02:56 19 Juni 2019
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    Nato-Soldat (Dänemark) hält die Karte während Übungen (Archivbild)

    Streit um Nato: „Konflikt mit Russland ließ den Westen den Balkan ins Visier nehmen“

    © AFP 2019 / Petras Malukas
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    Der jüngste Nato-Beitritt Montenegros ist nicht nur eine „demonstrative Geste“, sondern hat auch strategische Gründe. Das betont Alexander Piwowarenko, Experte des Instituts für Slawenkunde der Russischen Akademie der Wissenschaften, in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Profil“. Er erläutert, warum der Balkan für Europa so wichtig ist.

    „Die Nato hatte mehrmals eine künftige Mitgliedschaft Montenegros angekündigt. Vor 2014 war der Integrationsprozess sehr langsam verlaufen, doch der Konflikt mit Russland ließ den Westen den Balkan ins Visier nehmen. Dieser Vorgang beschleunigte sich ausgerechnet in den letzten drei Jahren deutlich“, sagte Piwowarenko.

    Aus seiner Sicht lässt sich Montenegros Aufnahme in die Nato als „gewisse demonstrative Geste Brüssels gegenüber Moskau interpretieren, und zwar im Hinblick auf die geschichtlichen Beziehungen zwischen Russland und Montenegro.“

    Es gebe aber auch strategische Argumente: „Erstens verfügt Montenegro über die Bucht von Kotor, bei der es sich geografisch um eines der bestgeschützten Hafenbecken Europas handelt. Zweitens war die montenegrinische Küste das einzige Gebiet in Europa (abgesehen von Schweden und Kaliningrad), das nicht in den Zuständigkeitsbereich der Nato gehörte. Drittens wird Montenegros Beitritt die Positionen weiterer Balkanländer beeinflussen, die derzeit entweder von ihrer Neutralität sprechen oder der Nato beitreten wollen, vorerst aber keine solche Möglichkeit haben.“ 

    Serbien beteuere beispielsweise, dass es militärisch neutral sein wolle. Außenpolitisch betrachte  dieses Land einen EU-Beitritt als sein Hauptziel. Doch im südöstlichen Teil Europas sei jeder EU-Beitritt bisher von einem Nato-Einstieg begleitet worden: „Es gibt also nichts Unmögliches.“

    „Der Balkan ist für Europa aus mehreren Gründen wichtig. Erstens ist das eine Transitregion, deren Bedeutung wegen der Flüchtlingskrise zunimmt. Außerdem setzt die EU im Balkan eine Reihe von Transit-Infrastrukturprojekten um. Auch die militärische Bedeutung der Region nimmt zu“, postulierte der Experte.

    Die Nato festige ihre Positionen in Osteuropa. Ausgerechnet der Balkan bereite ihr womöglich am meisten Kummer: „Denn im Gegensatz zum Baltikum und zu Polen haben die Serben, die Montenegriner, die Mazedonier nie gegen Russland im Krieg gekämpft. Angesichts der gegenwärtigen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen lassen sich Brüssels Aktivitäten als Versuch betrachten, die Loyalität in dieser komplizierten Region zu schüren.“

    „Ich würde sagen, der Balkan wird zu einem Interessen-Schnittpunkt führender Weltkräfte. Hier treffen Interessen des Westens, Russlands, der Türkei und der arabischen Welt aufeinander (…) China und arabische Länder, die ihre Präsenz in Europa zu erweitern versuchen, investieren viel in Infrastrukturprojekte in dieser Region“, so Piwowarenko. 

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    Tags:
    Grenzen, Expansion, Militarisierung, Folgen, Osterweiterung, NATO, Montenegro, Russland, Balkan