03:54 24 Juni 2017
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    Indischer Soldat in Kaschmir beim Einschlag eines Geschosses verletzt (Archiv)

    Konflikt in Südasien droht mit Atomkrieg zu enden Delhi sucht nach Pekings Spur

    © AP Photo/ Dar Yasin
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    Nachrichten aus dem indischen Bundesstaat Dschammu und Kaschmir sind in den letzten Jahren unverändert negativ gewesen: Bald beschießt die pakistanische Artillerie die indischen Truppen an der Trennlinie, bald geraten indische Militärs in einen Hinterhalt pakistanischer Terroristen, schreibt die Moskauer Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta".

    Wie Oberstleutnant a. D. Juri Jurjew in seinem am Freitag abgedruckten Beitrag erinnert, weisen indische Beobachter seit der zweiten Hälfte vergangenen Jahres auf einen neuen Faktor hin. Es gehe um die latente Unterstützung des Unwesens, das Pakistan in Kaschmir treibe, durch China, schreibt der Autor unter Berufung auf die Zeitung „Times of India“.

    „Der Grund liegt klar auf der Hand: Der Großteil des ‚von Pakistan okkupierten Kaschmir‘ ist kritisch wichtig für einen 2.400 Kilometer langen neuen chinesisch-pakistanischen Transportkorridor, der das chinesische Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang mit dem pakistanischen Hafen Gwadar am Arabischen Meer verbinden soll."

    Peking will in das Projekt rund 50 Milliarden US-Dollar investieren. Geplant ist sogar, den Korridor weiter nach Afghanistan und in den Iran zu verlängern. Zur Gewährleistung der Sicherheit will China seine Marineinfanteristen in Gwadar und in Dschibuti (Ostafrika) einquartieren. Zu diesem Zweck wird das Personal der Marineinfanterie von derzeit 20.000 auf 100.000 Mann in Eiltempo aufgestockt. Ein Albtraum für Indien bleibt die Wahrscheinlichkeit eines Zweifrontenkrieges – gegen Pakistan im Westen und gegen China im Nordosten.

    Neu Delhi verfolgt peinlichst Handlungen der chinesischen Marine im Arabischen Meer, wo Peking unter dem Vorwand des „Kampfes gegen die Piraten“ dauerhaft präsent ist.

    In Kaschmir sind derzeit drei Armeekorps der indischen Streitkräfte mit etwas mehr als 330.000 Mann stationiert. (Die indische Armee ist insgesamt 1,4 Millionen Mann stark.) Zudem sind 70 indische Polizeibataillone in der Region präsent. Während fünfmonatiger Unruhen im vergangenen Jahr wurden zusätzliche 150 Polizeikompanien in die Region verlegt. Beachtliche Kräfte sind denn auch an der andren Seite der Grenze – in Pakistan und in China – stationiert.

    Nach Angaben des Stockholmer Instituts für Friedensforschung (SIPRI) ist der indische Tiger dem chinesischen Drachen fast in allen Bereichen unterlegen: Das betrifft die Rüstungsausgaben, ballistische Raketen, die Personalstärke der Armee, die Zahl der Panzer, Jagdflugzeuge und Kriegsschiffe, heißt es in dem Beitrag.

    Die indische Führung ist sich über ein ernsthaftes Zurückbleiben des Landes von potentiellen Gegnern im Klaren und unternimmt gewisse Schritte. So wurde mit Israel ein 600 Millionen US-Dollar schwerer Vertrag über die Ausstattung einiger indischer Schiffe mit israelischen Luftabwehrsystemen geschlossen. Einigen Angaben zufolge erwirbt Indien modernste Rüstungen und Munition für Spezialkräfte.

    Das von China initiierte überregionale Projekt einer neuen Seidenstraße wird von Indien mit Argwohn betrachtet. Das sei ein „koloniales Unterfangen, das zerschlagene Menschengemeinschaften und zahlreiche Schulden“ hinterlassen werde, hieß es in Neu Delhi.

    Der Konflikt könnte durchaus unberechenbare Ausmaße annehmen, wenn man berücksichtigt, dass China, Pakistan und Indien Atomwaffen besitzen. Das umso mehr, als die indische Presse seit vor kurzem über eine Möglichkeit präventiver Atomschläge gegen Nachbarn berichtet.

     

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    Tags:
    Atomkrieg, Konflikt, Pakistan, Indien, China