaft überholt und sei mit 56.000 Followers die am meisten besuchte Webseite unter allen Auslandsvertretungen in London geworden.

    Wer genau für die Inhalte in ihrem Twitter-Account verantwortlich ist — dieses Geheimnis wollte die russische Botschaft gegenüber der Zeitung nicht lüften und erwähnte lediglich, die Mitteilungen seien das Ergebnis der „kollektiven Bemühungen" der etwa 30 Mitarbeiter der Botschaft.

    „Wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten anderer Länder ein", hieß es in einem Statement, das der Zeitung vorliegt. Wenn aber Russland im Verlauf von innenpolitischen Debatten herausgefordert wird, müssen wir reagieren.

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    Tags:
    Informationskrieg, Twitter-Account, Russische Botschaft in London, London, Großbritannien, Russland
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