22:03 11 Dezember 2017
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    „Haupttrumpf der USA in Frage gestellt“: Raketeneinsatz in Syrien als Signal Irans

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    Mit seinem jüngsten Raketenangriff auf IS-Stellungen in Syrien hat der Iran seine militärtechnischen Möglichkeiten demonstriert. Es handelt sich offenbar um eine Botschaft nicht nur an Saudi-Arabien und Israel, sondern auch an das Pentagon. Darauf weist die russische Wochenzeitung „WPK“ in einem Kommentar hin.

    Die Zeitung schreibt, der Iran habe seine ballistischen Zolfaqar-Raketen ursprünglich für mögliche Einsätze gegen Israel entwickelt. Erstmals seien sie im vergangenen Jahr bei einer Militärparade in Teheran gezeigt worden. Viele westliche Experten seien skeptisch gewesen, wie verfügbar und effizient die Raketen sind. Der nun gemeldete iranische Raketenangriff gegen Stellungen der Terrorgruppe IS nahe Deir ez-Zor sei aus militärpolitischer Sicht wichtig: „Er kann als Demonstration von Kapazitäten und Mitteln betrachtet werden. Traditionell geht es um eine gewisse Botschaft an Israel sowie an die Golf-Monarchien. Doch diesmal gab sich der Iran Mühe, um möglichst viele Profite daraus zu ziehen.“

    Weiter hieß es in dem Kommentar: „Nachdem Saudi-Arabien einen Mega-Waffendeal mit den USA geschlossen hat, sieht Teherans Demonstration der Möglichkeiten durchaus begründet aus. Es ist nicht zu vergessen, dass Golf-Monarchien bereits Schlange stehen, um THAAD-Abfangraketen zu kaufen. Andererseits schickt der Iran auch eine Botschaft ans Pentagon, indem er auf seine Bereitschaft hinweist, mit den USA in Syrien zu ringen.“

    Die militärpolitische Führung der USA markiere derzeit bestimmte Gebiete in Syrien als ihren Interessenbereich. Vorerst gehe es dabei um die Grenze zu Jordanien im Süden sowie um Rakka. Das US-Militär wolle keine syrischen und iranischen Regierungskräfte dorthin lassen, hieß es.

    „Entsprechend dieser Strategie werden deshalb aktiv Luftangriffe geflogen, aber auch syrische Kampfjets abgeschossen“, so der Kommentar weiter. „Westliche Experten haben die US-Strategie bereits gelobt und deren Umsetzungschancen als hoch eingestuft. Doch diese Schlussfolgerungen haben sich als verfrüht erwiesen.“

    Teherans Raketeneinsatz hat aus Sicht der Zeitung gezeigt: „Bei Bedarf werden seine Raketen jedes Objekt in Syrien erreichen. Im Vergleich zu einem Flugzeug oder zu einer Drohne ist eine Zolfaqar-Rakete viel schwieriger abzuschießen. Das Pentagon wird dabei kaum wagen, THAAD-Abfangraketen nach Syrien zu verlegen.“ Sie stellt fest: „Faktisch wurde der Haupttrumpf der USA – die Luftherrschaft – in Frage gestellt. Zwar ist das Pentagon in der Lage, syrische Kräfte zu bombardieren, doch iranische Raketen sind genauso gut fähig, proamerikanische Verbände zu treffen.“

    Das Blatt befürchtet zugleich: „Diese Konstellation führt zu einer Eskalation des Konflikts in Syrien, indem der Iran und die USA damit anfangen, einander nicht mehr als Rivalen in Einflussbereichen zu betrachten, sondern als bewaffnete Gegner.“

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    Tags:
    Raketenangriff, Luftabwehrsystem THAAD, IS, Syrien, Saudi-Arabien, USA, Iran