11:26 16 Dezember 2019
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    Plakat mit Trump und Putin, Montenegro (Symbolbild)

    Bleibt der Höhepunkt von G20 aus? Aussichten für Treffen Putin-Trump in Hamburg vage

    © REUTERS / Stevo Vasiljevic
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    Zum 20. Mal bereits trafen sich Vertreter aus Kultur, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft Russlands und Deutschlands zu den Potsdamer Begegnungen. Eine Frage, die die Teilnehmer besonders beschäftigte war der anstehende G20-Gipfel in Hamburg.

    Mit besonderer Spannung wird das erste persönliche Aufeinandertreffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des US-Präsidenten Donald Trump auf dem G20-Gipfel erwartet. Viele Teilnehmer des deutsch-russischen Spitzentreffens in Berlin hielten dies, trotz aller wichtiger Programmpunkte für das entscheidende Ereignis des Hamburger Gipfels. Allerdings waren sich einige Teilnehmer der Potsdamer Begegnungen nicht sicher, ob das Treffen des russischen Präsidenten mit seinem amerikanischen Amtskollegen überhaupt stattfindet.

    Konstantin Kossatschow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrats (Russlands Oberhaus), äußerte sich im Interview mit Sputnik eher skeptisch: „Was das russisch-amerikanische Treffen beim G20-Gipfel angeht, so ist es bisher nicht bestätigt. Mehr noch, ich sehe in den inneren Kreisen auch keinerlei Vorbereitungen dafür, von keiner der beiden Seiten. Und Treffen ohne Vorbereitung sind sinnlos: Einander die Hand zu geben und sich in die Augen zu sehen, ist natürlich wichtig, aber das kann nicht das einzige Ergebnis eines Treffens von zwei Weltmächten wie Russland und den USA sein. Eben wurde ein für heute geplantes Treffen auf Vizemaußenministerebene durch die russische Seite abgesagt, als Antwort auf die neuen Sanktionen, die gegen russische Personen und Unternehmen eingeführt wurden. Daher denke ich, dass das Treffen auf dem G20-Gipfel nicht notwendigerweise stattfinden wird. Und wenn man in der verbleibenden Zeit doch noch den Dialog wieder herstellen, die Vorbereitung durchführen und das Treffen effektiv abhalten kann,  dann kann man nur hoffen, dass die beiden Staatschefs endlich übereinkommen können, sich nicht mehr mit gegenseitigen Vorwürfen zu konfrontieren und gemeinsame Punkte zu suchen.“

    „Ich glaube, die Formel für die amerikanisch-russischen Beziehungen sollte sein: Wir wissen, dass wir nicht immer einig sind, doch da, wo wir einander als Partner begegnen können, sollten wir es auch unbedingt tun“, fügte der Außenpolitiker hinzu. „Unsere Widersprüche sollten uns nicht daran hindern, zusammenzuarbeiten, wo wir einander unterstützen können. Solche Sphären gibt es mehr als genug. Allen voran sind das die Bereiche der Sicherheit, der Stabilität, der Abrüstung, der Terrorismusbekämpfung und der wirtschaftlichen Entwicklung.“

    Ernst-Jörg von Studnitz, ehemaliger deutscher Botschafter in Russland, hält den Fakt, dass die US-Administration ein persönliches Treffen der beiden Präsidenten bisher noch nicht bestätigt hat, für ein Spielchen und ist sich sicher, dass es zu einem Treffen kommen wird.

    Horst Teltschik, Ehemaliger Außen- und Sicherheitsberater von Bundeskanzler Helmut Kohl, hält unter einen Präsidenten Trump alles für möglich: „Der amerikanische Präsident ist unberechenbar. Ich schließe nicht aus, dass Trump offensiv auf Putin zugehen wird und versucht einen Deal zu machen, der ihm innenpolitisch hilfreich ist. Aber auch das Gegenteil wäre denkbar, dass Trump die Konfrontation sucht, was ihm bei seinen republikanischen Abgeordneten auch helfen würde. Der Vorteil beim G20-Gipfel ist, dass alle zusammensitzen, oft auch ohne Mitarbeiter und dass es auch zu bilateralen Gesprächen kommt. So entsteht oft eine eigene Atmosphäre mit einer eigenen Dynamik. So bekommt man einen unverfälschten Eindruck vom anderen.”

    Laut Teltschik hätten sich die Voraussetzungen für ein produktives russisch-amerikanisches Treffen in Hamburg in den letzten Wochen jedoch verschlechtert. Als Gründe hierfür führt Teltschik an: „Eine Reihe von Aktionen wirken sich im unmittelbaren Vorfeld des G-20-Treffens negativ aus. Das sind der Abschuss eines syrischen Kampfflugzeuges durch das amerikanische Militär, die Diskussion in den USA über die Frage, ob sich Russland in den Wahlkampf eingemischt hat, das Treffen Trump-Poroschenko jetzt in Washington mit Vereinbarungen, die die Gefahr beinhalten, dass unsere russischen Freunde das als Affront verstehen könnten, und die Fülle der Waffenlieferungen, die gerade von amerikanischer Seite neu entschieden wurden und auch die Entscheidung des EU-Gipfels, die Russland-Sanktionen undifferenziert zu verlängern.“

    Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen setzt Teltschik auch auf den Einfluss der anderen G20-Terilnehmer, insbesondere von Kanzlerin Merkel und dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron: „Hilfreich könnte hierbei sein, wie Macron und Merkel mit Putin umgehen. Auch der Umgang der anderen Teilnehmer mit Putin könnte Trump deutlich machen, dass man bei allen Differenzen einen konstruktiven Umgang miteinander haben kann. Es wird also spannend zu sehen, wie Putin und Trump zusammentreffen und wie Merkel und Macron bei diesem ersten gemeinsamen Gipfel zusammenwirken werden.“

    Armin Siebert

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    Tags:
    Treffen, G20-Gipfel, Donald Trump, Ernst-Jörg von Studnitz, Horst Teltschik, Konstantin Kossatschow, Wladimir Putin, Deutschland, USA, Russland