02:45 18 Februar 2019
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    Nato-Luftraumüberwachung im Baltikum

    Spannungen im Ostseeraum: NATO begeht gefährlichen Fehler

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    Politik
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    Dauereinsätze der NATO-Luftwaffe im Baltikum haben nur weitere Spannungen in der Region zur Folge. Ein russischer Experte äußert sich zum jüngsten Zwischenfall über der Ostsee, als zwei polnische F-16-Jets die Maschine von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu begleiten wollten.

    „Die polnische Führung hätte diese Entscheidung nie allein getroffen“, meinte Jewgeni Koschokin, Professor an der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen, in einem Sputnik-Interview. Warschau bestätigte, dass es sich um polnische Flugzeuge handelt. Der polnische Sender RMF FM berichtete, dass polnische F-16-Jets Schoigus Maschine und die begleitenden Su-27-Jäger über der Ostsee abgefangen hatten.

    Der russische Minister flog über neutralem Gewässer zu einer Sitzung des Kollegiums seines Ressorts nach Kaliningrad (vormals Königsberg).

    Ein NATO-Sprecher erklärte, dass Piloten der Allianz herkömmliche Manöver absolvieren, wenn sich „ein unbekanntes Flugzeug dem Luftraum der NATO nähert“. Sie blieben aber stets in sicherer Entfernung. Die Allianz habe nicht gewusst, wer sich an Bord des russischen Flugzeugs befunden habe. Manöver russischer Kampfjets bewertete der Sprecher als „gefahrlos und professionell“.

    Der Einsatz der polnischen Flugzeuge wurde auch vom operativen Kommando der polnischen Streitkräfte bestätigt. Nach Angaben der litauischen Armee hoben die beiden Abfangjets vom Luftstützpunkt Šiauliai ab.

    Prof. Koschokin ist der Ansicht, dass das nordatlantische Bündnis mit derartigen Handlungen versucht, die russische Führung unter Druck zu setzen. „Solche Zwischenfälle sind gefährlich: Ein kleiner technischer oder ein Pilotenfehler – und da könnte Unberechenbares passieren. Leider hatten sich Menschen, die diesen Befehl erteilten, von ihrem Bestreben leiten lassen, die Führung Russland unter Druck zu setzen.“

    NATO-Strategen, vor allem in Washington, seien der Ansicht, dass Russland diesem psychologischen Druck nicht standhalten und Zugeständnisse machen werde, die äußerst negative Folgen für Russland als Ganzes haben würden. „Ich glaube, ihr Kalkül sei falsch, die russische Führung auf solche Weise unter Druck zu setzen. Das ist ein gefährlicher Fehler.“

    „Obwohl russische Flugzeuge von NATO-Jets abgefangen werden, ist nicht nur das Bündnis allein dafür verantwortlich. Das sind auch konkrete Länder (…) Diese Aktion wurde mit dem Staat abgestimmt, der für führende NATO-Macht ist. Eben deshalb sind in erster Linie die Vereinigten Staaten dafür verantwortlich.“

    Zugleich erinnerte Koschokin daran, dass bei weitem nicht alle NATO-Länder zu derartigen Aktionen bereit sein würden. In der Geschichte der Allianz habe es nicht wenig Fälle gegeben, da einige Mitgliedsländer die Führungsmacht zurechtgewiesen hätten. „Deshalb hat auch die polnische Seite einen Teil ihrer Verantwortung zu tragen. Bedauerlich ist, dass die polnische Führung sich nicht immer von den eigenen nationalen Interessen leiten lässt und Handlungen unternimmt, die weder für die Stabilität in Europa förderlich sind noch den Interessen Polens selbst Rechnung tragen“, betont Koschokin.

     

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