17:07 19 September 2017
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    Serbische Stadt Nisch während der Kampagne vor den letzten Präsidentschaftswahlen (Archivbild)

    Serbien: Tiefer Staat treibt Konflikt mit Moskau an – Abgeordneter

    © Sputnik/ Aleksej Witwitzkij
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    Ein Spionagenest im fremden Land, getarnt als Kinderhilfswerk? Die USA würden es vermutlich genau so machen. Jedenfalls werfen sie Russland vor, ein Kinderzentrum in Serbien als Deckmantel für eine Agentenzentrale zu missbrauchen. Der serbische Abgeordnete Milovan Drecun kommentiert die Vorwürfe im Sputnik-Interview.

    Was Kinder dort lernen, ist vor allem Teamgeist und Hilfsbereitschaft – ähnlich den Scouts in den USA. Für den US-Botschafter in Belgrad, Kyle Scott, steht aber fest: Die Einrichtung sei nichts anderes als ein „Spionagezentrum“.

    Moskau und Belgrad haben einen Hilfsverein in der serbischen Stadt Nish gegründet, wo Kinder zu künftigen Katastrophenhelfern ausgebildet werden. Und die Spezialisten dieser Organisation helfen jetzt schon bei Naturkatastrophen und Notlagen auf dem gesamten Balkan.

    „Ich war dort und bin beeindruckt, wie dieses Zentrum funktioniert“, sagte der serbische Abgeordnete im Sputnik-Interview. „Agenten muss der US-Botschafter an einem anderen Ort suchen, in den westlichen Konzernen zum Beispiel, die in Serbien arbeiten“, so Drecun.

    Doch: „Die USA üben Druck auf unseren Präsidenten und unsere Regierung aus, damit das Zentrum geschlossen wird“, sagte der Parlamentarier.

    Auch haben prowestliche Thinktanks in Belgrad sich gegen dieses Kinderzentrum ausgesprochen, wie die Helsinki-Gruppe oder das Zentrum für Euroatlantische Studien (CEAS) zum Beispiel.

    Dazu sagte der Abgeordnete schlicht: „Jemand spekuliert halt gerne und verheimlicht Fakten, wenn das günstig erscheint. In den Ländern des ehemaligen Ostblocks schreien Politiker geradezu, dass Russen angreifen oder sich einmischen. Wenn der Westen das tut, ist aber alles in Ordnung.“ Jeder, der gegen diese Ungerechtigkeit kämpfe, werde stigmatisiert und verunglimpft, fügte er noch an.

    Dabei gehe es gar nicht darum, prorussisch oder prowestlich zu sein: „Jeder Staat hat seine Interessen. Aber Völker können sich verständigen. Dass man allein auf eigene Interessen pocht, darauf kann man keine Beziehung zwischen Ländern aufbauen“, betonte der Politiker.

    Genau das aber tun die USA. Dabei habe Belgrad der Nato erst vor kurzem eine privilegierte Stellung auf serbischem Boden vertraglich zugesprochen. „Warum also tun wir nicht das Gleiche für die Menschen im Kinderhilfszentrum, die ohne Waffen zu uns gekommen sind?“

    Vielleicht, weil bestimmte Militär- und Geheimdienstkreise in den USA eine Konfrontation mit Moskau unbedingt aufrecht erhalten wollen? Sie drängen ja auch ihren eigenen Präsidenten dazu.

    „Diese Kreise weichen nicht einfach so von ihrer Position zurück. Wenn sie es schon geschafft haben, die Nato an Russlands Grenzen zu verschieben und einen neuen Kalten Krieg zu provozieren, wo sie übrigens auch die EU und vor allem Deutschland mithineingezogen haben.“

    Sie würden Russland mit Militäranlagen einkreisen und dabei lauthals über die „russische Bedrohung“ klagen, sagte Drecun. „Und wenn Moskau antwortet, dann werfen sie Russland Aggression vor.“

    Eine Entspannung zwischen Moskau und Washington würde für diesen Tiefen Staat bedeuten, sein Ziel einer Konfrontation mit Russland aufzugeben, stellt der serbische Abgeordnete fest.

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    Tags:
    Freundschaft, Völker, Anschuldigungen, Spionage, NATO, USA, Russland, Serbien
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