14:59 14 November 2019
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    Bleiben oder austreten: Neon-Bildschirm in Brighton stellt die Hauptfrage des Brexits (Archivbild)

    „Haut ab, bezahlt aber einen hohen Preis“: Streit um Brexit-Folgen für EU und Moskau

    © AFP 2019 / Glyn Kirk
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    Die Prognosen, wonach der Ausstieg Großbritanniens die EU stärker machen soll, hält der russische Auslandsexperte Timofej Bordatschow für allzu optimistisch. Er beschäftigt sich auch mit der Frage nach möglichen Auswirkungen für Russland.

    In einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung lenta.ru schreibt Bordatschow: „Die in Kontinentaleuropa dominierende Haltung der Eliten zum Austritt Großbritanniens lässt sich mit der Phrase charakterisieren: ‚Haut ab, bezahlt aber einen hohen Preis‘ (…) Die Beziehungen zwischen Britannien und der restlichen EU waren nie simpel oder herzlich. Nun sind die meisten Politiker auf dem Kontinent der Meinung, dass Großbritanniens Ausstieg die innere Einheit der Europäischen Union festigen soll.“

    „Die Verhandlungen mit London wurden für Berlin und Brüssel zu einem Instrument, um innere Probleme zu lösen. Die maximale Härte der Brüsseler Unterhändler wird das Ziel verfolgen, die anderen von der Idee abzubringen, über die Möglichkeit eines EU-Austritts nachzudenken“, so der Kommentar.

    „Die optimistischen Einschätzungen in Bezug darauf, wie Britanniens Ausstieg den Zustand Europas beeinflussen wird, wirken jedoch übertrieben (…) Seit vier Jahrzenten wurde der britische Faktor zu einem integralen Bestandteil der politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Landschaft in Europa. Davon zu sprechen, dass sein Verschwinden Europa stärker machen soll, kommt der Idee gleich, eine Armamputation als Mittel anzubieten, um einen Menschen zu stärken“, schreibt Bordatschow.

    „Das Dreieck Berlin-Paris-London, das seit Mitte der 1970er Jahre Europa voranbrachte, wird verschwinden. Kleinere liberale EU-Länder werden ihre Alternative zu einer Dominanz Frankreichs und besonders Deutschlands verlieren. Zwar wird Europa politisch konsolidierter sein als jetzt, doch das bedeutet noch nicht, dass die europäischen Völker glücklicher werden und keine neuen Krisen in den nächsten Jahren erleben“, heißt es im Kommentar weiter.

    Wie soll sich Russland dazu verhalten, dass die EU und Großbritannien nun vor einem äußerst schwierigen Scheidungsverfahren stehen? Der Analyst meint: „Einerseits hat Moskau keine Gründe, traurig zu sein. In den letzten Jahren haben Brüssel und London viel Schlimmes gegenüber Moskau getan. Man sollte sich aber auch nicht allzu sehr freuen. Europa ist ein wichtiger Partner Russlands. Wenn Europa seine Aktionsfähigkeit teilweise einbüßt, werden die Probleme, die wir haben, zwar eingefroren, aber auch daran gehindert, sich in Richtung einer Lösung fortzubewegen.“

    Mit Großbritannien werde die EU eine wichtige intellektuelle Ressource in Sachen Außen- und Handelspolitik einbüßen. Das Vereinigte Königreich selbst werde seinen Platz in der Weltpolitik suchen: „Für die russische Diplomatie entstehen also neue interessante Möglichkeiten.“

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    Tags:
    Diplomatie, Folgen, Austritt, Brexit, EU, Russland, Brüssel, Deutschland, Frankreich, Großbritannien