18:31 17 November 2017
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    Chagos-Archipel (NASA-Aufnahme aus dem All)

    Schlappe bei der Uno: London verliert gegen Insel-Staat

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    Politik
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    Großbritannien hat bei den Vereinten Nationen eine erniedrigende Niederlage erlitten: In der Frage der Entkolonialisierung einer Insel im Indischen Ozean hat die UN-Vollversammlung gegen Londons Interessen gestimmt.

    Der kleine Inselstaat Mauritius wirft Großbritannien seit langem vor, sich den Chagos-Archipel völkerrechtswidrig angeeignet zu haben. Der rechtliche Status dieser Insel solle beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag geklärt werden, so eine Forderung der mauritischen Regierung, wie die Onlinezeitung „Vzgljad“ berichtet.

    Die UN-Vollversammlung hat dieser Forderung in einer entsprechenden Resolution nun stattgegeben. 94 Länder haben die mauritische Resolution mitgetragen, 15 stimmten dagegen, 65 Länder – darunter viele EU-Mitglieder – enthielten sich, berichtet „The Guardian“.

    „Ich bin begeistert. Interessant ist, dass die EU Großbritannien nicht unterstützt hat. Jetzt warten wir auf eine Reaktion Großbritanniens auf das Ergebnis“, sagte der mauritische UN-Botschafter Dschagdisch Kundschul laut dem Portal.

    Unter den Ländern, die sich enthalten haben, sind Frankreich, Deutschland, Spanien, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Estland, Lettland, Griechenland und Finnland. Russland, Kanada und die Schweiz haben nicht an der Abstimmung teilgenommen. Die USA und Japan haben gegen die Resolution gestimmt.

    Dass die Resolution verabschiedet wurde, ist ein schwerer Schlag für das internationale Ansehen Großbritanniens, so das Portal. Dies zeige den eingeschränkten diplomatischen Einfluss des britischen Außenministers Boris Johnson.

    Der Chagos-Archipel ist eine Inselgruppe im Indischen Ozean mit über 60 tropischen Inseln. Sie befinden sich ungefähr 500 Kilometer südlich der Malediven, ziemlich genau zwischen Afrika und Indonesien. Das Problem der Kolonialisierung des Archipels sei seit Jahren immer akuter geworden, so die Zeitung.

    1965 hatte Großbritannien den Archipel von Mauritius abgetrennt. Der Inselstaat war damals eine britische Kolonie und stand drei Jahre vor seiner Unabhängigkeit. Die Abtrennung verstoße gegen eine UN-Resolution von 1960, die eine Aufspaltung der Kolonien bis zu ihrer Unabhängigkeit verbietet, kritisiert die mauritische Regierung.

    Die meisten der 1.500 Einwohner des Chagos-Archipels wurden nach der Abspaltung umgesiedelt, um laut dem Portal Platz zu machen für eine US-Luftwaffenbasis. Diese wurde 1971 auf der größten Insel des Archipels, der Diego Garcia, eingerichtet, die die USA eigens dafür von den Briten gepachtet hatten. Großbritannien hatte versprochen, den Archipel an Mauritius zurückzugeben, sobald das Militär die Inselgruppe nicht mehr braucht – ohne jedoch genaue Fristen festzulegen, schreibt das Portal.

    Die USA ist eines der wenigen Länder, die Großbritanniens Position in der Frage der Entkolonialisierung des Archipels unterstützen. Der mauritische Botschafter erklärte: Falls Mauritius die Souveränität über den Chagos-Archipel wiedererlange, werde es den Vereinigten Staaten anbieten, die Inselpacht für die Luftwaffenbasis zu verlängern.

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    Tags:
    Protest, Niederlage, Inselstreit, Uno, Boris Johnson, Großbritannien
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