12:20 24 November 2017
SNA Radio
    Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Kohl (L) und Ministerpräsident der DDR mit der Amtsbezeichnung Vorsitzender des Ministerrates, Hans Modrow (R) (Archivbild)

    Hans Modrow: "Kohl hat gewiss auch seine Fehler gemacht" - EXKLUSIV

    © AFP 2017/ Patrick Hertzog
    Politik
    Zum Kurzlink
    101734417

    Helmut Kohl hat an dem historischen Prozess der deutschen Wiederverinigung seinen Anteil gehabt, auch wenn er dabei Fehler gemacht hat. So erinnert Hans Modrow, 1989/90 Ministerpräsident der DDR, in einem Exklus-Interview für Sputnik an den verstorbenen Ex-Kanzler.

    Hans Modrow war von Herbst 1989 bis März 1990 Ministerpräsident der DDR und führte die ersten  Verhandlungen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl über die deutsche Wiedervereinigung. Heute ist er Vorsitzender des Ältestenrates der Partei Die Linke.

    Herr Modrow, wie haben Sie die Nachricht über Helmut Kohls Ableben aufgenommen?

    Zunächst habe ich diese Mitteilung mit Betroffenheit gehört, egal, wie man  am Ende in der Politik zueinander gestanden hat. Rein menschlich kann ich nur sagen, dass die Begegnungen, die ich mit Helmut Kohl hatte, sowohl in meiner Tätigkeit als Ministerpräsident der DDR als auch später als Kollegen im Deutschen Bundestag, immer in einer gegenseitigen Achtung zueinander verlaufen sind. Mit ihm ist natürlich jemand nun von uns gegangen, der in dem Prozess sowohl der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, wo er gewiss auch seine Fehler gemacht hat, aber am Ende ist ein Vorgang abgelaufen, der zur Geschichte geworden ist, an dem Helmut Kohl seinen Anteil hat.

    Bundeskanzler Helmut Kohl (im Vordergrund) besucht Dresden in wenigen Wochen nach dem Mauerfall (Archivbild)
    © AFP 2017/ Patrick Hertzog
    Wie wird für Sie Helmut Kohl in der deutschen Geschichte in Erinnerung bleiben?

    Ich glaube, im Moment war man sehr bemüht, seine Rolle etwas sehr überhöht darzustellen. Die eigentlichen entscheidenden Vorgänge haben die USA beeinflusst, auch weniger Gorbatschow, als man heute versucht zu erklären. Denn das, was am 3. Dezember 1989 auf Jalta zwischen Gorbatschow und Bush beraten und entschieden wurde, war am Ende die Voraussetzung unserer Begegnungen sowohl am 19. Dezember 1989 in Dresden, später, als wir das Brandenburger Tor öffneten, erinnerte ich vor allem daran, dass an der Stelle des Brandenburger Tores ja der 2. Weltkrieg mal zu Ende gegangen sei.

    Und wenn wir heute die Welt uns betrachten: Sie ist voller Kriege und Gegensätze. Ich glaube, das ist auch nicht die Absicht gewesen, die Helmut Kohl verfolgte. Aber in dem letzten Jahrzehnt ist er ja nun nicht mehr Wegbegleiter der CDU und der Politik geblieben.

    So dass Helmut Kohl auch in Erinnerung bleibt als ein Kanzler, mit dem es die Kriege, die es heute gibt, auch unterstützt von Deutschland, so nicht gegeben hätte?

    Ich denke, es ist so, denn die Aufrüstungen, nach denen heute zum Beispiel Frau von der Leyen schreit, sind doch Dinge, die über einen längeren Zeitraum nicht so gestaltet wurden, wie die 150 Milliarden, nach denen heute gerufen wird.

    Interview: Tilo Gräser

    Tags:
    Hans Modrow, Helmut Kohl, DDR, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren