14:07 27 Juni 2017
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    Folgen der Kollision des US-Zerstörers Fitzgerald mit einem Frachter vor Japans Küste

    Zu viele Schiffe: US-Präsenz im Pazifik bringt Tote in Friedenszeit

    © REUTERS/ Toru Hanai
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    Sieben tote und drei verletze Matrosen, Sachschäden in Millionenhöhe – das sind die Folgen der Kollision eines US-Zerstörers mit einem Frachter vor Japans Küste. Die verstärkte Präsenz der US-Marine im Pazifik ist eine Ursache dafür, schreibt die Onlinezeitung vz.ru.

    Sieben tote Matrose des US-Zerstörers: oben (L-R) - Carlos Victor Ganzon Sibayan, 23, Kyle Rigsby, 19, Ngoc T Truong Huynh, 25, Shingo Alexander Douglass, 25; unten (L-R) - Gary Leo Rehm Jr., Xavier Alec Martin, 24, Noe Hernandez, 26
    © REUTERS/
    Sieben tote Matrose des US-Zerstörers: oben (L-R) - Carlos Victor Ganzon Sibayan, 23, Kyle Rigsby, 19, Ngoc T Truong Huynh, 25, Shingo Alexander Douglass, 25; unten (L-R) - Gary Leo Rehm Jr., Xavier Alec Martin, 24, Noe Hernandez, 26

    Samstagnacht, 100 Kilometer vor der Küste Zentraljapans, 2:30 Uhr Lokalzeit: Ein philippinisches Containerschiff rammt einen US-Zerstörer. Der Steuerbord des Kriegsschiffs ist oberhalb und unterhalb der Wasserlinie aufgerissen, der Maschinenraum ist beschädigt, es gibt Tote und Verletzte, unter ihnen auch der Schiffskapitän.

    So ist es geschehen beim Zusammenprall der ACX Crystal mit der USS Fitzgerald am 17. Juni im Pazifischen Ozean. Dank den Anstrengungen der Besatzung hat es der Zerstörer noch in den Hafen der japanischen Stadt Yokosuka geschafft, alle Verletzten wurden in ein Krankenhaus eingeliefert.

    Der Oberbefehlshaber der 7. US-Flotte, Vize-Admiral Joseph Aucoin, erklärte:

    Zwar habe der Havarist keinen Totalschaden erlitten, doch würden für die Reparatur Monate, wenn nicht gar ein ganzes Jahr benötigt. Das Containerschiff sei aber nur unwesentlich am Bug beschädigt und bleibe ohne Einschränkung schwimmfähig.

    Die USS Fitzgerald ist mit Antischiffs-Lenkwaffen bewaffnet und seit 1995 im Einsatz der US Navy. Mit einer Besatzung von 337 Mann, einer Länge von 150 Metern und einer Wasserverdrängung von 8.000 Tonnen ist sie schon recht beeindruckend.

    Noch größer ist aber der philippinische Containerfrachter: 29.000 Tonnen Wasserverdrängung und über 220 Meter Länge (mehr als zwei Fußballfelder). Gesteuert wird dieser Riese von einer 21-köpfigen Besatzung. Zum Zeitpunkt der Kollision war die ACX Crystal mit über 1.000 Frachtcontainern an Bord in Richtung Tokio unterwegs.

    Schuld an der Havarie haben wohl beide Seiten. Beide Schiffe sind mit Kollisionswarnsystemen ausgerüstet, wie eine Schifffahrtexperte erklärte. Diese Systeme funktionieren auf Basis von Radardaten. Deshalb gebe es zwei Erklärungen für die Unfallursache: ein Systemaussetzer oder ein Fehler der Kapitäne respektive ihrer Steuermänner. Zweites sei weitaus wahrscheinlicher.

    Auch die japanischen Unfallermittler erklären: Fahrlässigkeit sei die wahrscheinliche Ursache für den Zusammenprall. Zwar treffe die größte Verantwortung den Kapitän des Frachtschiffs, doch hätte sein US-Kollege den Unfall noch verhindern können.

    Die Verantwortlichen müssten aus dem Dienst entfernt werden, forderte der ehemalige Konteradmiral der US Navy, John Kirby:

    „In Friedenszeiten dürfen US-Kriegsschiffe nirgendwo aufprallen, weder aufeinander noch auf den Meeresboden und auch sonst nirgends – erst recht nicht auf einen Frachter mitten in der Nacht“, erklärte er.

    Selbst US-Präsident Donald Trump wurde nach Angaben der Zeitung wegen des Vorfalls kritisiert: Weil er immer noch keinen Navy-Chef und keinen Botschafter für Japan ernannt habe, sei die Koordination des Rettungseinsatzes zwischen Tokio und Washington teilweise schleppend verlaufen, sagte ein Mitarbeiter der ehemaligen Obama-Administration.

    Wie vz.ru ferner schreibt, hatten erst im Mai die Vertreter von Verteidigungsministerien asiatischer Länder auf einer Konferenz in Singapur erklärt, über die zunehmende Zahl von U-Booten und US-Kriegsschiffen in der Pazifikregion besorgt zu sein. Dies erhöhe das Risiko von Fehlkalkulationen und Unfällen, hieß es. Die Kollision des Frachters mit dem US-Zerstörer scheint diese Sorgen zu bestätigen.

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    Tags:
    US-Zerstörer, Frachter, Kollision, US-Navy, Donald Trump, John Kirby, Japan, USA
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