10:45 25 Juli 2017
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    Bundeskanzler Helmut Kohl (im Vordergrund) besucht Dresden in wenigen Wochen nach dem Mauerfall (Archivbild)

    Der Kanzler der Einheit ist tot

    © AFP 2017/ Patrick Hertzog
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    Helmut Kohl, Ex-Bundeskanzler (1982 -1998) und CDU-Bundesvorsitzender (1973 - 1998), ist im Alter von 87 Jahren verstorben, wie sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner am Freitag mitteilte. Er starb in seinem Haus in Ludwigshafen.

    In die Geschichte ist Kohl besonders wegen seines Engagements bei der deutschen Wiedervereinigung 1990 eingegangen.

    Kohl hatte mehrmals über die Unvermeidlichkeit der Überwindung der Spaltung Deutschlands gesprochen, glaubte aber nicht, Zeuge davon zu werden. Ende der 1980er Jahre änderte sich die politische Atmosphäre in der DDR, nachdem demokratische Reformen in der Sowjetunion und in anderen osteuropäischen Ländern eingeleitet wurden. Diese dienten als Auslöser für Massendemonstrationen gegen die politischen Verhältnisse in der DDR.

    Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Kohl im Bundestag ein Zehn-Punkte-Programm zur schrittweisen Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas vor. Es sah die Bildung einer Föderation und „konföderativer Strukturen zwischen beiden Staaten in Deutschland“ vor.  Die Wiedervereinigung kam aber schneller als geplant zustande: Am 31. August 1990 unterzeichneten die Verhandlungsführer der beiden Staaten einen Vertrag über die Wiedervereinigung, der am 3. Oktober 1990 in Kraft trat. Kohl ist als Kanzler der deutschen Einheit in die Geschichte eingegangen.  

    Helmut Kohl war mehrmals in der Sowjetunion zu Besuch und trug zum Aufbau gutnachbarlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern bei. Seinen Treffen mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow kommt eine besondere Bedeutung zu. Das Ergebnis dieser Treffen wurde die Unterzeichnung von Dokumenten, die neuen bilateralen Beziehungen zugrunde gelegt wurden. Im Juni 1989 haben Gorbatschow und Kohl in einer gemeinsamen Erklärung den Willen beider Staaten betont, Schlüsse aus Geschichte zu ziehen und feste Verbindungen in solchen Bereichen wie Abrüstung, Handel und Jugendaustausch zu pflegen.

    Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der russisch-deutschen Kontakte waren die Treffen zwischen Helmut Kohl und Russlands Präsident Boris Jelzin gewesen. Seit dem ersten offiziellen Russland-Besuch von Helmut Kohl im Dezember 1992 gab es rund 20 solche Treffen.

    Für Verdienste in der europäischen Politik wurden Kohl zahlreiche deutsche und ausländische Auszeichnungen zuerkannt. 1994 wurde er Empfänger des Konrad-Adenauer-Freiheitspreises. 1998 wurde ihm das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Lorbeerkranz verliehen. 1998 erhielt er auch die US-Freiheitsmedaille.

    Helmut Kohl ist Autor mehrerer Bücher über die deutsche Geschichte, darunter auch „Ich wollte Deutschlands Einheit“ (1996), „Mein Tagebuch 1998-2000“ (2000), „Erinnerungen“ in drei Bänden (2004, 2005 und 2007) und „Aus Sorge um Europa:  Ein Appell“ (2014). In seinem letzten Buch kritisiert Kohl den Beschluss des Westens, das G8-Gipfeltreffen im Juni 2014 in beschränkter Zusammensetzung ohne Russland abzuhalten. Aus seiner Sicht hätte sich der Westen „klüger verhalten können“.

    Tags:
    Bundeskanzler, Tod, Wiedervereinigung Deutschlands in 1989, Helmut Kohl, Deutschland
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