06:17 23 August 2017
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    Gegen Atom (Symbolbild)

    Litauens Boykott des Weißrussischen AKW verfolgt politische Ziele

    © AP Photo/ Mikhail Metzel
    Politik
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    Litauen zimmert eine Koalition gegen den Export von weißrussischem Strom zusammen. Das Ziel ist, diesen Boykott, der ausgesprochen politische Ziele verfolgt, auf die Ebene der Europäischen Union zu heben, schreibt das russische Portal rueconomics.ru unter Berufung auf einen führenden Experten des Fonds für nationale Energiesicherheit.

    Vilnius will die Idee eines Boykotts der Elektrizität durchsetzen, die künftig im Weißrussischen Atomkraftwerk erzeugt wird. Einige litauische Parlamentarier hatten bereits eine Resolution registriert, in der ein Appell an Estland, Lettland und Polen enthalten ist, das Einspeisen von Strom des Weißrussischen AKW in die Verbundnetze des Baltikums und Polens nicht zuzulassen.

    „Der Bau des Weißrussischen Atomkraftwerks gefährdet die gesamte Region“, erklärt das konservative Seimas-Mitglied Žygimantas Pavilionis. Sein Kollege Laurynas Kasčiūnas plädiert für ein Konzept einheitlicher Politik der EU, die es gestatten würde, sich vor gefährlichen Atomkraftwerken in dritten Ländern in der EU-Nachbarschaft zu schützen.

    Litauen wendet sich seit langem gegen den Erwerb von Strom des Weißrussischen AKW, das in Ostrowez unweit der litauischen Grenze gebaut wird. Das Kraftwerk war unter anderem auch für den Export von Strom nach Litauen und in andere europäische Länder geplant gewesen.

    Litauen argumentiert damit, dass es sich dabei um „schmutzige und daher gefährliche“ Elektrizität handelt. In Wirklichkeit geht es eher um eine politische Kampagne Litauens gegen Weißrussland: Vilnius hatte sein Atomkraftwerk in Ignalina schließen müssen und ist jetzt neidisch, dass der Nachbar ein Kraftwerk baut und billigen Strom exportieren will, schreibt rueconomics.ru am Donnerstag.

    Polen hat sich im Grunde genommen dem Boykott angeschlossen, kann seine Position aber jederzeit ändern. Warschau wird sich demnächst gezwungen sehen, seine mit Kohle betriebenen Kraftwerke stillzulegen und sie durch neue mit Gas betriebene Anlagen zu ersetzen. Indes wird billiges Gas nur von Russland angeboten, auf das Polen verzichtet. In diesem Fall wird Warschau auf den Import von Strom angewiesen sein, der aber in Weißrussland am billigsten ist.

    Experten weisen darauf hin, dass Weißrussland mit ziemlich hohen Risiken rechnen muss. Auch Russland würde dieser Boykott nicht zupassekommen. Wenn Strom nicht exportiert werden kann, wird er auf den Inlandsmarkt fließen und die Energiebilanz zu Ungunsten von Gas ändern. In diesem Fall wird Russland nicht mehr in der Lage sein, mehr Erdgas an Weißrussland zu verkaufen.

    Wenn das Atomkraftwerk in Ostrowez nicht Rosatom, sondern ein europäischer oder ein US-amerikanischer Konzern gebaut hätte, wäre die Einstellung zu diesem AKW nicht so kritisch gewesen, heißt es in dem Beitrag.

     

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    Tags:
    Atomkraftwerk, Boykott, EU-Länder, Litauen, Weißrussland
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