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12:23 20 August 2019
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    Protestierer hält das Bild mit ehemaligen Präsidenten von Serbien, Radovan Karadzic (wurde wegen des Völkermordes verurteilt), während Protestaktion gegen NATO (Archivbild)

    Serbische Studenten gegen EU-Beitritt – aber warum?

    © AP Photo / Andrej Cukic
    Politik
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    „Soll Serbien in die EU“ hat ein Belgrader Befragungsinstitut von serbischen Studierenden wissen wollen. Die Ergebnisse sprechen für sich und erhitzen die Gemüter. Zwei serbische Hochschullehrer diskutieren darüber im Sputnik-Interview.

    Die Umfrage hat gezeigt: 40 Prozent der Studenten in Serbien sind gegen den EU-Beitritt, gerademal ein Drittel ist dafür, der Rest pfeift drauf. Noch eine wichtige Zahl: Die Hälfte der Befragten glaubt, Serbien würde in die EU gar nicht aufgenommen werden. Eine noch deutlichere Position haben die Studierenden zur Nato: Knapp 90 Prozent sprechen sich klar gegen einen Beitritt Serbiens zur Allianz aus.

    Den Professor Kosta Cavoski von der Belgrader Universität wundert das nicht:

    „Was die Zeitungen schreiben, ist das eine. Wie die EU Serbien behandelt, steht aber auf einem ganz anderen Blatt geschrieben“, sagt der pensionierte Rechtswissenschaftler.

    Schlecht informiert seien die Studenten, daran liege das schlechte Abschneiden der EU in der Umfrage, hält seine Kollegin Srbijanka Turajlic dagegen. „Dieselben Studenten würden doch Serbien verlassen, auswandern – und zwar in jene EU, der das Land nicht beitreten soll. Oder in die USA.“

    Da hat Professor Cavoski ein etwas anderes Bild von den serbischen Studenten. Sie seien sehr wohl informiert und verstünden gut, was gerade passiert, sagt er:

    „Damit Brüssel Serbien aufnimmt, muss Belgrad den selbsternannten Staat der Kosovoalbaner anerkennen. Eine inakzeptable, erniedrigende Forderung.“Deshalb seien so viele Studenten gegen den EU-Beitritt ihres Landes. Und außerdem: „Noch hat niemand wirkliche Verbesserungen in Serbien gesehen, seitdem das Land den Weg der EU-Integration geht.“

    Das seien doch bloße Medienspekulationen, entgegnet Professorin Turajlic. „Die Zeitungen schreiben unentwegt, wie die EU immer wieder Forderungen stellt und Serbien quält. Natürlich ruft das dann Wut und Widerstand hervor.“

    Also ist die EU-Ablehnung unter serbischen Studenten nur auf Stimmungsmache und Emotionen zurückzuführen? Professor Cavoski schaut nochmal hin: „Studenten denken freier. Und sie bekommen Zweifel, wenn sie das Gefühl haben, belogen zu werden.“ Das sehe man an deren starkem „Nein“ zu einem möglichen Nato-Betritt des Landes. „Noch wissen die Studenten, dass die Allianz Serbien – entgegen dem Völkerrecht – bombardiert hat. Sollen sie da etwas Gutes von der Allianz erwarten? Ein Beitritt wäre doch eine Lachnummer und einfach erniedrigend“, sagt der Jurist klar und betont: „Man kann eben nicht ein ganzes Volk die ganze Zeit belügen.“

    An der Umfrage des Zentrums für internationale Öffentlichkeitspolitik in Belgrad haben über 1.300 Studenten von 38 Fakultäten teilgenommen.

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    Tags:
    Studenten, EU, NATO, Serbien