16:58 18 Februar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    12821
    Abonnieren

    Pentagon-Chef James Mattis hat in dieser Woche bei Anhörungen im Ausschuss für Streitkräfte des Repräsentantenhauses mit Bedauern ein äußerst niedriges Niveau der Kampfbereitschaft der USA feststellen müssen. Mattis zeigte sich „schockiert“ und ließ eine Revision des nationalen Raketenabwehrprogramms einleiten.

    Die Kampfbereitschaft betrifft natürlich nicht das ganze Land, sondern nur die Fähigkeit der US-Truppen, in vorgegebener Frist die Aufgaben zu erfüllen, heißt es in einem Kommentar des Militärexperten Alexander Chrolenko. Sollte es den Truppen an neuen Waffen mangeln, sollte man wohl eine Umrüstung planen. Die unzureichende Ausbildung der Soldaten erfordert die Revision des Vorbereitungs- und Motivationssystems. Sollte die Armee tatsächlich nicht kampfbereit sei, sollte dies ein Staatsgeheimnis bleiben und in einem sehr engen Kreis von Experten und hochrangiger Staatsmänner besprochen werden. Die nicht zu überhörenden Äußerungen von Mattis im Kongress ähneln immer mehr einem systematischen Fordern von Geldern für das Pentagon und die Rüstungsindustrie (es wurde der Verteidigungsetat für 2018 erörtert).

    Die US-Zeitung „Politico“ schlägt bereits Alarm in Bezug auf die Kampfbereitschaft:

    „Mit Hackern, Putin-Trollen und gefälschten Nachrichten verstärkt der Kreml seine Anstrengungen zur Verwandlung der US-Militärs und Veteranen in die fünfte Kolonne“. Die Zeitung bezeichnet die „prorussischen“ Stimmungen vieler US-Webseiten für Veteranen als verdächtig, die Artikel aus russischen Zeitungen über die Lage in der Ukraine bzw. in Syrien veröffentlichen.

    Als „propagandistisch“ und „ungeprüft“ bezeichnet „Politico“ die Nachricht über den Tod von Oberleutnant Alexander Prochorenko im vergangenen Jahr, der eingekesselt von Extremisten das Feuer auf sich zog. US-Kollegen äußerten in Sozialen Netzwerken Begeisterung für den russischen Offizier und nannten seinen Tod heldenhaft. Der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber in Europa, General Philip Breedlove, sagte, dass solche Sympathien für Russland die Folge einer „abgestimmten Kreml-Kampagne sind“. Diese Kampagne kann laut „Politico“ die Fähigkeiten der US-Soldaten mindern, einer künftigen russischen Aggression Widerstand zu leisten.

    Der größte Teil der US-Armee – rund eine Million Angehörige –, der den Schrecken des Krieges nicht kennt, ist auf dem Territorium der USA stationiert. Im Ausland sind höchstens 350.000 US-Soldaten stationiert. Im Laufe von vielen Jahren hat sich die US-Armee daran gewöhnt, als groß und unbesiegbar bezeichnet zu werden. In Hollywood-Filmen besiegen US-Soldaten mit bloßen Händen jeden Gegner und vernichten Dutzende und Hunderte Feinde mit Waffen, wie Chrolenko ironisch anmerkt.

    Der Schock von Mattis ist vielleicht an diese im Hinterland sitzenden Menschen gerichtet, die wissen, dass die USA in den nächsten Jahrzehnten wohl nur von Außerirdischen angegriffen werden können. Die Armee kann nur unter realen Bedingungen aufgemuntert werden – durch die Teilnahme an zwei bis drei regionalen Konflikten in Afrika, im Nahen Osten bzw. in Europa. Doch eine einfache Erhöhung der Finanzierung ist nicht direkt mit einem Anstieg der Kampfbereitschaft verbunden.

    Die US-Luftstreitkräfte werden 2017 mehr als 60 neue Kampfjets F-35 bekommen, wobei ihre Zahl auf 2500 erhöht werden soll. Die US-Seestreitkräfte erhielten im Juni zusätzlich zu den zehn vorhandenen Atom-Flugzeugträgern der Nimitz-Klasse das einmalige Schiff Gerald R. Ford – das erste in der Serie von zehn neuen Flugzeugträgern.

    Die Umrüstung der US-Armee mit neuesten Luft- und Weltraummitteln ist fast abgeschlossen. Im Bereich Militärtechnologien haben die USA die Nase sicher vorne.

    Im letzten Jahrzehnt befasste sich die US-Armee mit dem Sturz von unerwünschten Regimes (vor allem mit den Händen von Kollaborateuren) in Ländern der Dritten Welt, erfüllte Polizei-Funktionen, verlor ihre professionellen Fertigkeiten und Kampfgeist. Der viele Jahre dauernde Kampf im Nahen Osten von rund 60 Ländern der US-Koalition gegen die Terroristen des Pseudokalifats sieht ebenfalls betrüblich aus.

    US-Präsident Donald Trump hatte vor einigen Monaten den Verzicht der USA auf die Praxis des Regime-Sturzes in anderen Ländern angekündigt. Doch die Entwicklung der Streitkräfte, die Ausarbeitung und Umsetzung der Strategien werden von der Wirtschaftsbasis bestimmt, dienen den Wirtschaftsinteressen des Staates, dessen politisches Wesen unverändert bleibt. Die US-Armee wird im Inneren vom Denken der Falken zerstört. Man kann sich kaum einen US-Leutnant vorstellen, der das Feuer auf sich zieht, weil die Armee „just Business“ ist, das Einnahmen generieren soll.

    Das ideologische Scheitern liegt auf der Hand. Das Problem besteht nicht in Russland, mit dem man laut Mattis aus der Position der Stärke sprechen muss. Wenn man den Amerikanern erklären soll, wofür sie beim Kampf gegen die Russen ihr Leben riskieren sollen, schlägt Mattis etwas Abstraktes vor: „ Die Rückkehr der Großmächte zum Wettbewerb, der durch das stärkere und aggressivere Russland und das  aufsteigende, aggressivere China gekennzeichnet ist, bildet eine Bedrohung für die internationale Ordnung. Die Einwände dieser Länder zeigen sich in Ansprüchen zu solchen internationalen Normen wie Freiheit der Schifffahrt und Souveränität der Staaten in ihrer Nähe“.

    In den USA wird sich kaum jemand finden, der sein Leben für die „Freiheit der Schifffahrt“ opfern wird. Falls der Pentagon-Chef tatsächlich meint, dass Putin Russland zum strategischen Rivalen der USA machen will und dafür militärische Bedrohungen schafft, sollte man gewichtigere Argumente vorlegen. Falls Mattis von der niedrigen Kampfbereitschaft seiner Armee schockiert ist und nun mit zusätzlichen Milliarden Dollar rechnet, hat er schon verloren. Militärisches Heldentum kann man für Geld nicht kaufen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    US-Armee ist anfällig für Wahrheit - Politologe
    „Mission 00“ im Irak: US-Armee trainiert Toiletten-Sturm - VIDEO
    US-Armee übt in Bayern – Russischsprachige als „Komparsen“
    Wir haben keine Wahl – Trump zu US-Armee
    Tags:
    Hackerangriff, Unternehmen, Militarisierung, Rüstung, Waffen, Politico, Pentagon, US-Armee, Wladimir Putin, Russland, USA