03:52 24 Juni 2017
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    US-Raketen Patriot in Polen

    Warum Osteuropa zum Kauf von veralteten US-Waffen gezwungen wird

    © RIA Novosti. Igor Zarembo
    Politik
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    Vor kurzem hat ein US-Kongressmitglied gefordert, dass Washington mehr amerikanische Waffen an die osteuropäischen Nato-Länder verkauft. Der polnische Analytiker Tomasz Jankowski erläuterte gegenüber Sputnik, warum die USA Osteuropa zu dem machen wollen, was Polen schon seit Langem ist – nämlich zu Abnehmern von veralteten US-Waffen.

    Der Kongressabgeordnete Paul Cook äußerte sich kürzlich besorgt darüber, dass manche Nato-Mitglieder in Europa nach wie vor russische Militärtechnik einsetzten. Dies erschwere es den USA, diese Länder als Verbündete zu betrachten.

    „Wir haben sie davon immer noch nicht entwöhnt“, sagte Cook, ein Oberst der US-Marine im Ruhestand. Der Einsatz der „Sowjet-Ausrüstung“ behindere die US-Politik und mache die europäischen Nato-Länder für die „russische Aggression“ verwundbar, betonte der Politiker weiter.

    Cook forderte von Trumps Administration, den osteuropäischen Verbündeten amerikanisches Kriegsgerät zu verkaufen, um damit die russischen Waffen zu ersetzen.

    Solche Forderungen deuten aus Sicht von Jankowski darauf hin, dass es in der US-Rüstungsindustrie aktuell nicht problemlos läuft. „Seit Langem ist jedem bekannt, dass ein US-Präsident während der Präsidentschaftswahl von den Militärkonzernen abgesegnet werden muss. Im Fall der Nato und anderen Allianzen der USA, wird das in erster Linie von der Notwendigkeit diktiert, Waffen zu verkaufen“, so Jankowski.

    Die Tatsache, dass die offiziellen US-Kreise heute auf einen Verkauf von amerikanischen Waffen drängen, könnte laut dem Experten auf eine Krise in der US-Rüstungsindustrie hindeuten. Denn bislang habe man dies inoffiziell gemacht: Es habe Verhandlungen und Verträge im Rahmen des Freimarkts gegeben. „Aber in diesem Fall haben wir es mit direktem Druck zu tun, wenn solche Aufrufe von prominenten Vertretern des Landes ausgehen.“

    „Was Polen angeht, so muss ich das mit Enttäuschung und einer gewissen Ironie sagen: In unserem Fall wird sich kaum etwas ändern, denn wir arbeiten schon seit Langem als Einkommensquelle der US-Rüstungsindustrie“, so Jankowski weiter.

    Als Beispiel dienten die F-16-Jets und Patriot-Raketen, für die Polen Summen in Milliardenhöhe ausgeben werde. Und leider würden die meisten Nato-Länder den polnischen Weg gehen müssen – alles unter dem Vorwand der „russischen Bedrohung“.

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    „Es existiert keine,russische Bedrohung‘, zumindest weil wir keinen einzigen Ort zeigen können, wo die Russen die Amerikanern tatsächlich bedrohen. Es ist eben andersherum, und der jüngste Vorfall – das abgeschossene syrische Flugzeug – ist ein Beweis dafür“, so der Analytiker weiter. Es seien gerade die Amerikaner und nicht die Russen, die provozierten und aggressiv seien.

    „In Polen wird den Menschen eingeredet, dass der Anstieg von Rüstungsausgaben angeblich mit einer wachsenden Gefahr aus Russland verbunden sei. Doch der Großteil dieser Ausgaben wird nicht für eine Modernisierung der Armee verwendet, sondern zum Kauf von veralteten US-Waffen, die, und das sollte man nicht außer Acht lassen, von den Amerikanern selbst nicht mehr eingesetzt werden.“

    So würden beispielsweise Patriot-Raketen nicht mehr von der US-Armee verwendet, weshalb die Militärkonzerne sehr daran interessiert seien, diese zu verkaufen.

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    Tags:
    Rüstung, Waffen, US-Flugabwehrraketen Patriot, Osteuropa, Polen, USA, Russland